Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.07.2017

15:37 Uhr

Neue Strategie

EU will faule Kredite abbauen

Die Länder der Europäischen Union haben einen Aktionsplan gegen faule Kredite beschlossen. Die Bankenaufsicht soll mehr Befugnisse erhalten. Außerdem soll es neue Regeln für die Gründung einer Bad Bank geben.

Die europäische Zentralbank soll mehr Befugnisse bekommen. dpa

EZB

Die europäische Zentralbank soll mehr Befugnisse bekommen.

BrüsselDie EU-Länder wollen den Berg fauler Kredite im Wert von rund einer Billion Euro bei Europas Banken so rasch wie möglich abbauen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen beschlossen am Dienstag dazu in Brüssel einen Aktionsplan, der unter anderem die Aufsicht stärken und Regeln für die Gründung sogenannter Bad Banks vereinheitlichen soll. „Man muss es vorsichtig machen, aber man muss es angehen“, sagte Schäuble anschließend.

Schäuble drang außerdem auf einheitlichere nationale Insolvenzregeln für kleinere Banken, die nicht unter die EU-Regeln für Großbanken fallen. Die jüngsten Rettungsaktionen in Spanien und Italien hätten gezeigt, dass es hier Unterschiede gebe, dringend nötig sei eine Harmonisierung. Schäuble lobte aber das Vorgehen Italiens in den jüngsten Krisenfällen. Eine milliardenschwere Kapitalspritze Italiens hatte zuletzt der Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena gestützt, die ebenfalls unter hohen Beständen fauler Kredite leidet.

Europas Banken und ihre faulen Kredite

Faule Kredite

Rund 1000 Milliarden Euro – die Summe der faulen Kredite in den Büchern der europäischen Banken ist schwindelerregend. Das Problem ist eine Altlast der großen Wirtschafts- und Finanzkrise, aber auch riskanter Bankstrategien, die staatliche Aufseher nicht ausreichend unter Kontrolle brachten. Nun wollen die EU-Länder mit einem „Aktionsplan“ gegensteuern

Was sind eigentlich faule Kredite und woher kommen sie?

Offiziell spricht man von notleidenden Krediten, auch „non-performing loan“ (NPL). Gemeint ist, dass der Kreditnehmer mit Zins oder Tilgung in Rückstand gerät und das Darlehen, beispielsweise durch wirtschaftliche Not, möglicherweise nicht zurückzahlen kann.

Wo sitzen die faulen Kredite?

Faule Kredite kommen besonders in südeuropäischen Krisenländer vor: Griechenland meldete Ende Dezember 2016 einen Anteil von gefährdeten Krediten – gemessen am Gesamtbestand von Darlehen – von 46 Prozent, Zypern 45, Portugal 19,5, Italien 15,3 Prozent. In Deutschland waren es 2,5 Prozent. Der EU-Durchschnitt lag bei 5,1 Prozent, immerhin deutlich unter den 6,5 Prozent vom Dezember 2014. Aber die Summe der faulen Kredite von rund einer Billion Euro entspricht rund 6,7 Prozent der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union.

Warum ist das ein Problem?

Die faulen Kredite sind nicht nur Folge einer wirtschaftlichen Krise – Ökonomen sehen sie auch selbst als Hemmnis für Wachstum. Die Bank muss Kapital als Vorsorge vorhalten, die Darlehenskosten steigen oder Kredite werden zurückhaltender vergeben. Das wirke wie eine Konjunkturbremse in der ganzen Eurozone. Außerdem wächst das Risiko, dass Banken unter der Last ins Wanken geraten und gestützt werden müssen. Jüngstes Beispiel ist die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, die Italien mit einer Kapitalspritze aus Steuergeldern weitgehend verstaatlichte.

Was wollen die EU-Länder nun tun?

Den EU-Wirtschafts- und Finanzministern geht es mit ihrem „Aktionsplan“ um einheitlicheres Vorgehen. So sollen die Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank und die Europäische Bankbehörde EBA Vorgaben für den Umgang mit NPLs aufsetzen. Die EU-Kommission soll bis zum Jahresende eine „Blaupause“ zur Gründung nationaler Bad Banks entwerfen. Das sind Institutionen, die faule Kredite übernehmen, managen und Geschäfte damit machen. Die EU-Länder wollen, dass sich „Sekundärmärkte“ für die notleidenden Kredite entwickeln.

Worüber gab es Streit?

Eine EU-weite Bad Bank, wie sie EBA-Chef Andrea Enria im Januar ins Gespräch brachte, stieß auf heftigen Widerspruch. Schäuble sagte dazu: Die Gründung einer europäischen Bad Bank würde missverstanden „als Versuch, die Lasten der Bankensanierung zu vergemeinschaften“.

Thema der Finanzminister war nach Schäubles Worten auch die Debatte über die Vertiefung und Reform der Eurozone. Veränderungen seien von großer Bedeutung, um die Wirtschafts- und Währungsunion zu stärken, sagte der CDU-Politiker. „Wir wollen alle, dass Europa handlungsfähig bleibt.“ Beschlüsse gab es noch nicht.

Der österreichische Ressortchef Hans Jörg Schelling positionierte sich aber eindeutig gegen den Vorschlag eines ständigen Vorsitzenden der Eurogruppe. Schelling sagte, die jetzige Lösung mit einem wechselnden Chef aus den Reihen der Eurofinanzminister sei gut. Die Frage nach eigenen Ambitionen auf den Posten nannte er Spekulation.

Aktionsplan: Das Problem mit faulen Kredite in der EU

Aktionsplan

Das Problem mit faulen Kredite in der EU

Milliarden Euro fauler Kredite sollen in Europas Banken schlummern – eine Altlast aus der Finanzkrise. Finanzminister Schäuble und seine EU-Kollegen haben dagegen einen „Aktionsplan“ beschlossen. Die Probleme im Detail.

Der jetzige Vorsitzende Jeroen Dijsselbloem muss den Posten wohl räumen, weil er nach einer Wahlschlappe seiner Sozialdemokraten in den Niederlanden der nächsten Regierung nach derzeitigem Stand nicht angehören wird. Spätestens im Januar läuft sein jetziges Mandat aus.

Schäuble zeigte sich erfreut über die gute Konjunktur in der Eurozone, wo seit 16 Quartalen in Folge Wachstum verzeichnet werde. „Europa ist wirtschaftlich auf einem besseren Weg“, sagte der Minister. Insbesondere in der Eurozone laufe die Konjunktur stabiler und nachhaltiger. Die Beschäftigung steige, die Bürger profitierten. Das biete die Chance für wichtige Strukturreformen, die man nicht vorüberziehen lassen solle, sagte Schäuble.

EU-Minister beraten über faule Billiarden-Kredite

Börsen-News: EU-Minister beraten über faule Kredite

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Heinz Keizer

11.07.2017, 15:12 Uhr

Wenn ein Investor faule Kredite kauft, dann bewertet er erstmal diese Kredite und kauft sie möglicherweise mit einem saftigen Abschlag. Ob nun die Bank diese Kredite verkauft, oder die EU-Kommission oder jedes Land einzelen. Nur bleiben in den beiden letzten Fällen die EU, bzw. die Länder auf einen Teil der Forderungen sitzen, es sei denn, sie zahlen von Haus aus einen realistischen Wert. Aber dann kann die Bank die Kredite auch selber verkaufen. Da soll doch schon wieder Schindluder mit Steuergeldern getrieben werden. Das ganze, damit die Banken wieder weiterin faule Kredite ausgeben können.

Herr Peter Spiegel

11.07.2017, 18:32 Uhr

Ein weiteres Nebelkerzchen, der deutsche Steuerzahler wird wieder zur Ader gelassen, das ist gerecht, es fällt mir gerade nicht ein, irgend was mit 1933.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×