Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2009

15:10 Uhr

Neues Rettungspaket

Frankreichs Banken bekommen Milliarden

VonHolger Alich

Nicolas Sarkozy gewährt den französischen Kreditinstituten neue Eigenkapitalhilfen. Es geht um viele Milliarden Euro. Und die Banken werden nicht zögern, auf das Angebot zurückzugreifen.

Frankreichs Präsident Sarkozy: Weitere Finanzhilfen sind notwendig. Foto: AP ap

Frankreichs Präsident Sarkozy: Weitere Finanzhilfen sind notwendig. Foto: AP

PARIS. Frankreich will seinen Banken erneut eine Eigenkapitalspritze verpassen. Das kündigte gestern Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy an. "Wir werden über die erste Tranche Eigenkapitalhilfen vom Dezember hinausgehen", sagte er, denn "je mehr Eigenkapital die Banken haben, desto mehr Geld können sie ausleihen." Nach Angaben des Finanzministeriums sind Details wie das Volumen der neuen Hilfen noch offen.

Im Oktober hatte Frankreich eine erste konzertierte Kapitalspritze für seine Großbanken organisiert. Alle großen Gruppen, inklusive der genossenschaftlichen Gruppen wie Caisse d?Epargne, willigten unter der Moderation des Finanzministeriums ein, nachrangige Anleihen zu begeben, die der Staat zeichnet. Das Gesamtvolumen belief sich auf 10,5 Mrd. Euro. Jede Bank bekam dabei im Verhältnis zur Bilanzsumme einen entsprechenden Anteil. Nach längerem Hickhack stimmte die Brüsseler EU-Kommission der Beihilfe zu, im Dezember floss das Geld.

Insgesamt hat Frankreich zur Stützung des Bankensektors 360 Mrd. Euro eingeplant. 320 Mrd. Euro dienen zur Garantie von Interbanken-Krediten; 40 Mrd. Euro können die Institute als Eigenkapitalhilfen in Anspruch nehmen. Aus diesem Topf fließen die Gelder für die nachrangigen Anleihen.

In Frankreich sind Banken weniger zögerlich, diese Hilfen anzunehmen, denn die vom Staat geforderten Bedingungen sind weniger hart als in anderen Ländern. So müssen die Banken sich nicht wie in Großbritannien oder den Niederlanden dazu verpflichten, die Dividende zu streichen. Dagegen willigen die Banken ein, im Gegenzug für die Hilfen ihr Kreditbuch um drei bis vier Prozent auszubauen.

Auch wenn die Details der zweiten Tranche noch ausstehen, dürfte zu erwarten sein, dass sich die Bedingungen an jenen der ersten Eigenkapitalspritze orientieren. Dabei begaben die Banken unendlich laufende, nachrangige Anleihen. Der zu zahlende Zins berechnet sich wie folgt: Risikoloser Zins des französischen Staates, plus 300 Basispunkte, plus ein Aufschlag in Abhängigkeit vom Credit-Default-Swap der jeweiligen Bank (Preis, zu dem sich ein Gläubiger gegen den Zahlungsausfall versichert). Im Schnitt ergibt das einen Zins von rund acht Prozent. Die Anleihen verteuern sich jedoch mit zunehmender Laufzeit. So müssen Banken 111 Prozent des Nominalbetrages zurückzahlen, wenn sie die Eigenkapitalhilfen länger als sechs Jahre in der Bilanz behalten.

Bankenvertreter rechtfertigen den Griff nach Staatshilfen; denn diese erlaubten ihnen, ihre Kredittätigkeit fortzusetzen, ohne dass sie fürchten müssen, dass sich der Refinanzierungsmarkt erneut verschließt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×