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12.01.2004

08:05 Uhr

Nachspiel des Banken-Kollaps der 90er beginnt heute

Bank von England muss vor Gericht

VonFelix Schönauer (Handelsblatt)

Nach juristischem Vorgeplänkel über mehr als zehn Jahre muss sich die Bank von England ab heute wegen des Milliardenskandals um die Bank of Credit and Commerce International (BCCI) vor Gericht verantworten.

LONDON. Die brisante Sammelklage der 6 500 früheren Kontoinhaber wirft der als Bankenregulierer einst tätigen Bank von England (BoE) vor, bei der Aufsicht versagt zu haben. BCCI, ein mit krimineller Absicht zusammen gestricktes Firmen- Geflecht, kollabierte 1991 und hinterließ einen Schaden in Höhe von mehr als zehn Mrd. Pfund – die damals größte Bankenpleite weltweit.

Für die „Old Lady“ BoE steht im Verfahren mehr auf dem Spiel als der geforderte Schadenersatz von rund 850 Mill. Pfund ( 1,2 Mrd. €) und die Anwaltskosten von rund einer Mill. Pfund im Monat. Die Kläger versuchen der Bank auch Missbrauch nachzuweisen. Der im Auftrag der Gläubiger agierende Liquidator Deloitte & Touche muss dafür belegen, dass die Zentralbank bereits vor 1980 ernsthafte Bedenken gegen BCCI gehabt und nichts dagegen unternommen hat. Die BoE wiederum dürfte zunächst versuchen, die regulatorische Verantwortung nach Luxemburg zu schieben, wo sich der Sitz von BCCI befand. Falls das Argument nicht greift, dürfte die BoE versuchen, die Vorwürfe auf Nachlässigkeit abzuschwächen.

Bereits 1992 hatte der damalige Richter Lord Bingham einen Untersuchungsbericht zur BCCI-Affäre verfasst. Schon der ließ Zweifel daran aufkommen, dass die Regulierer von den kriminellen BCCI-Machenschaften nichts gewusst hatten. So hieß es bereits vom Leiter der Banküberwachung Ende der 70er Jahre, der Firmengründer und BCCI-Chairman Agha Abedi sei ein „schlüpfriger Kunde“. Ein anderer Banker sagte der Bank von England in eindeutigen Worten, er würde „diesem Aas nicht einmal ein Pfund leihen“.

Zwar kam Bingham am Ende zu dem Ergebnis, dass die Zentralbank nichts Schlimmes an dem Verhalten der BCCI-Manager habe feststellen können. Allerdings hatte der Lord nicht alle Unterlagen zur Verfügung. Deren Beschaffung durch die Kläger war einer der Gründe, warum sich das Verfahren bis heute hinzog. Die Bank von England musste erst per richterlichem Beschluss davon abgebracht werden, die Dokumente aus Gründen des „nationalen Interesses“ unter Verschluss zu halten.

Das Verfahren dürfte bis zu zwölf Monaten dauern.

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