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19.03.2013

12:08 Uhr

Neuauflage

Sal.-Oppenheim-Prozess kann neu starten

Einige der bekanntesten deutschen Banker werden bald wieder auf Anklagebank sitzen. Der Prozess wurde abgebrochen, weil ein Richter-Posten nicht richtig besetzt wurde. Nun kann das Verfahren neu beginnen.

Der ehemalige Sal.Oppenheim-Gesellschafter Matthias von Krockow (l) betritt  das Landgericht in Köln dpa

Der ehemalige Sal.Oppenheim-Gesellschafter Matthias von Krockow (l) betritt das Landgericht in Köln

DüsseldorfDas Landgericht Köln hat eine Hürde für eine Neuauflage des Prozesses gegen die frühere Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim aus dem Weg geräumt. Das Präsidium regelte die Mitwirkung von Ergänzungsrichtern in Strafsachen neu, wie das Gericht am Dienstag mitteilte. Künftig soll ein Ergänzungsrichter demnach anhand einer nun erstellten Liste berufen und nicht mehr vom Gerichtspräsidium auf Zuruf ernannt werden.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.


Das Sal.-Oppenheim-Verfahren muss neu beginnen, weil nach Ansicht der 16. Strafkammer des Landgerichts der Posten eines Ergänzungsrichters nicht vorschriftsmäßig besetzt worden war - der Richter war durch eine Einzelfall-Anordnung des Präsidiums bestimmt worden. Damit könnte der Kammer zufolge der Eindruck entstehen, dass eine Einflussnahme auf die Besetzung möglich sei. Hintergrund der Entscheidung waren sogenannte Besetzungsrügen der Verteidiger. Wann es zur Neuauflage des Verfahrens kommt, ist aber weiter offen. Ein Termin für den Neubeginn sei noch nicht bestimmt worden, teilte das Gericht mit.


Bei einer Neuauflage des Prozesses werden einige der bekanntesten deutschen Banker der vergangenen Jahre erneut auf der Anklagebank Platz nehmen müssen: Matthias Graf von Krockow, Christopher von Oppenheim, Friedrich-Carl Janssen, Dieter Pfundt sowie der Immobilien-Unternehmer Josef Esch. Hintergrund der Anklage sind Immobilien-Geschäfte des mittlerweile zur Deutschen Bank gehörenden Geldhauses. Die Staatsanwaltschaft hatte den Vorwurf der Untreue, der Anstiftung dazu oder zumindest der Beihilfe erhoben. Das Gesetz sieht dafür Höchststrafen von zehn Jahren vor.

Von

rtr

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