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30.09.2011

10:30 Uhr

Nachfolger für Grübel

UBS schaltet Headhunter in Chefsuche ein

Die Schweizer Großbank drückt bei ihrer Suche nach einem neuen Chef jetzt richtig aufs Gas. Eine renommierte Personalagentur soll der UBS nun zur Hand gehen. Dabei haben Experten schon einen Kandidaten im Auge.

Eine Spinne hat ihr Netz vor dem Logo der UBS gesponnen. Reuters

Eine Spinne hat ihr Netz vor dem Logo der UBS gesponnen.

ZürichDie Großbank UBS lässt sich von einem Headhunter bei der Suche nach einem neuen permanenten Konzernchef helfen. „Der Verwaltungsrat hat einen Personalberater beauftragt“, teilte ein UBS-Sprecher mit. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtet, soll es sich dabei um die Personalberatung Egon Zehnder handeln. Dazu wollte sich der Sprecher des Bankhauses allerdings nicht äußern.

Ganz anders sieht dies wiederum bei einem potenziellen Anwärter für den Chefposten aus: nämlich den früheren JPMorgan Chase-Top-Manager Bill Winters. Das Wall Street Journal schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, dass die UBS zumindest Winters bereits angesprochen habe. Hierzu heißt es allerdings aus dem Bankhaus: Der Verwaltungsrat habe bisher keinen Kontakt mit möglichen Kandidaten aufgenommen. Aus Kreisen heißt es, dass die UBS-Spitze erst einmal auf eine Liste mit entsprechenden Kandidaten warte.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Seit vergangenen Samstag wird die größte Schweizer Bank von Sergio Ermotti geführt, der nach dem überraschenden Rücktritt von Konzernchef Oswald Grübel zum Interims-Chef ernannt wurde. Grübel hatte die Konsequenz aus dem milliardenschweren Handelsskandal gezogen. Durch die nicht genehmigten Transaktionen hatte das Kreditinstitut über 2,3 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) verloren.

Der 67 Jahre alte Grübel hatte 2009 bei UBS das Steuer übernommen, als die Bank nach den Milliardenverlusten in der Finanzkrise und wegen des Steuerstreits mit den USA an den Rand des Zusammenbruchs geraten war. Reiche Kunden hatten der UBS massenhaft den Rücken gekehrt. Grübel war es gelungen, das Vertrauen in die Bank wiederherzustellen und den Konzern in die Gewinnzone zurückzuführen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.09.2011, 12:54 Uhr

Ich stehe für so einen langweiligen Job nicht zur Verfügung !!!

Blaueshufeisen

30.09.2011, 14:12 Uhr

Das ist schade, damit wäre der wichtigste Kandidat wieder runter von der Liste...

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