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07.01.2012

09:13 Uhr

Neue Typen gefragt

Das Ende der Investmentbanker

VonChristian Panster

Lange Zeit waren Investmentbanker die schillernden Figuren der Bankenszene. Doch die große Zeit der risikofreudigen Finanzjongleure ist vorbei. Gefragt sind heute solide Controller und Juristen - auch aus Kostengründen.

Bankenviertel in Frankfurt: Die Branche sucht neue Fachkräfte. dpa

Bankenviertel in Frankfurt: Die Branche sucht neue Fachkräfte.

FrankfurtDas war’s. Paul Stevensen* muss seinen Schreibtisch räumen. Er gehört nicht mehr dazu – zu den Investmentbankern, den einstigen Herrschern des Universums. Sein Arbeitgeber, eine große angelsächsische Bank, braucht ihn nicht mehr. Kaum noch Milliardenübernahmen, die es abzuwickeln gilt; zu wenige Börsengänge, die in Krisenzeiten eingefädelt werden müssen. Es gibt nicht mehr genug Platz für Herrscher. Und Stevensen ist nicht allein.

Rund 100.000 Arbeitsplätze wollen die internationalen Finanzkonzerne in ihren Investment-Banking-Abteilungen streichen. Möglicherweise werden es sogar noch mehr. Besonders eifrig wird bei den französischen Banken gekürzt, aber auch in Großbritannien. In der Finanzmetropole London dürften einer Prognose des Forschungsinstituts CRBS zufolge allein in diesem und im nächsten Jahr rund 27.000 Stellen wegfallen. Die Sparte werde zwar fester Bestandteil einer Bank bleiben, sagt Stefanie Schulz von der internationalen Personalberatung Michael Page, „die Boomjahre im Investment-Banking allerdings sind vorbei“.

Viele Banken können sich aufgrund der neuen Eigenkapitalanforderungen die teuren Investmentbanker schlicht nicht mehr leisten. Mindestens neun Prozent muss die Eigenkapitalquote der Kreditinstitute künftig betragen, so will es die europäische Bankenaufsicht Eba; die großen Finanzkonzerne, die sogenannten Sifis, müssen sogar noch mehr Kapital vorhalten. Um die Quoten zu erreichen, spart die Branche, wo es nur geht. Beteiligungen werden verkauft, Risiken abgebaut – und Arbeitsplätze gestrichen. „Gerade die europäische Bankenindustrie droht aufgrund ihrer Struktur überproportional von der Regulierung betroffen zu werden“, sagt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Gefragt ist in den Banken heutzutage eine ganz andere Spezies Mitarbeiter: Kontrolleure und Risikoexperten. „Spezialisten, die sich mit der Umsetzung der neuen Regeln nach Basel III auskennen etwa“, sagt Personalexpertin Schulz. Lange Zeit eher verlacht in den Banken als Erbsenzähler und weit unten verortet, was Gehalt und Prestige betraf, mittlerweile aber heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Denn mit den immer neuen Anforderungen der Bankenregulierer kommt jede Menge Arbeit auf die Branche und ihre Spezialisten zu.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

07.01.2012, 09:45 Uhr

Jeder Insider lacht über die Aussagen dieses Berichtes, da es bereits in der Vergangenheit eine Stärke der Geschäftsbanken war, in Drucksituationen devot aufzutreten, um dann wieder voll zuzuschlagen. Recherchieren Sie doch einmal wie häufig bei DB, CoBa und DreBa seit 1980 die sog. US- Beratungsfirmen geheuert wurden, welche Veränderungen grossmundig publiziert wurden und was sich daraus in den nächsten 3-5 Jahren entwickelt hatte....nichts! Im Gegenteil: nach einer gewissen Karenzzeit fielen diese Banken wieder in alte Verhaltensmuster zurück!

Account gelöscht!

07.01.2012, 09:48 Uhr

Wieder die alten Verhaltensmuster der sog. Grossbanken: wird der Druck zu gross, devot auftreten und Besserung geloben! Die Gier der Kunden wird alles wieder "mit der Zeit in die richtigen Bahnen drücken"!

BrLi

07.01.2012, 10:05 Uhr

Einfach mal nach "provisionsfrei Geld anlegen" googeln, dann kann man schon ahnen, dass durch weitere Dienste auch das Privatkundengeschäft (=Provisionsabschöpfung) in Zukunft unter Druck kommt. Banken auf die grüne Wiese und raus aus den Innenstädten, Geldautomaten genügen. Solange wie die Marge noch so hoch ist, dass ich in jeder Innenstadt zahlreiche Finanzpaläste sehe, dürfte noch einiges passieren.

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