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30.06.2015

14:19 Uhr

National Bank, Piraeus Bank, Eurobank

Fitch stuft griechische Großbanken herunter

Die Ratingagentur Fitch senkt die vier großen Banken Griechenlands herab. Die Kreditwürdigkeit der Institute bezeichnet sie als teilweisen Zahlungsausfall. Bürger können täglich nur 60 Euro am Geldautomat abheben.

Griechenlands Banken trifft die Krise hart - nun soll scheinbar ein Notfallplan helfen. dpa

Filiale der Alpha Bank in Athen

Griechenlands Banken trifft die Krise hart - nun soll scheinbar ein Notfallplan helfen.

FrankfurtDie Ratingagentur Fitch senkt wegen der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland den Daumen über die vier großen Banken des Landes. Fitch bewertet die Folgen für die Kreditwürdigkeit der Institute als teilweisen Zahlungsausfall („Restricted Default/RD“), wie die Bonitätsprüfer am späten Montagabend mitteilten.

Betroffen sind die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank Ergasias und die Alpha Bank.

Die Schuldenkrise in Griechenland

2010

März 2010: Das Parlament in Athen verabschiedet ein erstes massives Sparprogramm, das unter anderem Steuererhöhungen sowie das Einfrieren der Renten vorsieht. Massenproteste folgen. Die Eurostaaten sagen ein erstes Hilfspaket unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu.

April/Mai 2010: Griechenland beantragt offiziell ein Hilfsprogramm. Die Eurogruppe beschließt Notkredite in Höhe von 110 Milliarden Euro und verlangt im Gegenzug einen harten Sparkurs.

Oktober 2011

Ein zweites Rettungspaket wird beschlossen: Griechenlands private Gläubiger sollen freiwillig einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zustimmen. Zudem soll es Kredithilfen von 100 Milliarden Euro geben und Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird.

2012

Februar/März 2012: Das griechische Parlament stimmt einem weiteren Sparpaket zu, das auf Druck der internationalen Geldgeber mehrfach verschärft wird.

November 2012: Athen billigt abermals ein Sparpaket als Voraussetzung für weitere Hilfen. Ein drittes Rettungspaket ist im Gespräch. Die Eurogruppe signalisiert, dass weitere Hilfen möglich sind - aber erst, wenn das laufende Hilfsprogramm erfolgreich beendet wird.

Juli 2013

Und wieder muss Athen neuen Sparmaßnahmen zustimmen. Sie sehen unter anderem die Entlassung von 15 000 Staatsbediensteten vor. Bei weiteren 25 000 Beamten werden die Einkommen gekürzt.

Januar/Februar 2015

Januar 2015: Die Linkspartei Syriza unter Alexis Tsipras gewinnt die Parlamentswahl. Seine Popularität verdankt er der Ablehnung des vereinbarten Sparkurses.

Februar 2015: Die Euro-Finanzminister verlängern das - bereits einmal verlängerte - Hilfsprogramm von Ende Februar bis Ende Juni 2015.

März 2015

Athen legt eine Liste mit Reformen vor, die pro Jahr drei Milliarden Euro einbringen sollen. Es geht vor allem um den Kampf gegen Steuerhinterziehung. Die internationalen Geldgeber halten die Liste für unzureichend und verlangen Nachbesserungen.

Mai 2015

Das Tauziehen um Reformen geht weiter. Die Finanznot in Athen wird immer größer. Die Regierung sucht nach Geld, um Kreditschulden beim Internationalen Währungsfonds bezahlen zu können.

Juni 2015

Der IWF erlaubt Griechenland, insgesamt vier im Juni fällige Kredite erst Ende des Monats zurückzuzahlen. Athen legt neue Reformvorschläge vor, Krisentreffen auf Spitzenebene bleiben aber ergebnislos. Tsipras schlägt überraschend vor, das griechische Volk über die Sparvorschläge der Geldgeber abstimmen zu lassen und wirbt für ein negatives Votum. Die Eurogruppe erklärt die Verhandlungen für gescheitert, das Hilfsprogramm wird nicht verlängert.

Die Banken in Griechenland sind seit Montag geschlossen. Die Bürger können seither täglich nur maximal 60 Euro am Geldautomat abheben. Regierungschef Alexis Tsipras hatte die Schließung der Institute und die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen am Wochenende angekündigt.

Zuvor hatten immer mehr verängstigte Bürger Bargeld abgehoben und damit die ohnehin angespannte Lage der Geldhäuser verschärft. Die Kapitalkontrollen sollen das Finanzsystem des von der Pleite bedrohten Landes stabilisieren.

Von

dpa

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