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07.01.2004

07:25 Uhr

Niedrige Renditen sind das größte Risiko für die Branche – Hedge-Funds werden wichtiger

Versicherer suchen Weg aus der Zinsfalle

VonFrank Wiebe

Droht den Versicherern nach dem Aktiencrash der Rentencrash? Werner Görg, Chef des Gothaer Konzerns, ist überzeugt, dass im Zinsbereich inzwischen die größten Risiken für die Branche liegen.

DÜSSELDORF. „Wenn das Zinsniveau rasch steigt, führt das zu hohen Kursverlusten“, sagt er. Sein Unternehmen hat daher schon rund ein Fünftel seines Vermögens in „alternative“ Anlagen wie Hedge-Funds und Private Equity gesteckt, die vom Zinstrend weitgehend unabhängig seien und 2002 rund 30 % des Ertrags beigesteuert hätten. Auch Karin Clemens von der Rating-Agentur Standard & Poor’s befürchtet: „Nachdem die Versicherer in den vergangenen Jahren zu viel in Aktien investiert haben, setzen jetzt einige zu einseitig auf Festverzinsliche.“

Das Problem ist komplex. Bei deutscher Rechnungslegung nach HGB seien im Durchschnitt nur etwa 10 % der Zinspapiere anfällig für Abschreibungen, sagt Frank Schepers von der Beratungsfirma Tillinghast. Die anderen stünden als „Namenspapiere“ oder Bestandteil des Anlagevermögens fix in den Büchern. Anders sieht es bei internationaler Bilanzierung aus, die vor allem auf Konzernebene schon eine große Bedeutung hat. Dort sind die meisten Papiere anfällig für Abschreibungen. Berater Schepers nennt eine einfache Formel.

Die Lebensversicherer seien im Durchschnitt zu vier bis fünf Jahren im Rentenbereich gebunden. Ein Anstieg der Rendite um einen Prozentpunkt bedeute daher einen Wertverlust von knapp 5 % – das ist das Produkt aus Restlaufzeit und Renditeänderung. Andreas Gruber, Leiter des Finanzcontrollings bei der Allianz Lebensversicherung, bestätigt diese Relationen für sein Haus. Dabei gilt aber: Diese Wertverluste wären zum Teil aus Reserven aufzufangen und wären nur im Konzernabschluss sichtbar.

Ein wirkliches Problem würde laut Schepers aber nur entstehen, wenn bei einem Zinsanstieg viele Kunden ihre Verträge kündigen sollten – erst dann wäre der Versicherer gezwungen, die Verluste zu realisieren. Nach seiner Einschätzung ist die Gefahr in Deutschland aber gering. „Wenn sich die Anleger rational verhalten, passiert das nicht“, sagt er. Bei den deutschen Policen wird in der Regel ein erheblicher Teil des Gewinns erst am Schluss der Laufzeit ausgeteilt – Tendenz steigend –, während in den ersten Jahren vor allem Kosten belastet werden. Die Folge: Auch wenn das Kapitalmarktniveau steigt, lohnt es für die Kunden kaum umzusteigen.

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