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18.09.2012

07:30 Uhr

Niedrigzinsenphase

Kunden ziehen Geld bei Sparkassen ab

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase und der steigenden Konkurrenz durch ausländische Institute ziehen offenbar zahlreiche Kunden Geld bei den Sparkassen in Hessen und Thüringen ab.

Das Logo der Sparkasse. dpa

Das Logo der Sparkasse.

Frankfurt/KasselIm ersten Halbjahr seien die Kundeneinlagen um 419 Millionen Euro auf 83,6 Milliarden Euro zurückgegangen, wie der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT) am Montag mitteilte. Der Rückgang ist bisher zwar moderat, SGVHT-Chef Gerhard Grandke fürchtet in den kommenden Monaten aber eine Fortsetzung des Abwärtstrends - ähnlich wie viele andere Sparkassen in ganz Deutschland.

Zahlreiche Banken aus dem In- und Ausland - darunter auch staatlich gestützte Institute - würden Sparer in Deutschland mit vergleichsweise hohe Zinsen locken, klagte Grandke. "Diese Institute bieten Konditionen, die betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen sind. Damit graben sie uns das Wasser ab." Den Sparkassen macht zudem zu schaffen, dass ihre Kunden wegen der niedrigen Zinsen verstärkt auf kurzfristige Anlageformen setzen - und ihr Erspartes oft auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen. Um diese Gelder zur Vergabe langfristige Kredite verwenden zu können, müssen die Sparkassen teure Absicherungsgeschäfte eingehen. Im ersten Halbjahr gaben die 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen dafür rund 160 Millionen Euro aus - den Großteil davon für Zinsswaps.

Die zehn größten Sparkassen in Deutschland

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.

Nassauische Sparkasse

2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.

Weil auch der Verwaltungsaufwand stieg, ging das Betriebsergebnis vor Bewertungseffekten im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück und dürfte auch im Gesamtjahr schwächer ausfallen als 2011. Unter dem Strich werden die Banken nach Ansicht von Grandke aber mehr Gewinn machen, da im Gegensatz zu 2011 dieses Mal nicht mit Abschreibungen auf ihren Anteil an der Landesbank Berlin zu rechnen sei.

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind Mehrheitseigner der Helaba. Das Institut ist nach der Übernahme der WestLB -Verbundbank zu einer der wichtigsten Landesbanken aufgestiegen und künftig als Zentralbank für 40 Prozent aller Sparkassen in Deutschland zuständig. Der Fokus müsse nun auf der Integration der Geschäfte und von 451 Mitarbeiter liegen, sagte Grandke. Eine weitere Expansion stehe nicht auf der Agenda. "Wir treten nicht kolonial an."

Die zehn kleinsten Sparkassen in Deutschland

Sparkasse Hohenwestedt

Auf Rang 420 von insgesamt 429 Sparkassen kommt die Sparkasse Hohenwestedt. In der kleinen Gemeinde im Herzen Schleswig-Holsteins (rund 5.000 Einwohner) arbeiten 52 Menschen in einer der vier Filialen der örtlichen Sparkasse. Im Jahr 2010 sind sie auf eine Bilanzsumme von 261 Millionen Euro gekommen.

Sparkasse Geseke

Platz 421 geht an die Sparkasse Geseke im Kreis Soest (Nordrhein-Westfalen). In der 20.000-Einwohner-Stadt arbeiten 80 Angestellte bei der Sparkasse. Die Sparkasse Geseke kam 2010 auf eine Bilanzsumme von 251 Millionen Euro.

Sparkasse Laubauch-Hungen

Noch etwas weniger ist es bei der Sparkasse Laubach-Hungen, sie konnte 244 Millionen Euro in der Bilanz von 2010 ausweisen. Im hessischen Laubach leben aber auch nur rund halb so viele Menschen wie in Geseke.

Sparkasse Fröndenberg

Rang 423 geht wieder nach Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt nach Fröndenberg im Kreis Unna. Die Bilanzsumme der Sparkasse Fröndenberg belief sich 2010 auf 240 Millionen Euro.

Stadtsparkasse Schwalmstadt

Auf den Rängen 424 bis 428 liegen nur Mitglieder des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen (SGVHT). Den Anfang macht die nordhessische Stadtsparkasse Schwalmstadt mit einer Bilanzsumme von 182 Millionen Euro.

Sparkasse Battenberg (Eder)

Platz 425 geht auch nach Nordhessen, genauer gesagt in den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dort ist die Sparkasse Battenberg (Eder) ansässig, die auf eine Bilanzsumme von 178 Millionen Euro kommt.

Stadtsparkasse Grebenstein

Auf Platz 426 liegt in Nordhessen, dieses Mal im Kreis Kassel. Die Sparkasse Grebenstein muss sich der in Battenberg aber nur um läppische 639.000 Euro geschlagen geben (178.420.000 Euro zu 177.781.000 Euro).

Stadtsparkasse Borken (Hessen)

Im selben Landkreis wie die Stadtsparkasse Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis) liegt die Stadtsparkasse Borken. Sie kommt noch auf eine Bilanzsumme von 169 Millionen Euro - mit 47 Mitarbeitern in fünf Filialen.

Stadtsparkasse Felsberg

Und noch einmal der Schwalm-Eder-Kreis, dieses Mal aber die Stadtsparkasse Felsberg. in der Stadt mit 10.000 Einwohnern arbeiten 42 Bank-Mitarbeiter in zwei Filialen - macht eine Bilanzsumme von 167 Millionen Euro.

Stadtsparkasse Bad Sachsa

Die kleinste Sparkasse liegt im Süden Niedersachsens. In der 7.500-Einwohner-Kleinstadt Bad Sachsa gibt es nur eine Sparkassen-Filiale. Mit dieser kommt die Stadtsparkasse Bad Sachsa auf eine Bilanzsumme von 129 Millionen Euro.

Grandke, der für die SPD lange Zeit Oberbürgermeister von Offenbach war, zählt dank des Aufstiegs der Helaba zu einem der stärksten Männer in der Sparkassen-Finanzgruppe - und als potenzielles Gegengewicht zu CSU-Mann Georg Fahrenschon, der seit Mitte Mai Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ist. Er habe ein entspanntes Verhältnis zu Fahrenschon und sei mit ihm bei vielen Fragen einer Meinung, erklärte Grandke. In bestimmten Bereichen könne es aber durchaus "divergierende Interessen" geben.

Gar nicht angetan ist Grandke beispielsweise von Fahrenschons Gedankenspielen, die zehn Landesbausparkassen (LBS) enger aneinander zu binden. In Hessen und Thüringen sei die LBS in die Helaba integriert und erfolgreich, sagte Gradke. "Ich sehe keine Veranlassung, daran etwas zu verändern." Dass der DSGV in der Öffentlichkeit über das Thema spricht, ohne Eigner der Landesbausparkassen zu sein, findet Grandke befremdlich. "Dem DSGV gehört gar nichts. Die Kisten gehören uns." Auch Bayerns Sparkassenpräsident Theo Zellner ist gegen eine Fusion der bayerischen LBS mit anderen Landesbausparkasse.

Von

rtr

Kommentare (18)

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wegimex

18.09.2012, 02:39 Uhr

Noch ein ausgemusterter Politiker in Verantwortung bei einer LB. Wie oft muessen diese Laeden eigentlich noch ihr Kapital verbrennen bis da mal jemand eingestellt wird der weiss was eine Bank ist ? EIn Buergermeister. Na klasse. Was der sagt ist ja nun wirklich nicht relevant oder ? Zinsen die betriebswirtschaftlich nicht gerechtfertigt sind sagt er. Denke wohl eher dass seine Kostenstruktur betriebswirtschaftlich nicht gerechtfertigt ist.

Account gelöscht!

18.09.2012, 05:12 Uhr

Bei den Zinsen ist wohl der sicherste und beste Platz fuer das Geld nicht mehr das Bankkonto, sondern das Bankschliessfach.

Die EZB denkt, wenn ich die Zinsen senke und Geld drucke, dann wird alles gut. Die haben nicht verstanden, dass man nicht alleine mit Geld Unternehmen gruendet, sondern vor allem mit Ideen. Der Grossteil dieser Niedrigzinspolitik erhoeht nur die Schuldenlast und nur ein winziger Anteil hilft vielleicht neue Unternehmen und auch Arbeitsplaetze zu gruenden. Aber selbst hier muss man sehen, ob die neuen Unternehmen nur alte verdraengen oder wirklich neue Arbeitsplaetze schaffen. Ein neues Unternehmen auf billigem Pump finanziert kann ein solides bestehendes vernichten und danach selber pleite gehen. Billiges Geld und die Gunst der Stunde fuehren nicht selten zu "billigen, weniger durchdachten" Investitionsversuchen - wie auch beispielsweise im Immobiliensektor durch Blasenbildung erkennbar.

Die Giesskannenpolitik der EZB ist letztlich wenig brauchbar, ausser man moechte die ohnehin negative Schulden-Situation noch weiter verschlechtern. Da wirkt sie aber dann gewaltig.

Account gelöscht!

18.09.2012, 07:20 Uhr

Auf die Sicherheit eines Bankschließfaches gebe ich gar nichts, kann es doch jederzeit wegen des Verdachtes auf Schwarzgeld gewaltsam geöffnet werden. Da ist die heimische Matratze deutlich sicherer.

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