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11.06.2014

07:18 Uhr

Nach Zinssenkung

Commerzbank bringt kein Geld zur Bank

Den Strafzins auf Einlagen bei der Europäischen Zentralbank will die Commerzbank so niedrig wie möglich halten. Daher soll nicht mehr Geld als absolut notwendig bei den Währungshütern hinterlegt werden, sagt der Chef.

Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main: Die Bank verabschiedet sich aus dem Immobilienkreditgeschäft in Spanien und Portugal. dpa

Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main: Die Bank verabschiedet sich aus dem Immobilienkreditgeschäft in Spanien und Portugal.

FrankfurtDie Commerzbank, Nummer zwei unter den deutschen Banken, wird nicht mehr länger Überschussreserven bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, nachdem die Währungshüter die Zinsen in den negativen Bereich gesenkt hatten. Das sagte Vorstandschef Martin Blessing am späten Dienstag am Rande einer Konferenz in Frankfurt.

Geschäftsbanken müssen bei der Zentralbank ein Minimum an Sicherheiten hinterlegen. Im März 2014 betrug diese Mindestreserve für deutsche Institute insgesamt 27,4 Milliarden Euro (Seite 42* des Bundesbank-Monatsberichts), zusätzlich hatten sie darüber hinaus weitere 31 Milliarden Euro Überschussreserven bei der EZB hinterlegt.

Blessing bezeichnete die EZB-Entscheidung der vergangenen Woche als Experiment, deren Ergebnisse sich in ein paar Monaten oder Quartalen zeigen würden.

Mario Draghis Krisenkurs in Zitaten

Amtsantritt am 3.November 2011 in Frankfurt

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung.“

26. Juli 2012 in London

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

EZB-Sitzung am 4. Juli 2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

Nach der Leitzinssenkung am 7. November 2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern – das sehen wir nicht.“

Gespräch mit Altkanzler Schmidt am 7. November 2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

EZB-Sitzung am 3. April 2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

EZB-Sitzung am 8. Mai 2014

„Der EZB-Rat fühlt sich wohl damit, beim nächsten Mal zu handeln.“

EZB-Konferenz am 26. Mai 2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

EZB-Chef Mario Draghi hatte am Donnerstag den Einlagensatz auf minus 0,1 Prozent gesenkt - und damit als erste bedeutende Zentralbank einen ihrer Zinssätze in den Negativ-Bereich geführt. Der Negativzins wird unter anderem auf die Überschussreserven angewandt.

Um den Kreditfluss in den Teil der Wirtschaft zu lenken, der diesen benötigt, eröffnete die EZB auch einen 400 Milliarden Euro schweren, an die Kreditvergabe der Banken gebundenen Liquiditätskanal. Außerdem werden die Währungshüter mit Arbeiten zum Erwerb von Aktiva beginnen.

Eine Verschlechterung der Konjunkturperspektiven und eine längere Phase niedriger Inflation hatte die EZB zum Handeln bewogen, um der zerbrechlichen Konjunkturerholung im Euroraum zu begegnen. Die bereits lockere Geldpolitik der EZB war längst nicht in allen Segmenten der aus 18 Ländern bestehenden Währungsgemeinschaft angekommen.

Kommentare (5)

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11.06.2014, 07:45 Uhr

"Im März 2014 betrug diese Mindestreserve für deutsche Institute insgesamt 27,4 Milliarden Euro [...] darüber hinaus weitere 31 Milliarden Euro Überschussreserven [...]"

Wieso hat man den Negativzins nicht nur auf die Überschussreserven verhängt? Auch wenn keine Bank Überschussreserven bei der EZB parkt, so kriegt die EZB trotzdem 27 Millionen aus Deutschland als Zinsen.

Account gelöscht!

11.06.2014, 08:35 Uhr

nennt man Strafsteuer...

Account gelöscht!

11.06.2014, 11:04 Uhr

Kann mal jemand erklären, was es mit dem viel zitierten "Parken über Nacht" von Geld bei der EZB auf sich hat? Vor der letzten Senkung betrug der Zins (korrigiert mich!) doch bereits 0% und jetzt -0,1% - warum verschiebt eine Bank dann überhaupt Geld über Nacht zur EZB? Wo ist der Nutzen? Warum ist es bei der EZB sicherer als auf den eigenen Festplatten? Danke für die Aufkärung...

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