Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2013

16:31 Uhr

Neues Gutachten

Ex-Vorstände der BayernLB zunehmend unter Druck

Ein Gutachter hat die Abläufe beim milliardenschweren Fehlkauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria durch die BayernLB genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse dürften die damaligen Vorstände nicht erfreuen.

Sitzungssaal im Zivilprozess der BayernLB-Schadenersatzklage: Keiner der ehemaligen Vorstände erschien persönlich. dpa

Sitzungssaal im Zivilprozess der BayernLB-Schadenersatzklage: Keiner der ehemaligen Vorstände erschien persönlich.

MünchenIm Prozess um Schadenersatz für die verhängnisvolle Übernahme der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria bringt ein Gutachten die früheren Vorstände der BayernLB unter Druck. Die Expertise bestätige den Vorwurf, dass die Manager für die Bank 200 Millionen Euro zu viel gezahlt hätten, sagte die Vorsitzende der 20. Zivilkammer des Landgerichts München, Isabel Liesegang, am Dienstag in München.

Das umfangreiche Gutachten wurde von dem Leipziger Finanzprofessor Bernhard Schwetzler erstellt und soll in den weiteren Prozess einfließen. Die Landesbank wirft ihrem früheren Chef Werner Schmidt und sieben weiteren ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen vor, weil sie die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) für rund 1,6 Milliarden Euro kauften und dabei Alarmzeichen über den Zustand der Bank außer Acht gelassen haben sollen. Sie fordert 200 Millionen Euro Schadenersatz.

Die Chronologie des Hypo Alpe Adria-/BayernLB-Dramas

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Ein wochenlanger Poker zwischen Österreich und Bayern geht zu Ende: Die HGAA geht an Österreich zurück und soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

4. Januar 2010

Der Freistaat hofft auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

13. Oktober 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt. Das Gericht zweifelt an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag.

19. Juni 2012

BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Die BayernLB wirft allen acht ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der HGAA vor.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legt Berufung ein.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst auf einen Prozess.

14. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

19. Dezember 2012

Ministerpräsident Seehofer fordert die HGAA zur Rückzahlung der Kredite auf.

20. Dezember 2012

Eine fällige Zinszahlung von zwei Millionen Euro an die BayernLB wird nicht überwiesen.

Zum Prozess erschien keiner der ehemaligen Vorstände persönlich. An den vorangegangenen beiden Verhandlungstagen war zumindest Ex-Vorstand Dieter Burgmer gekommen. Die übrigen Beschuldigten, darunter der amtierende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, waren noch nie in dem Prozess, sondern ließen sich durch ihre Anwälte vertreten.

Die BayernLB wirft den Ex-Vorständen neben dem Fehlkauf der HGAA im Jahr 2007 auch Versäumnisse bei Geschäften mit riskanten Wertpapieren vor, die ihr horrende Verluste einbrockten. In diesem Punkt hat das Gericht nach dem bisherigen Stand des Verfahrens aber Bedenken, ob eine Pflichtverletzungen der Ex-Vorstände vorlag. Fraglich ist dabei vor allem, ob die Vorstände den Verwaltungsrat als Kontrollgremium über die Geschäfte hätten informieren müssen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2013, 19:21 Uhr

Wie im richtigen Leben, der eine zockt den anderen ab und der letzte zockt sich selber ab. Der letzte ist meist ein ahnungsloser und/oder nach monetärer Bereicherung strebender Verwaltungs-oder Aufsichtsrat. Das Ergebnis ist ein Chaos mit Verlusten, die natürlich die Allgemeinheit zu tragen hat. Ein absolut normaler Vorgang heutzutage, der geplant im Sande verläuft.
Also, alles bestens und viele sind beschäftigt versorgt und haben Ihre Existenzberechtigung (ohne zu Arbeiten).
Wenn das nicht praktizierte Nächstenliebe der produktiv arbeitenden Bevölkerung ist?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×