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23.08.2016

13:52 Uhr

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Krumme Deutsche-Bank-Deals in Moskau

VonYasmin Osman

Die Kontrollmechanismen der Deutschen Bank haben bei einem Geldwäscheskandal in Moskau total versagt. Das belegen Recherchen eines US-Magazins. Dabei waren die kriminellen Machenschaften der reichen Russen offensichtlich.

„Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“. Auch bei der Deutschen Bank in Moskau handelten allzu viele Manager allzu lang nach diesem Motto. Imago

Buddhistische Affen

„Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“. Auch bei der Deutschen Bank in Moskau handelten allzu viele Manager allzu lang nach diesem Motto.

FrankfurtAus dem Buddhismus ist die Losung überliefert: „Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“. Bis heute gelten die drei Affen, die diese Denkweise illustrieren und sich Ohren, Augen und Mund zuhalten, in Fernost als weise. Auch bei der Deutschen Bank in Moskau handelten allzu viele Manager allzu lang nach diesem Motto – und brockten dem Institut damit eines seiner derzeit größten Rechtsrisiken ein: einen riesigen Geldwäsche-Skandal, der eine empfindliche Milliardenstrafe der US-Behörden nach sich ziehen könnte.

Über Jahre hinweg, zwischen den Jahren 2011 und 2015, wuschen reiche russische Kunden mit Hilfe koordinierter Aktienkäufe und –verkäufe insgesamt rund zehn Milliarden Dollar und schmuggelten auf dieser Weise auch Geld von Russland ins Ausland. Der Geldwäsche-Skandal in Russland, der von Behörden in den USA, Großbritannien und Deutschland untersucht wird, gilt als das potenziell gefährlichste und unkalkulierbarste Rechtsrisiko der Deutschen Bank.

Das gilt umso mehr, als der Verdacht besteht, dass es in der Affäre auch um Verstöße gegen politische Sanktionen gehen könnte. Darauf reagieren US-Behörden sehr empfindlich. Da es einen ähnlichen Vorfall bislang noch nicht gegeben hat, weiß niemand, wie hoch die Strafen ausfallen könnten.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Nun hat das Magazin „New Yorker“ die Hintergründe des Geldwäsche-Skandals detailreich ausgeleuchtet – und das Ergebnis fällt für die Bank alles andere als schmeichelhaft aus. Die Essenz: Zwar ist die Bank auch das Opfer eines mutmaßlich korrupten Top-Managers in Moskau geworden, ohne dessen Mithilfe die unsauberen Deals zumindest nicht so lange hätten stattfinden können. Doch ohne die enorm laxen und unzureichenden internen Kontrollen der Bank wäre auch dessen Treiben wohl weit früher aufgeflogen.

Konkret liefen die krummen Geschäfte so ab: Zwischen Herbst 2011 und Frühjahr 2015 rief in der Moskauer Dependance der Bank praktisch täglich ein Broker namens Igor Volkov an, meist bei ein und derselben jungen Brokerin der Deutschen Bank. Jedesmal platzierte er zwei Transaktionen, die gleichzeitig stattfinden sollten: Zum einen sollte eine russische Firma, die Volkov vertrat, dabei in der Landeswährung Rubel Aktien eines wichtigen börsennotierten russischen Unternehmens kaufen, etwa Lukoil.

Parallel dazu ließ Volkov auf Rechnung einer zweiten Firma, die er vertrat, und die meist in irgendeiner Steueroase angesiedelt war, über die Deutsche Bank in London die exakt gleiche Aktie in der gleichen Größenordnung verkaufen – nur dass diese zweite Firma den Erlös dafür in US-Dollar, britischem Pfund oder Euro erhielt.

Kommentare (8)

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Frau Annette Bollmohr

23.08.2016, 14:20 Uhr

"Dabei waren die kriminellen Machenschaften der reichen Russen offensichtlich."

Es ist einfach das System. Wer da zu lange drinsteckt, sieht irgendwann tatsächlich nichts mehr, also kann er auch nichts sagen.

Herr Franz Paul

23.08.2016, 14:41 Uhr

Amerikaner bemühen sich, VW platt zu machen.
Amerikaner bemühen sich, die deutsche Bank platt zu machen.
Amerikaner zahlen ihre Beiträge an das UNHCR nicht mehr und lösen damit die Flüchtlingsschwemme aus. Europa, ganz besonders Deutschland wird geflutet und ausgeplündert.
Amerikaner marschieren an der russischen Grenze auf.
Amerikaner stationieren neue Atomwaffen in Deutschland.
Irgend jemand hier, der da einen Zusammenhang sieht?

Account gelöscht!

23.08.2016, 15:09 Uhr

Die drei Affen gehören also zur Deutschen und ich dachte schon es wäre irgend eine EU-Kommission.

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