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15.04.2013

16:40 Uhr

Neuer Bankenverbands-Präsident

Fitschen reizt die Sparkassen

Jürgen Fitschen ist gerade mal ein paar Stunden im Amt als Bankenverbands-Chef, da geht er bereits auf Konfrontationskurs zu den Sparkassen. Der Co-Chef der Deutschen Bank äußert sich zur europäischen Einlagesicherung.

Der neue BdB-Präsident, Deutsche Bank Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, wartet nicht lange, um sich neue Freunde zu machen. Die Sparkassen hat er jetzt schon verstört. dpa

Der neue BdB-Präsident, Deutsche Bank Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, wartet nicht lange, um sich neue Freunde zu machen. Die Sparkassen hat er jetzt schon verstört.

BerlinGleich zu Beginn seiner Amtszeit geht der neue Bankenverbands-Präsident Jürgen Fitschen auf Konfrontationskurs zu Sparkassen und Volksbanken. Der Co-Chef der Deutschen Bank zeigte am Montag Sympathie für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung - ein absolutes Tabu für die beiden anderen Institutsgruppen.

„Man kommt letztlich nicht um ein einheitliches Einlagensicherungssystem herum“, sagte der 64-Jährige auf der Pressekonferenz anlässlich seiner Amtseinführung. Das sei der letzte Baustein zur Bankenunion, die in Europa zu gleicheren Wettbewerbsbedingungen führe. Sie sieht neben der Einlagensicherung auch eine gemeinsame Abwicklung von Kriseninstituten und eine einheitliche Bankenaufsicht vor - letztere ist bereits beschlossene Sache. „Die Bankenunion hätte deutlich mehr Applaus verdient“, sagte Fitschen.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Die Äußerungen des Norddeutschen, der das Amt vom HSBC-Trinkaus-Chef Andreas Schmitz, übernimmt sorgten bei Sparkassen und Volksbanken für Kopfschütteln. „Wir sind nach wie vor klar gegen eine einheitliche Einlagensicherung“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Denn damit bestehe die Gefahr, dass Gelder deutscher Sparer für Krisenfälle in anderen Ländern eingesetzt würden. Viel wichtiger seien einheitliche Grundsätze für die Sicherung der Spargelder. Im Pleitefall sind die Einlagen von Kunden der Sparkassen und Volksbanken in unbegrenzter Höhe geschützt. Auch bei den privaten Banken, die Fitschen vertritt, sind deutlich mehr als das EU-weite Minimum von 100.000 Euro pro Sparer abgesichert.

Europaweit ist die Frage einer einheitlichen Einlagensicherung noch stark umstritten. Ob sie kommt, ist offen. Am Wochenende sprachen sich die EU-Finanzminister aber dafür aus, bei Bankpleiten künftig auch wohlhabende Sparer zur Kasse zu bitten. Kunden mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto sollten im Krisenfall für ihre Bank einstehen, bevor es der Steuerzahler tue, entschieden die Minister in Dublin. Auslöser hierfür ist die Krise in Zypern. Einleger mit mehr als 100.000 Euro müssen sich dort an der Rettung der Banken und damit des hochverschuldeten Landes beteiligen.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Fitschen betonte, dass er damit leben könne, wenn dies künftig europaweit gelte. „Es wird allerdings den Wettbewerb um Einlagen verschärfen.“ Jeder Kunde müsse sich dann genau überlegen, wo er sein Geld anlege. Der DSGV warnte indes vor einer Verunsicherung der Sparer. Für Deutschland sei die Debatte angesichts der unbegrenzten Sicherung völlig irrelevant, betonte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon. „Unsere Kunden müssen keinen Angriff auf ihr Sparkonto fürchten.“

Der Streit zeigt einmal mehr, wie weit die Interessen der einzelnen Bankengruppen in Deutschland in vielen Fragen auseinanderklaffen. Fitschen wünscht sich für die nächsten Jahre eine stärkere Annäherung, um das Gewicht der Branche in der Politik zu stärken. „Es ist für die Positionierung Deutschlands nicht immer hilfreich, dass wir nicht mit einer Stimme sprechen.“

Von

rtr

Kommentare (15)

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LB_Brandt@web.de

15.04.2013, 18:38 Uhr

Jeder Sparer sollte wissen, daß er keine Spar-
einlagen bei einer Bank hat. Der Sparer hat der Bank einen Kredit eingeräumt und erwartet hierfür eine Zinsgutschrift, daß ist korrekt. Geht die Banke Pleite ist somit auch der an sie gewährte Kredit futsch.
Zweifel daran? Bei der Schlecker-Pleite haben die Kreditgeber - Lieferanten und Banken - auch ihr Geld verloren.
Das Prinzip ist in jeden Fall das Gleich, egal wie der Fall gelagert ist.

Ichbinsdoch

15.04.2013, 18:45 Uhr

Wieder ein "Linientreuer" auf den Stuhl gehoben worden.
Es ist doch einfach nur noch abscheulich was hier passiert. Auf biegen und brechen wird mit ALLEN Mitteln daran auf schamlostete Art und Weise daran gearbeitet auch noch jeden Cent abzugreifen den es abzugreifen gibt.
Der Zwech dahinter ist klar, das völlige totalitäre Kontroll und Machtsystem.
Und stell sich mal einer vor, Sparkassen und Volksbanken, die einigermaßen vernümpftig wirtschaften werden von ausgenommen...geht nach deren Denkweise ja mal garnicht. Vor allem, schwupps, alle wechseln zur Spar-Volksbank und das korrupte Bankensystem wäre sofort zum Teufel

Account gelöscht!

15.04.2013, 18:56 Uhr

Fitschen will die Sparer der Volksbanken und Sparkassen enteignen.
Dann kann er auf den Bankenrettungsfonds dieser Banken bei seinen Spkulationsgeschäften mit Lebensmitteln, Waffen, etc. darauf zurückgreifen.
Die anderen Länder haben derarige Fonds noch nicht, da ist es doch schön, wenn diese auf nsere zrückgreifen können.
Das nennen sie dann "Solidarität"!

PS Deshalb ist Fitschen auch gegen eine Trennung vom Investment- und Privatbanking!

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