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28.12.2011

11:58 Uhr

Neuer Einlagen-Rekord

Das Vertrauen der Banken sinkt immer stärker

Das Misstrauen in der Bankenbranche treibt immer mehr Institute in die Arme der Europäischen Zentralbank. Am Mittwoch stiegen die Einlagen auf über 450 Milliarden Euro. Also noch einmal mehr als beim Rekord gestern.

Letzter Retter EZB: Das Foto entstand an Silvester 2002. dpa

Letzter Retter EZB: Das Foto entstand an Silvester 2002.

Frankfurt am MainDie eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sind am Mittwoch abermals stark gestiegen und haben einen Rekordwert erreicht. Die sogenannten Übernacht-Einlagen kletterten um rund 40 Milliarden auf 452 Milliarden Euro, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Erst am Dienstag waren die kurzfristigen Einlagen erstmals über die Marke von 400 Milliarden Euro gesprungen. Das aktuelle Niveau liegt deutlich höher als während der ersten Finanzkrise 2008. Die eintägigen Bankausleihungen bei der EZB notieren derzeit mit 6,2 Milliarden Euro ebenfalls höher als üblich.

Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Normalerweise meiden die Banken die Möglichkeit, bei der Notenbank kurzfristig Geld zu parken oder anzulegen, da die Konditionen ungünstig sind. Wegen der europäischen Schuldenkrise und des starken Engagements der Banken in Staatsanleihen funktioniert der Geldhandel zwischen den Instituten aber nicht wie gewohnt.

Darüber hinaus haben sich die Geldhäuser in der vergangenen Woche die Rekordsumme von fast 500 Milliarden Euro bei der EZB für drei Jahre geliehen. Einen Teil dieser Mittel scheinen die Banken zwischenzeitlich bei der EZB zu parken.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Derweil hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die außergewöhnliche, fast eine halbe Billion Euro schwere, Geldspritze der EZB für die Banken der Euro-Zone verteidigt. „Es ist eine Überbrückungshilfe für die Banken, die erst dann wieder gefestigt dastehen können, wenn die Staatsschuldenkrise überwunden ist“, sagte Weidmann dem Magazin „stern“ laut Vorabbericht. Er nannte das erste von zwei auf drei Jahre ausgelegten Refinanzierungsgeschäften zwar „eine ungewöhnliche Maßnahme, auch in dieser Höhe“. Sie sei aber notwendig, um „den Kreditfluss in die Wirtschaft in Gang zu halten“.

Bei dem Geschäft hatten sich die Institute kurz vor Weihnachten knapp 490 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gesichert. Wie hoch das Misstrauen der Banken untereinander ist, zeigte sich dann nach den Feiertagen: trotz des Geldregens parkten die Geldhäuser über die Feiertage so viel Liquidität wie noch nie bei der EZB, nämlich 411 Milliarden Euro - obwohl die Notenbank dafür nur einen Mini-Zins von 0,25 Prozent zahlt und die Banken damit de facto einen Zinsverlust in Kauf nehmen. Am zweiten Handelstag nach Weihnachten, dem Mittwoch, stieg die geparkte Summe sogar auf 452 Milliarden Euro. Der zweite Drei-Jahres-Tender soll Ende Februar durchgeführt werden.

Kommentare (14)

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Zensur

28.12.2011, 11:34 Uhr

Was mich hier im Forum richtig nervt ist, das einfach Kommentierung durch das Umspringen der Handelsblatt-Webseite gelöscht werden - WAS SOLL DAS @ Handelsblatt?
Man tippt hier seine Meinung ein und wenn man die Kommetierung verschicken will, springt die Webseite auf den Artikel zurück und mein Kommentar ist verloren und gelöscht!

kleinfeld

28.12.2011, 11:52 Uhr

Ganz einfach, aus meiner Sicht kann man den Medien auch nicht mehr trauen. Zu den Banken habe ich übrigens seit Ewigkeit kein Vertrauen mehr. Das betrifft auch den Euro. Hoffentlich hat alles bald ein Ende. Solange ist Gold die einzige Währung die Vertrauen geniesst. Wer legt schon seit Geld bei einer Bank an, welche gerade mal 2-2,5 Prozent Zinsen zahlt? Es ist schon längst an der Zeit, dass die EZB endlich die Geldmenge verringert. Dann endlich werden die Banken die kleinen Kunden am Bankschalter endlich wieder entdecken. D.h. aber auch ordentliche Zinsen und zwar über dem Inflationszins zu zahlen. Bis dahin bekommt keine Bank mehr mein Geld!

Realo

28.12.2011, 11:52 Uhr

Das dauert immer ein paar Minuten, bis der Kommentar "wirklich" online ist, das liegt wohl an deren Content Management System, keine Ahnung, warum das so lange dauert. Gelöscht ist der Kommentar aber nicht, er erscheint ja früher oder eher später.

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