Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2016

13:23 Uhr

Neuemission

US-Handelsplattform Bats will an die Börse

VonAstrid Dörner

Im Jahr 2012 hatte der US-Börsenbetreiber Bats seinen Börsengang abgebrochen. Jetzt unternimmt die Firma einen zweiten Anlauf. Den Wert des Unternehmens hat die Gruppe seitdem verdoppelt.

Der zweitgrößte Börsenbetreiber der Welt will selbst an die Börse. Reuters

Bats-Chef Joe Ratterman

Der zweitgrößte Börsenbetreiber der Welt will selbst an die Börse.

New YorkDer US-Börsenbetreiber Bats hat Details zum geplanten Börsengang veröffentlicht. So soll der Preis der Aktien zwischen 17 und 19 Dollar liegen. Der zweitgrößte Börsenbetreiber der USA hinter der New York Stock Exchange (NYSE) wäre damit bis zu 2,1 Milliarden Dollar wert – mehr als doppelt so viel als 2012, als das Unternehmen ursprünglich vor hatte an die Börse zu gehen.

Damals zog das Unternehmen nach einer Serie von technischen Pannen und einem Kurseinbruch am ersten Handelstag die Notbremse und verabschiedete sich umgehend wieder von der eigenen Börse. Zuvor waren diverse Transaktionen storniert und der Handel mit Bats-Anteilsscheinen gestoppt worden. Im vergangenen Jahr zahlte das Unternehmen eine Strafe von 14 Millionen Dollar, um eine Untersuchung der Börsenaufsicht SEC beizulegen. Die SEC hatte Bats vorgeworfen, dass zwei Handelsplattformen der Tochter Direct Edge Hochfrequenzhändler bevorzugen würden.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Im zweiten Anlauf soll nun jedoch alles glatt gehen. Die Börse versichert, die Systeme ausgiebig getestet zu haben. Die Roadshow, bei der Bats Investoren gewinnen will, könnte noch diese Woche starten, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Handelsplattform, die in Europa nach Marktvolumen der führende Börsenbetreiber ist, wurde 2005 von einem Konsortium auf Finanzinstituten gegründet – als alternative zur NYSE. Zu den Anteilseignern gehören unter anderem JP Morgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und der Hedgefonds Citadel.

Der Börsengang ist auch ein Test für die Stimmung an den Aktienmärkten. Die ersten drei Monate des Jahres waren von starken Schwankungen an den Börsen geprägt. Das hat Investoren abgeschreckt, geplante Börsengänge wurden verschoben. Bats ist eines von wenigen Unternehmen, die sich in diesem Jahr aufs Parkett trauen. 11,2 Millionen Aktien will der Börsenbetreiber ausgeben, und so vor allem seinen Anteilseignern die Möglichkeit geben, Scheine zu verkaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×