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04.07.2017

14:06 Uhr

Nachfolge von Wolfgang Kirsch

DZ Bank setzt auf Doppelspitze

Die Fusion von DZ Bank und WGZ ist geglückt, nun wird an den Strukturen gefeilt. Das zieht Kreise im Lager der Genossenschaftsbanken: Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kirsch geht Ende 2018, eine Doppelspitze kommt.

Der Vorstandsvorsitzende der DZ Bank wird bei seinem Ausscheiden 63 Jahre alt sein. dpa

Wolfgang Kirsch

Der Vorstandsvorsitzende der DZ Bank wird bei seinem Ausscheiden 63 Jahre alt sein.

FrankfurtDie DZ Bank bekommt von 2019 an eine Doppelspitze und bereitet sich damit auf eine neue Konzernstruktur vor. Wolfgang Kirsch geht Ende 2018 als Vorstandschef des Spitzeninstituts der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken mit dann 63 Jahren in Ruhestand, wie die DZ Bank am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Er hatte seine bisher elfjährige Amtszeit mit dem Zusammenschluss mit der kleineren Schwester WGZ Bank gekrönt, der nach mehreren vergeblichen Anläufen 2016 gelang. Die DZ Bank ist seither Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank. An Kirschs Stelle rücken in eineinhalb Jahren der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich (56), und DZ-Bank-Finanzvorstand Cornelius Riese (42).

Fröhlich wechselt bereits zum 1. November als Generalbevollmächtigter von Berlin nach Frankfurt. Sein Schritt ist ungewöhnlich, vertritt der BVR doch die Eigentümer der DZ Bank, die Volks- und Raiffeisenbanken. Riese war 2013 zum Finanzvorstand der DZ Bank aufgestiegen. Die Aufgabenverteilung im künftigen Vorstand weist bereits auf die neue Struktur hin, die sich das Institut geben will. Während sich Fröhlich um die Ausgestaltung des eigenen Geschäfts und der Zentralbank-Funktion für den genossenschaftlichen Bankenverbund widmen solle, werde Riese für die Holding-Funktion als Eigentümer von Töchtern wie der R+V Versicherung, der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der VR Leasing zuständig sein.

DZ und WGZ Bank – Zusammenschluss unter Genossen

Ankündigung

Im November 2015 machten die Frankfurter DZ Bank und die Düsseldorfer WGZ Bank die Pläne für ihre Fusion publik. Die Aufsichtsräte stimmten der Absicht danach je einstimmig zu.

Vergangenheit

Es war der fünfte Anlauf für eine Fusion. Vorherige Versuche waren vor allem am Widerstand der WGZ-Eigner gescheitert, zuletzt im Jahr 2009. Auch 2001 und 2004 hatte es bereits entsprechende Gespräche gegeben.

Zeitplan

Bereits zum 1. August 2016 war die Verschmelzung abgeschlossen. Die DZ Bank und wurde damit zu diesem Zeitpunkt die drittgrößte deutsche Geschäftsbank.

Auswirkungen

2016 erzielte die DZ Bank trotz der Aufwendungen für ihre Fusion erneut einen Milliardengewinn. Mit einem Vorsteuergewinn von rund 2,2 (Vorjahr: 2,45) Milliarden Euro erreichte das vergrößerte Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken das anvisierte Ziel von zwei Milliarden Euro sicher.

Die Genossenschaftsbanken hatten mehr Transparenz gefordert, womit die DZ Bank eigentlich ihr Geld verdient. Einen Beschluss zur Aufspaltung des Spitzeninstituts traf der Aufsichtsrat am Dienstag noch nicht. In den nächsten zwei Jahren sollen zunächst nur die Verantwortlichkeiten für Geschäftsbank- und Holding-Aufgaben getrennt werden, aber innerhalb der bestehenden DZ Bank AG. Eine Neuordnung mit einer Holding, unter der das eigentliche Bankgeschäft und die Beteiligungen angesiedelt werden, soll erst 2020 in Angriff genommen werden. „Die juristische Ausgestaltung erfordert eine umfassende Vorbereitung und Prüfung“, erklärte das Gremium. Bis zur Umsetzung könnten weitere drei Jahre vergehen.

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Die DZ Bank ist das zweitgrößte deutsche Geldhaus. Im Interview übt sich Vorstandschef Wolfgang Kirsch dennoch in Zurückhaltung gegenüber der Deutschen Bank und erklärt, warum Fusionen unter Genossen sinnvoll sind.

Fröhlich war Anfang 2008 von der Berliner Volksbank zum BVR gekommen und noch im gleichen Jahr zum Präsidenten aufgerückt. Die Genossenschaftsbanken hatten die Finanzkrise ohne fremde Hilfe überstanden. Seine Nachfolgerin beim BVR kommt ebenfalls von der Berliner Volksbank. Marija Kolak war dort vor gut einem Jahr Vorstand geworden, nachdem sie von 2012 bis 2015 für das Marketing des BVR verantwortlich zeichnete. Zum 1. Januar 2018 kehrt die Diplom-Kauffrau zu dem in Berlin ansässigen Verband zurück.

Kirschs Vertrag war erst während der Fusionsverhandlungen mit der WGZ Bank bis 2020 verlängert worden. In den kommenden eineinhalb Jahren hat er noch einige Aufgaben zu lösen: von der Fusion der Immobilienfinanzierer DG Hyp und WL Bank bis zum Umbau der Leasing-Tochter VR Leasing.

Die größten Genossenschaftsbanken (2016)

Platz 10

Evangelische Bank eG (Kassel)

Bilanzsumme: 7,2 Mrd. Euro
Einlagen: 6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,8 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4 Mrd. Euro

Platz 9

Sparda-Bank München eG

Bilanzsumme: 7,2 Mrd. Euro
Einlagen: 6,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,3 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4,3 Mrd. Euro

Alle Angaben beziehen sich auf das Jahresende 2016.

Platz 8

Bank für Sozialwirtschaft AG (Köln)

Bilanzsumme: 8,6 Mrd. Euro
Einlagen: 6,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 453 Mio. Euro
Kundenforderungen: 5,5 Mrd. Euro

Platz 8

Sparda-Bank West eG (Düsseldorf)

Bilanzsumme: 9 Mrd. Euro
Einlagen: 8 Mrd. Euro
Spareinlagen: 2,9 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4,6 Mrd. Euro

Platz 6

Frankfurter Volksbank eG

Bilanzsumme: 9,3 Mrd. Euro
Einlagen: 7,3 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,6 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 5,2 Mrd. Euro

Platz 5

Sparda-Bank Südwest eG (Mainz)
Bilanzsumme: 9,4 Mrd. Euro
Einlagen: 7,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,8 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 6,5 Mrd. Euro

Platz 4

BBBank eG (Karlsruhe)

Bilanzsumme: 10,2 Mrd. Euro
Einlagen: 8,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 2,2 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 5,5 Mrd. Euro

Platz 3

Berliner Volksbank eG

Bilanzsumme: 12.5 Mrd. Euro
Einlagen: 10,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 895 Mio. Euro
Kundenforderungen: 7,7 Mrd. Euro

Platz 2

Sparda-Bank Baden-Württemberg eG (Stuttgart)

Bilanzsumme: 13,4 Mrd. Euro
Einlagen: 11,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 4,7 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 10,7 Mrd. Euro

Platz 1

Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (Düsseldorf)

Bilanzsumme: 38,8 Mrd. Euro
Einlagen: 25,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 93 Mio. Euro
Kundenforderungen: 29,7 Mrd. Euro

Quelle

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

Von

rtr

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