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01.02.2008

14:04 Uhr

Neuer Branchenriese?

Bâloise und Gothaer prüfen eine Fusion

VonWolfgang Lingemann (Oliver Stock und Rita Lansch)

Der Schweizer Versicherer Bâloise und der deutsche Konkurrent die Gothaer Versicherungsbank schließen sich möglicherweise zusammen. Im Falle einer Fusionierung würde aus den beiden mittelgroßen Versicherern in Deutschland ein neuer Branchenriese entstehen.

ZÜRICH. Beide Seiten bestätigten am Donnerstag, dass sie mit einer ausführlichen Unternehmensprüfung begonnen haben. Ziel sei es, die Versicherungsaktivitäten in Deutschland zu bündeln. Ob es zu einer Fusion kommen könnte, ließen Unternehmenssprecher jedoch offen. Zeitungsinformationen, wonach beide Unternehmen unter dem Dach einer Holding in Köln die Gothaer-Unternehmen, die Aktivitäten der Bâloise-Niederlassung in Bad Homburg und die Gesellschaften des Deutschen Rings in Hamburg zusammenzufassen, kommentierten Sprecher nicht.

Der Plan passt allerdings in eine Branche, in der derzeit kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. In der Schweiz ist die Winterthur an die Axa gegangen, der Rückversicherer Converium wurde von Scor gekauft, die Swiss Life verstärkt sich durch eine Mehrheitsbeteiligung am deutschen Finanzdienstleister AWD.

Bâloise verfügt insbesondere in Deutschland etwa mit dem Deutschen Ring und als größter Aktionär beim Finanzdienstleister OVB über ein bedeutendes Auslandsgeschäft. Der Versicherer ist darüber hinaus in Belgien und Luxemburg aktiv und versucht in Mitteleuropa stärker Fuß zu fassen. Von den 8 000 Angestellten sind nur 3 100 in der Schweiz tätig.

Im vergangenen Dezember hatte Verwaltungsratspräsident Rolf Schäuble dem bis dahin amtierenden Chef den Stuhl vor die Tür gestellt und selbst wieder die Funktion des Unternehmensführers übernommen, die er einige Jahre zuvor abgegeben hatte. Den abrupten Wechsel hatte er mit der Ankündigung verknüpft, den Versicherer stärker auf Wachstum zu trimmen.

Geld dafür ist da, nachdem die Schweizer auch im vergangenen Jahr erneut ein Rekordergebnis eingefahren haben dürften. Das Geschäftsvolumen war im ersten Halbjahr bereits um 6,5 Prozent auf knapp fünf Mrd. Franken. (drei Mrd. Euro) gewachsen.

Die Gothaer verfügt über Beitragseinnahmen von rund vier Mrd. Euro. Die Gruppe mit Sitz in Köln beschäftigt rund 5 500 Mitarbeiter. Bei einer Fusion würde ein Versicherungskonzern mit knapp sieben Milliarden Euro Prämie in Deutschland entstehen, und beide Konzerne wären ihr Problem los, nur Nischenanbieter zu sein. Abgesehen von möglichen Einsparungen in der Verwaltung könnten sich Gothaer und Bâloise im Vertrieb gut ergänzen. Die Gothaer arbeitet stärker mit eigenen Vertretern, die Bâloise hat einen guten Draht zu Maklern, den die Gothaer gerade erst wieder auszubauen versucht.

Gelingt der Zusammenschluss, wäre es der erste eines Versicherungsvereins mit einer börsennotierten Aktiengesellschaft. Die im Markt und vor allem von den M&A-Beratern immer wieder beschworene Konsolidierung in Europa könnte damit an Fahrt gewinnen. Zwei Drittel der Versicherungsunternehmen sind wie die Gothaer als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit organisiert. Das ist eine genossenschaftliche Rechtsform, bei der die Mitglieder zugleich Eigentümer sind. Die Gothaer hat darüber hinaus eine Finanzholding in Form einer Aktiengesellschaft. Sie ist die eigentliche Steuerungszentrale der Gruppe. Bislang scheiterten Fusionen solcher Vereine wie die der Huk-Coburg und dem HDI (heute Talanx -Gruppe) oft am Votum der Mitgliedervertreter.

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