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25.01.2005

09:13 Uhr

Nazis zwangen Privatbank zur Namensänderung

Das lange und vergebliche Hoffen eines Bankiers

VonKatharina Kort

Gemeinsam sind sie 344 Jahre alt. Das Bankhaus Gebhard & Hauck eröffnete 1796 in Frankfurt sein Geschäft, das Bankhaus Aufhäuser nahm seine Arbeit 1870 in der Münchener Schäfflergasse auf. Seit 1998 firmieren sie als fusionierte Privatbank unter dem Namen Hauck & Aufhäuser Privatbankiers.

FRANKFURT/M. Damit hat Aufhäuser seinen Namen als feine Privatbank mit persönlich haftenden Gesellschaftern über zwei Jahrhundertwenden gerettet. Auch heute zählt Hauck & Aufhäuser zu den Top-Adressen der vermögenden Klientel.

Doch während der Name geblieben ist, steht die Familie Aufhäuser nicht mehr hinter dem Bankhaus. Nach der Flucht vor den Nazis starb Martin Aufhäuser, der älteste Sohn des Firmengründers Heinrich Aufhäuser, 1944 im Alter von 69 Jahren als gebrochener Mann in den USA. Und selbst auf den Namen musste die Bank fünfzehn Jahre lang verzichten. Denn der wurde im Zuge der Arisierung der Bank in „Seiler & Co“ geändert.

Martin Aufhäuser, der 1901 als 26-Jähriger in die Bank eintrat, hat die Gefahren, die von der Machtergreifung Hitlers ausging, lange unterschätzt. Noch im Sommer 1936 schreibt er an das Reichswirtschaftsministerium, bittet um Rückendeckung gegen die Vorstöße der Deutschen Arbeitsfront, die die Bank arisieren will. Die Antwort ist auf den ersten Blick positiv: In dem Schreiben legt das Reichswirtschaftsministerium fest, dass es nicht dem Gesetz entspreche, „wenn der Geschäftsverkehr mit der genannten Firma lediglich wegen der Rassenzugehörigkeit der Inhaber behindert“ werde. Doch die Auskunft hat einen Haken: den Zusatz, dass sie „nicht zu Werbezwecken“ verwendet werden dürfe. Die Kunden dürfen also nicht über das Schreiben informiert werden. In Zeiten, in denen die nichtjüdischen Kunden weglaufen, die jüdischen Kunden Probleme haben und die Bank von immer mehr Geschäften ausgeschlossen wird, sind diese Zusicherungen wertlos. Dennoch fühlte sich Aufhäuser von dem Schreiben bestätigt.

Die Signale, die zu der Zeit von der Nazi-Regierung ausgehen, sind in der Tat widersprüchlich. So kann sich Aufhäuser im Juni 1937 noch mit ausdrücklicher Genehmigung der Nazis an der Gründung der Süddeutschen Holzverzuckerungs-Gesellschaft AG in Regensburg beteiligen. In dem Jahr ist die Bank auch noch mit 0,5 Prozent an dem von der Reichsbank geführten Konsortium zur Platzierung von Reichsanleihen beteiligt.

Martin Aufhäuser schöpft erneut Hoffnung. Um die Isolierung seiner Bank zu beenden, beantragt er bei der Reichskanzlei die Verleihung der Reichsbürgerschaft. Ein Anliegen, dem nach den Nürnberger Gesetzen Hitler persönlich zustimmen musste – ein aussichtsloser Versuch, da Gesuche von Juden abgelehnt wurden.

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