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28.05.2017

14:20 Uhr

Neue EU-Richtlinie

Das US-Problem mit dem Aktien-Research

Europäische Vermögenverwalter erhalten ihre US-Analysen zurzeit von Wall-Street-Banken. Dieses Vorgehen steht auf der Kippe. Eine aufsichtsrechtliche Neuordnung steht mit dem US-Gesetz im Konflikt.

Das Geschäft zwischen US-Banken und europäischen Vermögensverwaltern steht vor dem Aus. AP

Wall Street

Das Geschäft zwischen US-Banken und europäischen Vermögensverwaltern steht vor dem Aus.

Die neue Richtlinie der Europäischen Union (EU) sagt aus, dass Banken ihre Analysen separat von Broker-Diensten in Rechnung stellen müssen. Doch genau das steht im Gegensatz zu dem, was in den USA gilt. Dort ist ein solcher Ansatz verboten, es sei denn, eine Bank lässt sich als Investmentberater registrieren.

Das ist aber etwas, was amerikanische Banken vermeiden wollen, da es eine Art Fürsorgepflicht gegenüber Kunden schafft und sie im Handel einschränkt, berichteten zwei informierte Personen, die mit der Lage vertraut sind.

„Das Einhalten der Anforderungen aus einer Fürsorgepflicht, die gelten würde, führt zu sehr signifikanten operativen und Kosten-Problemen“, sagt William Yonge, Partner in London bei der Anwaltskanzlei Morgan Lewis. „Das ist eine unverhältnismäßige Lösung, um Geld von EU-Managern anzunehmen, die unter Mifid II kaum Analysen von ihren Broker-Dealern bekommen werden.“

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Die breite aufsichtsrechtliche Neuordnung in der EU tritt am 3. Januar nächsten Jahres in Kraft. Damit will die Region die Transparenz auf den Finanzmärkten verbessern – eine Reaktion auf die globale Finanzkrise von 2008. Mifid II enthält eine ganze Reihe von Vorgaben für den Finanzsektor, doch die Änderungen dazu, wie Analysen geteilt und bezahlt werden, zählen zu den umstrittensten.

„Das ist ein Live-Thema. Wir sind ein globales Analyse-Unternehmen mit Kunden in aller Welt“, sagte Terry Sinclair, ein Direktor des Analyse-Bereichs von Citigroup in London. Die US-amerikanische Großbank führt „Diskussionen mit der Aufsicht, wird sich aber zu deren potenziellen Ergebnissen nicht äußern“. Sinclair weigerte sich, Aussagen dazu zu treffen, ob seine Bank einigen europäischen Kunden den Zugang zu Analysen möglicherweise verweigern wird.

Ab dem kommenden Jahr müssen EU-Investmentmanager ihre Kosten für Analysen entweder aus ihren eigenen Gewinn-und-Verlust-Konten oder aber mittels Analyse-Bezahl-Konten (RPA) begleichen, die an Handelskommissionen angebunden sind. Doch beide Optionen zur Entbündelung scheinen gegen US-Gesetze in unterschiedlichem Umfang zu verstoßen, wie Rechtsexperten auf Nachfrage von Bloomberg erklärten.

US-Banken machen sich Sorgen, dass die US-Börsenaufsicht SEC ihnen keine Ausnahmegenehmigung erteilen wird, um Barmittel für Analysen in Europa akzeptieren zu dürfen. Das berichteten ein Bankmanager und Rechtsexperten im Vorfeld der Veröffentlichung entsprechender Richtlinien durch die Aufsicht.

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Die neue Finanzmarktrichtlinie Mifid II untersagt es Beratern Provisionen zu verlangen, wenn sie Finanzinstrumente vermitteln. Indexfondsanbieter erhoffen sich dadurch Auftrieb, Honorarberater gar eine neue Zeitrechnung.

Mindestens eine Wall-Street-Bank erwägt bereits, US-Analysen von Vermögensverwaltern in der EU fernzuhalten – aufgrund des Mangels an aufsichtsrechtlichen Kompromissen, wie informierte Kreise gegenüber Bloomberg berichteten.

Vertreter von Bank of America, Goldman Sachs, JPMorgan Chase & Co. und Morgan Stanley wollten sich auf Nachfrage nicht äußern.

„Eine Möglichkeit, wie Banken die Vorschriften einhalten können, ist, US-Analysen nicht zu Kunden nach London zu schicken“, sagt Rob Moulton, Partner bei der Anwaltskanzlei Latham & Watkins LLP in London. „Das ist der ultimative Extremfall dieser Pattsituation.”

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