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14.09.2012

17:58 Uhr

Neue Liquiditätsregeln

Aufseher wollen Banken „punktuell entlasten“

Mit der vor zwei Jahren beschlossenen Einführung einer Liquiditätskennziffer für Banken kommen auf die Geldhäuser teils große Belastungen zu. Doch jetzt dürften die Finanzinstitute auf Erleichterungen hoffen.

Wie die Erleichterungen für die Banken aussehen soll, ist noch nicht klar. dpa

Wie die Erleichterungen für die Banken aussehen soll, ist noch nicht klar.

FrankfurtBanken können bei neuen Vorgaben für ihre Liquiditätspolster auf ein Entgegenkommen der Aufsichtsbehörden hoffen. Zwei mit den Beratungen des Baseler Ausschusses für Finanzaufsicht vertraute Personen sagten Reuters am Freitag, es werde „punktuell Entlastungen“ für die Banken geben. Wie diese genau aussähen, stehe aber noch nicht fest. Man habe sich noch nicht auf einen Text für die Änderungen einigen können. Der Chef des internationalen Regelsetzer-Ausschusses, der Schwede Stefan Ingves, kündigte am Donnerstag eine Einigung "um das Jahresende herum" an.

Die vor zwei Jahren im Zuge der Aufsichtsreform "Basel III" beschlossene Einführung einer Liquiditätskennziffer (LCR) zwingt die Banken nach Berechnungen von Experten dazu, insgesamt eine halbe Billion Euro mehr flüssige, leicht verkäufliche Mittel vorzuhalten als bisher. Viele Branchenkenner halten das für einschneidender als die Verschärfung der Kapitalregeln. Die LCR soll dafür sorgen, dass Banken auch dann nicht das Geld ausgeht, wenn ihnen der Zugang zu den Finanzmärkten in einer Krise für 30 Tage verbaut ist und viele Kunden ihre Einlagen abziehen. Denn sonst müsste wieder der Steuerzahler einspringen, um die Bank zu retten.

Die Institute müssen die Kennziffer zwar erst von 2015 an erfüllen, sollen sie aber bereits von Januar 2013 an berechnen und den Aufsehern melden. Denn zunächst soll zwei Jahre lang beobachtet werden, welche Auswirkungen die LCR auf die Banken hat. So wird befürchtet, dass die Banken weniger Kredite vergeben, wenn sie mehr Liquidität vorhalten müssen. Kritisiert wird unter anderem, dass der Liquiditätspuffer vor allem aus gut bewerteten Staatsanleihen bestehen soll. Sie galten lange als risikolos - doch das hat sich in der Euro-Schuldenkrise geändert.

Dass die Regeln erst zum Jahresende klar sind, macht es für die Institute schwer, mit der LCR richtig umzugehen. Einige Banken halten daher schon jetzt mehr Liquidität vor, als sie eigentlich für nötig hielten. Doch die EU-Finanzaufsicht EBA drängt auf eine rechtzeitige Meldung, da die Beobachtungsperiode sonst zu kurz würde, um aussagekräftige Daten zu erhalten.

Der schwedische Notenbank-Chef Ingves sagte am Donnerstag, es sei durchaus beabsichtigt, die Latte höher zu legen. „Das soll ja Auswirkungen auf die Banken und Märkte haben“, betonte er. Die vier großen schwedischen Banken erfüllten die LCR schon heute.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Mazi

15.09.2012, 10:46 Uhr

Toller Gedanke!

Wie wäre es denn damit, Staatsanleihen gemäß ihren Risikobedarf mit Eigenkapital zu unterlegen? Das wäre z.B. ein Thema, das zur Lösung des heutigen Problems beiträgt.

Wäre es nicht auch ein Vorschlag eine Finanzaufsicht in Deutschland zu schaffen und die derzeitige Aufsicht in einen Arbeitskreis zu delegieren, der Promotionsarbeiten vorschlägt?

Mazi

17.09.2012, 18:37 Uhr

Das bisherige bankaufsichtsrechtliche Instrumentarium krankt bekanntlich u.a. daran, dass Staatsanleihen von ihm nicht erfasst werden. Im Umkehrschluss heißt das nichts anderes, dass Institute, die Staatsanleihen im Bestand haben, dies nicht mit Eigenkapital unterlegt haben. Statt dieses Risiko sachgerecht zu unterlegen, sollen andere Aktiva höher belastet werden, um diesen Fehler kompensieren.

Diese Absicht sollte den bisherigen Fehler tendziell noch verstärken und die Krise beschleunigen. Normales Kreditgeschäft mit Privatkunden und Unternehmen würde überproportional mit Eigenkapital belaste (verteuert), während Staatsanleihen von dieser Belastung weiter befreit wären. Banken würden weiterhin in die Zockerei mit Staatsanleihen gelockt.

Kann das richtig sein?

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