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30.06.2011

14:30 Uhr

Neue Kostengrenzen

US-Banken profitieren von Kreditkarten-Neuregelung

Die Fed kommt den Banken mit moderaten Neuregelungen für Gebühren bei Scheckkarten entgegen . Aktien von Visa und Mastercard schossen darauf in die Höhe. Was das für den Verbraucher heißt, ist noch unklar.

Das Logo der Fed. Quelle: Reuters

Das Logo der Fed.

Im Streit um milliardenschwere Gebühren für Käufe mit Kundenkreditkarten hat die US-Finanzbranche einen Erfolg erzielt. Nach einer massiven Lobby-Kampagne der Geldhäuser ruderte die US-Notenbank bei der ursprünglich geplanten Kürzung der lukrativen Einnahmen zurück: Deutlich höher als vorgesehen setzte die Fed am Mittwoch das Limit für jene Gebühren an, die die Banken von US-Einzelhändlern für das dem EC-Kartensystem ähnliche Lastschriftverfahren verlangen können. Die Institute dürfen demnach künftig noch 22 Cent je Bezahlung mit den sogenannten Debitkarten erheben. Ursprünglich waren zwölf Cent geplant. Der Fed zufolge lag 2009 die durchschnittliche Gebühr noch bei 44 Cent. Damit entgehen der Finanzbranche zwar Milliardeneinnahmen, doch als die großen Verlierer der jetzt aufgeweichten Fed-Regelung gelten die Einzelhändler. Die Auswirkungen für die Verbraucher konnte die Fed nach eigenem Bekunden selbst nicht abschätzen.

„Wow“, sagte Eric Grover von Intrepid Ventures zu der Entscheidung, die er als großzügig bewertete. Analysten hatten mit einer Obergrenze von höchstens 20 Cent gerechnet. Die Abstimmung fand nach Börsenschluss statt. Doch schon während des Handels war bekanntgeworden, dass der Entwurf eine Obergrenze von 22 Cent vorsieht. Daraufhin schossen die Aktien von Visa und MasterCard in die Höhe: Sie legten jeweils 15 und elf Prozent zu. Alle vier großen Kreditkartenunternehmen zusammen - also neben Visa und MasterCard auch American Express und Discover - gewannen nach der Fed-Entscheidung rund 14 Milliarden Dollar an Marktwert. Analysten bekräftigten am Donnerstag, die neue Regelung sei ein großer Schub für Kreditkartenunternehmen.

Die Gebührengrenze musste unter der US-Finanzmarktreform, den vergangenen Jahr beschlossenen Dodd-Frank-Gesetz, neu festgelegt werden. Die ursprünglichen Pläne für eine Begrenzung auf zwölf Cent hatten Kreditkarten-Unternehmen und Banken wie Citigroup und JPMorgan Chase im Dezember kalt erwischt. Die darauffolgende Lobbyisten-Schlacht gipfelte in landesweiten Werbekampagnen, in denen die Banken Einzelhandelsriesen wie Wal-Mart und Target als Nutznießer der Regelung geißelten. Bei der Fed gingen mehr als 11.000 Stellungnahmen zu dem kontrovers diskutierten Thema ein. Die Einzelhändler haben dagegen argumentiert, sie würden seit langem von den Finanzinstituten ausgenutzt.

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