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30.01.2009

10:59 Uhr

New Yorker Börse fühlt sich im Vorteil gegenüber London

NYSE sieht Zeichen der Hoffnung auf den Kapitalmärkten

VonTorsten Riecke

Am größten Finanzplatz der Welt keimt neue Hoffnung. „Bereits im zweiten Halbjahr könnte die Zahl der Börsengänge wieder ansteigen“, sagte Duncan Niederauer, Chef der NYSE Euronext, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Die Fassade der New York Stock Exchange. Foto: ap ap

Die Fassade der New York Stock Exchange. Foto: ap

NEW YORK. Als Finanzplatz mit der größten Liquidität rechnet sich die NYSE dabei gute Chancen aus. Auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) sei wiedererwacht. „Das ein Pharma-Deal wie die Übernahmen von Wyeth durch Pfizer wieder finanziert wird, ist es gutes Zeichen“, so der Börsenchef aus New York.

Auch in Davos gebe es erste Hoffnungsschimmer. „Die Stimmung hier ist sehr konstruktiv. Viele bemühen sich, einen Ausweg aus der Krise zu finden“, berichtet Niederauer. Er widerspricht damit dem Eindruck, dass die Wirtschaftselite in eine tiefe Depression versunken sei. Trotz der positiven Signale richtet sich allerdings auch die NYSE Euronext darauf ein, dass die Durststrecke an den Kapitalmärkten auf kurze Sicht noch andauern wird. „Wenn es den Unternehmen als unseren wichtigsten Kunden nicht gut geht, leiden wir mit“, sagte Niederauer. Besonders dramatisch sei die Lage auf dem Markt für Risikokapital. „Wir hatten in den vergangenen drei Quartalen nur eine Neuemission aus diesem Bereich. Das gab es noch nie.“

Langfristig sieht der Börsianer jedoch gute Chancen, von der neuen Finanzordnung nach der Krise zu profitieren. Die Börsen würden durch die erhöhten Anforderungen an den Markt für Finanzderivate neues Geschäft hinzugewinnen. So gibt es Überlegungen, dass zum Beispiel Credit Default Swaps künftig an zentralen Marktplätzen gehandelt werden müssen. Dabei handelt es sich um Kreditversicherungen, die vor der Krise auch zu unkontrollierten Spekulationen verwendet wurden. Noch immer ist dieser Markt für die Finanzaufseher nahezu undurchschaubar.

Neue Finanzregeln werden New York nach Meinung von Niederauer auch im Wettbewerb mit anderen Finanzplätzen helfen. „London wird seine bisher etwas lockerere Finanzaufsicht nicht mehr als Wettbewerbsvorteil ausspielen können“, glaubt er. New York habe durch die Verankerung der Sarbanes-Oxley-Regeln (SOX) einen Vorsprung, den andere jetzt aufholen müssten. Das SOX-Regelwerk wurde in den USA nach den Bilanzskandalen rund um den Energiehändler Enron eingeführt und hat die Rechenschaft der Unternehmen erheblich verschärft. In den USA hofft Niederauer auf einen baldigen Zusammenschluss der Börsenaufsicht SEC und der Commodity Futures Trading Commission in Chicago. Der NYSE-Manager sprach sich zudem gegen eine Verbannung des sogenannten „short-selling“ aus, mit denen Investoren auf sinkende Aktienkurse wetten. „Short-Selling ist grundsätzlich kein Übel. Wir müssen allerdings dafür sorgen, dass es eine Investment- und keine Handelsstrategie ist“, betonte er.

Trotz dieser Vorteile gegenüber der Konkurrenz hegt der New Yorker Börsenchef im Moment keine weiteren Übernahmepläne. „Wir haben alle Hände voll zu tun, unsere Zukäufe zu integrieren“, sagte Niederauer. Die NYSE hat neben der Euronext in den vergangenen Jahren weitere Börsenplätze übernommen, zuletzt die American Stock Exchange. Dass die Aktien der NYSE Euronext vermutlich noch in diesem Jahr an der Börse in Shanghai notiert würden, sieht Niederauer als Bestätigung für die bisherige Globalisierungsstrategie der New Yorker.

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