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18.01.2010

20:12 Uhr

Neues Vergütungsmodell

Deutsche Bank hebt Fixgehälter weltweit an

VonHans G. Nagl

ExklusivDie Deutsche Bank erhöht die Grundgehälter ihrer Mitarbeiter – je nach Position um 30 Prozent oder mehr. Im Gegenzug werden die Boni-Zahlungen verringert. Grundlage ist ein neues Vergütungssystem, das die Gesamtbezüge der Beschäftigten zwar stabil hält, bei Branchenkennern aber Zweifel weckt.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann meint es ernst mit der Überarbeitung des Vergütungssystems. Quelle: ap

Deutsche-Bank-Chef Ackermann meint es ernst mit der Überarbeitung des Vergütungssystems.

FRANKFURT. Die Deutsche Bank erhöht die Grundgehälter ihrer Mitarbeiter deutlich. Der hiesige Branchenprimus kommt damit einer von Öffentlichkeit und Aufsehern erhobenen Forderung nach, die unter dem Strich zu einem nachhaltigeren Wirtschaften führen soll. Zugleich wird deutlich, dass es Bankchef Josef Ackermann mit der Überarbeitung des Vergütungssystems offenbar ernster meint als zuletzt vielfach gedacht. Wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr, sollen die Gesamtbezüge durch das kurzfristig in Kraft tretende Modell nicht steigen.

„Wir reden über eine kräftige Aufstockung“, hieß es am Montag mit Blick auf das neue Vergütungsmodell in Branchenkreisen. Je nach Position könne das Fixgehalt um 30 Prozent oder mehr ansteigen. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht. „Wir arbeiten laufend an der Fortentwicklung unseres Vergütungssystems“, sagte ein Sprecher lediglich.

Nach Informationen des Handelsblatts dient als Grundlage für die neuen Fixgehälter die Gesamtvergütung der Jahre 2007 und 2008. Letzteres war wegen der Finanzkrise das schlechteste Jahr in der Geschichte der Bank. 2007 hatte das Institut hingegen einen Rekord verbucht.

Auf jeder Mitarbeiterebene sollen die Bezüge beider Jahre gemittelt und dann nach einem prozentualen Schlüssel zugeteilt werden. Dieser liegt umso höher, je niedriger ein Mitarbeiter in der Rangordnung steht. So soll ein „Managing Director“ beispielsweise als Fixgehalt nur 60 Prozent des Mittelwerts erhalten. Bei sogenannten „Vice Presidents“ wird hingegen ein Wert um die 80 Prozent angesetzt. Insgesamt hatte die Bank 2007 und 2008 rund 19,7 Mrd. Euro für Personalkosten aufgewendet.

Mit dem neuen Modell schafft die Deutsche Bank dem Vernehmen nach auch die vor allem im Inland verbreitete Praxis ab, Teile des Jahresbonusses zu garantieren – womit es sich de facto ohnehin um einen fixen Gehaltsbestandteil handelte. Diese Praxis stößt bei der Aufsicht aber im Zuge der Debatte über nachhaltige Vergütungsstrukturen auf Widerstand. „Im Gegenzug für die Umwandlung wird es zu einer Reduzierung der Boni kommen“, sagte ein Kenner der Materie. Die Gesamtvergütung werde bei der Deutschen Bank nicht steigen.

Zahlreiche Banken wie Credit Suisse oder die Commerzbank haben als Reaktion auf die Finanzkrise bereits ihr Vergütungsmodell umgestellt. Die Deutsche Bank war mehrfach dafür kritisiert worden, sich bei ihrer Reform viel Zeit zu lassen. Ein Branchenkenner äußerte allerdings auch Zweifel am Sinn der nun bekannt gewordenen Struktur. „Das ist großzügig“, sagte ein Headhunter. „Die Frage ist: Legt sich damit noch jemand richtig ins Zeug, wenn man sogar ohne Bonus noch ordentlich verdient?“

Kommentare (6)

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Joern Backes

18.01.2010, 22:22 Uhr

Hört sich ja ganz gut an.
Anzeize sind ja ganz schön, Sie sollen aber eigentlich lieber ganz einfach ihren Job machen.
ist wie im Kapitalismus ,Konkurenz muss sein sonst gibt es nichts neues.
Durch das kümmern um den anderen geht der Kapitalismus bankrott.
Ein Staat kann im Grunde nicht bankrott gehen. Von Staatsbankrott redet man wenn es zuviele gibt die in die eigene Tasche arbeiten also sich keiner um den Staat kümmert oder zuviel um den anderen.

??
meine Obein Kommentare erspare ich mir heute.
Wenn ich den Name sehe würde ich ja am liebsten wieder etwas dazu schreiben.

Elke Schulze

18.01.2010, 22:35 Uhr

...so eine Schweinerei hat die Welt noch nicht gesehen! Und sämtliche anderen brancen - z.b. nach 15 jähriger Ausbildung (Studium + Assistenzzeit als Fronarbeiter in unseren Krankenhäusern) zum Facharzt müssen in Abhängigkeiten von den Krankenkassen ums Überleben kämpfen! Mir ist nicht bekannt, dass irgendeine Gewerkschaft je solch eine Lohnerhöhung aushandeln konnte. Von welchen Geldern werden sie eigentlich bezahlt? Sind es nicht unsere Steuergelder oder unsere Spargroschen, mit deren Hilfe an den börsen gezockt wird, was das Zeug hält? Man kann das Spiel sicherlich noch etwas weiter treiben, aber irgendwann werden die Massen hoffentlich (sage ich heute) aufwachen! Die banken gehören scheinbar enteignet, denn sie sind auf unser aller Kosten absolut maßlos.
mfG E.Schulze

Dabo

18.01.2010, 22:55 Uhr

Das war doch zu erwarten nachdem im Großbritanien eine Zwangssteuer auf bonizahlungen eingeführt wurde. Da London einer der wichtigsten Handelsplätze weltweit ist, musste es heissen: "boni runter, Grundgehalt hoch", um die investmentbanker bei der Stange zu halten und ihnen nach wie vor das gleiche Gehalt zu garantieren, auch mit der Zwangssteuer.

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