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14.01.2016

18:25 Uhr

Neuer Rechtsstreit droht

Italienische Staatsanwälte nehmen Ex-Deutsch-Banker ins Visier

Die Deutsche Bank muss sich derzeit durch stürmische Zeiten kämpfen. Kaum ein Tag vergeht ohne eine schlechte Nachricht für Deutschlands größtes Geldhaus. Am Donnerstag waren es sogar zwei.

Hochrangige Mitarbeiter des Italien-Zweigs der Deutschen Bank stehen in Mailand vor Gericht. Der Vorwurf: Buchfälschung. dapd

Deutsche Bank in Italien

Hochrangige Mitarbeiter des Italien-Zweigs der Deutschen Bank stehen in Mailand vor Gericht. Der Vorwurf: Buchfälschung.

FrankfurtEs war ein doppelter Rückschlag für die ohnehin von Skandalen und wirtschaftlichen Problemen geplagte Deutsche Bank. Zuerst sackte der Börsenkurs zum ersten Mal seit der Finanzkrise unter die wichtige Marke von 20 Euro, und dann wurde auch noch bekannt, dass die Mailänder Staatsanwaltschaft sechs ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Frankfurter Geldhauses beschuldigt, der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena bei der Fälschung ihrer Bücher geholfen zu haben. Unter den Beschuldigten befinden sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hochrangige Ex-Manager der Bank, wie Michele Faissola, Michele Foresti und Ivor Dunbar.

Faissola galt als enger Vertrauter von Ex-Deutsche Bank-Chef Anshu Jain. Zuletzt leitete er die Vermögensverwaltung des Frankfurter Geldhauses. Allerdings fiel Faissola den Umbauplänen des neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan zum Opfer und verließ Ende Dezember die Bank. Faissola zählte zu den Managern, gegen die die deutsche Finanzaufsicht Bafin ihn ihrem Bericht zur Aufklärung des Liborskandals schwere Vorwürfe erhob.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Foresti arbeitete seit 1996 für die Deutsche Bank zuletzt als Leiter des europäischen Zins- und Kredithandels. 2014 wechselte er zur Bank of America. Der ehemalige Co-Chef des weltweiten Kapitalmarktgeschäfts Dunbar hat die Bank inzwischen ebenfalls verlassen. Ein Anwalt von Foresti und Dunbar wollte die Vorwürfe nicht kommentieren. Auch Faissola wollte sich nicht äußern, ebenso wenig wie Dario Schiraldi, ein Manager in der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, dem die Behörden die gleichen Vergehen vorwerfen. Ein Sprecher des Frankfurter Geldhauses wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben.

Nach Informationen von Bloomberg bereiten die Mailänder Staatsanwälte eine Anklageschrift vor, darin beschuldigen sie die Banker, dass sie zusammen mit Monte dei Paschi im Jahr 2008 eine Gesellschaft mit dem Namen Santorini gründeten, die dem schwer angeschlagenen Geldhaus geholfen haben soll, Verluste zu verstecken. Bloomberg beruft sich auf Gerichtsdokumente, die der Nachrichtenagentur vorlagen.

Demnach richten sich die Vorwürfe auch gegen die Deutsche Bank selbst, das Geldhaus habe es versäumt, seine Angestellten korrekt zu überwachen. Die Dokumente sind der letzte Schritt vor einer formalen Anklage und wurden von der Staatsanwaltschaft nach Abschluss ihrer Ermittlungen bei Gericht eingereicht. Die Ankläger haben untersucht, ob und wie die früherer Führung von Monte dei Paschi versucht hat, die finanzielle Lage der Traditionsbank zu schönen, bevor das Institut vom Staat gerettet werden musste.

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Zeitweise größter Verlierer im Dax und eine wichtige Marke nach unten durchbrochen: Bei der Aktie der Deutschen Bank ziehen Anleger die Notbremse. Das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwindet.

Insgesamt erheben die drei Staatsanwälte Mauro Clerici, Stefano Civardi und Giordano Baggio Vorwürfe gegen 13 Banker. Fünf Manager kommen von Monte dei Paschi, allesamt nicht mehr im Amt wie der frühere Präsident Giuseppe Mussari und die restlichen von der japanischen Bank Nomura. Ihnen werfen die Ankläger ein ganzes Bündel von Vergehen vor: Bilanzfälschung, Behinderung der Aufsichtsbehörden, Markt-Manipulierung, Fälschung von Info-Prospekten. Insgesamt sollen sie die Bilanz von Montei dei Paschi um eine Milliarde Euro geschönt haben.

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