Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2007

15:58 Uhr

Neue Märkte im Visier

Spanische Banken auf Kurs

VonStefanie Müller

Von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in Lateinamerika profitieren auch spanische Großbanken. Allein Santander Central Hispano, zehntgrößte Bank der Welt, will bis 2009 ihren Gesamtgewinn in der Region auf vier Mrd. Euro steigern. Mit traditionellen Stärken sollen neue Märkte erobert werden.

Die größten Geldinstitute in Spanien nach Marktkapitalisierung in Mrd. Euro (Quelle: Bloomberg)

Die größten Geldinstitute in Spanien nach Marktkapitalisierung in Mrd. Euro (Quelle: Bloomberg)

MADRID. Lateinamerika bleibt auch in diesem Jahr für die spanischen Großbanken eine wichtige Einnahmequelle, vor allem dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung in der Region und der wachsenden Handelsströme mit Asien. Allein die größte Bank des Landes, Santander Central Hispano (SCH), will bis 2009 den derzeitigen Anteil der Region an ihrem Gesamtgewinn von über drei Mrd. Euro auf vier Mrd. Euro anheben. Die von Emilio Botín geführte gemäß Börsenwert größte Bank der Euro-Zone und zehntgrößte Bank der Welt hofft dort in den kommenden drei Jahren auf weitere neun Millionen Privat- und 400 000 Firmenkunden zu kommen. Schon jetzt gehört die Bank mit einem Börsenwert von knapp 91 Mrd. Euro zu den wenigen Finanzinstituten, die in der Top-50 der größten Unternehmen der Welt platziert sind.

Auch die zweitgrößte spanische Bank BBVA setzt auf Lateinamerika und ihr stärkstes Standbein, ihre mexikanische Filiale Bancomer. Aber die Bank bricht wie die SCH immer mehr aus ihrem hispanischen Kulturkreis aus. Beide suchen über Zukäufe neues Terrain in Asien und den USA, verlieren Europa dabei aber nicht aus dem Auge. „Hier können sie vielen Wettbewerbern noch Marktanteile abknüpfen“, sagt der Präsident des Branchenverbandes Asociación Española de Banca (AEB), Miguel Martín. Angesichts der zunehmenden Integration der europäischen Finanzmärkte würden transnationale Fusionen auch immer einfacher. Vor allem im immer noch fragmentierten Retail-Banking in Europa könnten spanische Banken wegen ihrer hohen Effizienz und Rentabilität auftrumpfen.

Die SCH hatte bereits vor zwei Jahren die britische Hypothekenbank Abbey National gekauft. Die BBVA ist nach dem vergeblichen Übernahmeversuch der italienischen BNL auf der Lauer nach einer Möglichkeit: „Solange wir nichts wirklich Attraktives sehen, schauen wir uns erst einmal in Asien und den USA um“, sagt BBVA-Präsident Francisco González. Gerade hat die Bank für eine Mrd. Euro knapp zehn Prozent an der chinesischen Bank Citic erworben.

Zwar konzentrieren sich die spanischen Großbanken zunehmend auf Investment-Banking und Handelsfinanzierung, vor allem im Hinblick auf die wachsenden Warenströme zwischen China und Lateinamerika. Dennoch verdienten sie 2006 vor allem am Privatkundengeschäft und hier vor allem an den Gebühren auf dem heimischen Markt. Obwohl dort eigentlich offiziell ein Preiskrieg tobt, stiegen die Einnahmen aus Kommissionen allein im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf über sieben Mrd. Euro.

Zwar ist die Kontoführung bei vielen Finanzinstituten wie auch bei der SCH inzwischen für Stammkunden gratis. Dafür hoben die Institute jedoch die Preise für andere Dienstleistungen zum Beispiel das Geldabheben an systemfremden Automaten deutlich an. Diese Entwicklung und das immer noch starke Wirtschaftswachstum in der Heimat und der zunehmende Verkauf von Industriebeteiligungen haben dazu beigetragen, dass 2006 ein Rekordjahr für den spanischen Bankensektor darstellt: Bis September machten die Banken einen Gewinn von 11,7 Mrd. Euro – 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist fast doppelt soviel wie die spanischen Sparkassen im gleichen Zeitraum netto einnahmen. 80 Prozent des Gewinns der Großbanken sind SCH und BBVA zuzuschreiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×