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12.06.2012

17:20 Uhr

Neue Vorschriften

Großbanken müssen für Basel III noch kräftig ackern

Um die Eigenkapitalregeln nach Basel III zu erfüllen, müssen die größten deutschen Banken noch viel tun. Erst zu einem Viertel sei der Kapitalbedarf seit 2011 gedeckt. Es gibt allerdings noch eine größere Hürde.

Die Skyline der Stadt Frankfurt mit den Hochhäusern der Banken. dpa

Die Skyline der Stadt Frankfurt mit den Hochhäusern der Banken.

FrankfurtDie neun größten deutschen Banken haben zur Erfüllung der neuen Eigenkapital- und Liquiditäts-Vorschriften nach Erkenntnissen ihrer Aufseher noch einen weiten Weg vor sich. Mitte vergangenen Jahres fehlten ihnen noch fast 50 Milliarden Euro an hartem Kernkapital, um auf die nach dem Basel-III-Standard geforderten Quoten zu kommen, berichtete der Leiter der Bankenaufsicht bei der Bundesbank, Erich Loeper, am Dienstag auf einer Fachtagung in Frankfurt. Ein Viertel davon dürften sie nach Erwartungen der Bundesbank bis Ende Juni aufgebracht haben, wenn sie dann die verschärften Anforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA erfüllen.

Zwar kamen die neun Institute, allen voran die Deutsche Bank und die Commerzbank, zum Stichtag der Untersuchung im Juni 2011 auf eine harte Kernkapitalquote von 11,4 Prozent. Doch knabbert Basel III massiv an ihren Kapitalpuffern: Durch die Neubewertung der Bilanzrisiken und die Nicht-Anerkennung zahlreicher Eigenkapital-Instrumente schmilzt die Quote auf 5,0 Prozent. Allein die risikogewichteten Aktiva (RWA) steigen um 41 Prozent, während das harte Kernkapital um 38 Prozent sinkt.

Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der deutschen Finanzaufsicht BaFin, machte den Geldhäusern Mut: "Für alle Banken wird Basel III stemmbar, aber für einige wird es anstrengend", sagte er.

Deutsche Banken hatten in der Vergangenheit mehr als andere auf exotische Kapitalbestandteile gesetzt. In der EU insgesamt geht die harte Kernkapitaldecke der großen Banken durch Basel III nur von 10,2 auf 6,5 Prozent ihrer RWA zurück. Den 48 Branchenriesen fehlen zur Erfüllung der Kapitalanforderungen nach Angaben der EU-Bankenaufsicht EBA 242 Milliarden Euro.

Nach Basel III müssen die Banken eine harte Kernkapitalquote in Form von Aktienkapital und Gewinnrücklagen von sieben Prozent vorhalten, systemrelevante Banken sogar bis zu 9,5 Prozent. Um dieses Polster aufzubauen, haben sie allerdings bis 2019 Zeit. 25 kleineren deutschen Banken mit einer Bilanzsumme von weniger als drei Milliarden Euro attestiert die Bundesbank dagegen kaum Probleme bei der Erfüllung von Basel III.

Doch mit der Einhaltung der Kernkapitalquoten ist es für die neun deutschen Großbanken in Sachen Basel III noch nicht getan. Auch bei der neu eingeführten Verschuldungskennziffer (Leverage Ratio) klafft noch eine Lücke. Die Leverage Ratio bemisst sich nach der gesamten Bilanzsumme, die hinter Krediten steckenden Risiken werden dabei nicht gewichtet. Um hier auf die geforderte Quote von drei Prozent zu kommen, müssen die Institute knapp 80 Milliarden Euro an Kapital aufbringen, allerdings muss das nicht alles hartes Kernkapital sein. Zurzeit liegen sie im Schnitt gerade bei 1,8 Prozent, der EU-Durchschnitt beträgt 2,7 Prozent. Zur Erfüllung der Liquiditätskennziffer LCR, die 2015 eingeführt werden und die verhindern soll, dass den Banken in der Krise das Geld ausgeht, fehlen ihnen nach der Auswirkungsstudie noch 154 Milliarden Euro an liquiden Aktiva.

Von

rtr

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