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09.01.2008

09:04 Uhr

Nachfolger soll bereits feststehen

Subprime-Welle spült Schwartz nach oben

Neues Opfer der Finanzkrise: Nach 15 Jahren als CEO der Investmentbank Bear Stearns gibt James Cayne die Verantwortung für das Tagesgeschäft ab. Auf den 73-Jährigen soll der bisherige Präsident, Alan Schwartz, folgen, teilte das Institut am Donnerstagabend mit. Er werde aber weiter dem Direktorium der fünftgrößten US-Investmentbank vorstehen, hieß es.

Jetzt soll hinter der Fassade der Bear-Stearns-Zentrale endlich Ruhe einkehren. Der Chef der US-Investmentbank wurde ausgewechselt. Foto: Reuters

Jetzt soll hinter der Fassade der Bear-Stearns-Zentrale endlich Ruhe einkehren. Der Chef der US-Investmentbank wurde ausgewechselt. Foto: Reuters

tor HB NEW YORK. NEW YORK. Cayne ist nach Charles Prince von der Citigroup, Stanley O'Neal von Merrill Lynch und Peter Wuffli von der Schweizer UBS der vierte Chef einer Großbank, der im Zusammenhang mit der Finanzkrise seinen Hut nimmt.

Der Rücktritt von Cayne kommt nicht unerwartet. Seit dem Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds von Bear Stearns im Juni 2007 steht der Wall-Street-Veteran unter Druck. Kritiker werfen ihm vor, dass er auf dem Höhepunkt der Krise seine Pflichten als Konzernchef vernachlässigt habe. Cayne wurde damals auf Golfplätzen in New Jersey und bei einem Bridge-Turnier in Nashville gesehen. Der eigenwillige Top-Banker, der das Ruder seiner Bank seit fast 15 Jahren in der Hand hält, hat sich von den Vorwürfen zunächst kaum beeindrucken lassen. Stattdessen feuerte er den damaligen Co-Präsidenten Warren Spector.

Größere Spuren haben bei Cayne offenbar die wirtschaftlichen Folgen der Krise hinterlassen. Bear Stearns musste zunächst seinen beiden notleidenden Hedge-Fonds mit einer Milliardenhilfe zu Hilfe kommen. Im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres meldete Bear Stearns mit 854 Mill. Dollar den ersten Verlust der fast 100-jährigen Firmengeschichte. Das starke Engagement im Hypothekengeschäft zwang die Bank bisher zu Wertberichtigungen von 1,9 Mrd. Dollar. Die Eigenkapitalrendite sank auf mickrige 1,8 Prozent. Der Aktienkurs brach 2007 um mehr als die Hälfte ein und hat seit Beginn des neuen Jahres bereits weitere 14 Prozent eingebüßt. "Die Firma hat großen Schaden erlitten", sagte Meredith Whitney, Analystin beim kanadischen Brokerhaus CIBC Markets. Das alles blieb nicht ohne Wirkung auf Cayne. Er und seine Kollegen im Top-Management verzichteten für das abgelaufene Jahr auf ihre Boni.

Bear Stearns wurde stärker als andere Wall-Street-Häuser von der Subprime-Krise getroffen. Rund ein Drittel der Einnahmen im Anleihegeschäft erwirtschaftet die Bank mit Hypothekenprodukten. Die Immobilienkrise und der damit verbundene Wertverfall vieler Hypothekenderivate stürzte die Bank in eine Existenzkrise. Auch die Vermögensverwaltung erlitt durch den Untergang der beiden Hedge-Fonds einen schweren Rückschlag. Anders als die Rivalin Lehman Brothers konnte Bear die Einbußen in den USA nicht durch Zugewinne im Ausland auffangen.

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