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27.05.2015

17:35 Uhr

Nobelpreisträger kritisiert Wettbewerbshüter

„Die Regulierer können Märkte nicht regulieren“

Myron Scholes, Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997 kritisiert die Wettbewerbshüter am Finanzmarkt. Anstatt Risiken tatsächlich zu eliminieren, würden sie bloß verschoben. Märkte blieben so tatsächlich unreguliert.

Myron Scholes, Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997, kritisiert die internationalen Wettbewerbshüter. Sie seien nur in der Lage Banken, nicht aber Märkte zu regulieren. Reuters

Risiken nur verlagert

Myron Scholes, Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997, kritisiert die internationalen Wettbewerbshüter. Sie seien nur in der Lage Banken, nicht aber Märkte zu regulieren.

DubaiIm Bestreben, eine neue Finanzkrise zu verhindern, verlagern die Regulierer Gefahren für das Finanzsystem von den großen Banken weg, anstatt die Risiken zu eliminieren. Diese Ansicht vertritt Myron Scholes, dessen Preisfindungsmodell der Branchenstandard für die Bewertung von Derivaten ist.

„Die Regulierer glauben, sie können Märkte regulieren. Aber tatsächlich können sie nur Institutionen regulieren“, sagte der Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1997 im Interview mit Bloomberg in Dubai. Scholes, der zu den Gründern des 1998 kollabierten Hedgefonds Long-Term Capital Management gehörte, ist nun Chef-Investmentstratege bei der Fondsgesellschaft Janus Capital.

Bankenchefs, darunter Jamie Dimon von JPMorgan Chase, ab kommenden Monat neuer CEO der Credit Suisse, haben die Investoren vor starken Bewegungen an einigen den Märkte als Folge strengerer Regulierung gewarnt. Dünnere Handelsvolumina verschärften unlängst einen Ausverkauf am Bondmarkt, der die deutsche Renditekurve steil nach oben schob und 400 Milliarden Dollar Kurswert an den weltweiten Anleihemärkten vernichtete.

„Das Problem ist, dass wir am Ende die sichersten Institutionen haben. Aber alle Handelspraktiken, die sie ausgeübt haben, sind woanders hin gewandert“, sagte der 73-jährige Scholes. Janus-CEO Richard M. Weil hatte Scholes im Juli zu dem Vermögensverwalter geholt. Im September folgte Anleihe-Guru Bill Gross. Beide sollen dazu beitragen, die Performance der Fondgesellschaft zu verbessern.

Strengere Eigenkapitalvorschriften und höhere Liquiditätsanforderungen haben die Banken Scholes zufolge veranlasst, aus einigen Märkten auszusteigen. „Es gibt nicht mehr so viel Liquidität und es werden nicht mehr so viele Intermediär-Funktionen wahrgenommen – oder das geschieht woanders.“

Dimon hatte im April in einem Schreiben an Aktionäre die Anleihen hortenden Zentralbanken für die Wertverluste im Oktober verantwortlich gemacht, zusammen mit den Regulierungen, die Händler zum Rückzug aus Märkten bewogen haben. Andere sagen, der Anstieg des elektronischen Handels sei schuld.

Bei Janus konzentriert sich Scholes darauf, ein Modell zu entwickeln, das aufzeigt wie sich das Risiko unterschiedlicher Anlageklassen im Zeitablauf verändert. Ziel ist es, ein Modell zu finden, mit dem Anlageallokationen zwischen Märkten wie Aktien und Anleihen umgeschichtet werden können, damit die Erträge steigen, ohne dass sich das Risikoniveau erhöht.

Wem dem Rettungsring hinwerfen?Mehr als 15 deutsche Großbanken müssen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den nächsten Monaten Sanierungspläne vorlegen. Darin sollen die Geldinstitute erklären, was zu tun wäre, wenn sie kurz vor der Pleite stünden. Denkbar wären dann Gegenmaßnahmen wie etwa eine Kapitalerhöhung oder der Verkauf von Teilen des Geschäfts. Durch die Pläne soll aber auch die Abwicklung von Banken im Fall der Fälle erleichtert werden. In der Finanzkrise hätten solche Informationen oft gefehlt, sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bafin. Die Notfallpläne müssen alle deutschen Banken vorlegen, die die Bafin als „national systemrelevant“ einstuft. Welche genau das sind, hat die Behörde noch nicht verraten. Sicher ist bislang nur, dass die Deutsche Bank als einzig „global systemrelevante“ Bank, die Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank und die Commerzbank der Aufsicht ihre Pläne vorlegen müssen. Doch wie spürt die Bafin die gefährlichsten Banken Deutschlands auf, damit sie ihnen vor dem Untergang einen Rettungsring zuwerfen – oder sie geregelt untergehen lassen kann? ap

Wem dem Rettungsring hinwerfen?

Mehr als 15 deutsche Großbanken müssen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den nächsten Monaten Sanierungspläne vorlegen. Darin sollen die Geldinstitute erklären, was zu tun wäre, wenn sie kurz vor der Pleite stünden. Denkbar wären dann Gegenmaßnahmen wie etwa eine Kapitalerhöhung oder der Verkauf von Teilen des Geschäfts. Durch die Pläne soll aber auch die Abwicklung von Banken im Fall der Fälle erleichtert werden. In der Finanzkrise hätten solche Informationen oft gefehlt, sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bafin.

Die Notfallpläne müssen alle deutschen Banken vorlegen, die die Bafin als „national systemrelevant“ einstuft. Welche genau das sind, hat die Behörde noch nicht verraten. Sicher ist bislang nur, dass die Deutsche Bank als einzig „global systemrelevante“ Bank, die Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank und die Commerzbank der Aufsicht ihre Pläne vorlegen müssen.

Doch wie spürt die Bafin die gefährlichsten Banken Deutschlands auf, damit sie ihnen vor dem Untergang einen Rettungsring zuwerfen – oder sie geregelt untergehen lassen kann?

„Ich denke, dass im Vergleich zu einer statischen Allokationsstrategie zusätzliche 150-200 Basispunkte mehr drin sind, da Risikokontrollen viel Wert besitzen“, sagte er.

Für Scholes sind die Aktienbewertungen weniger attraktiv geworden. Der Standard & Poor's 500 Index hat zwei der fünf Handelstage in der vergangenen Woche auf Rekordständen beendet. Der Dow Jones hat sein Allzeithoch vom 2. März am 18. Mai übertroffen und der Nasdaq schloss am 22. Mai weniger als drei Punkte unterhalb seines bisherigen Rekordstands.

„Wir hatten einen hohen Anstieg der Fremdkapitalaufnahme, und ich frage mich, sind die CDS-Spreads zu eng? Die Anleihespreads sind zu eng, weil die Investoren Rendite gekauft haben“, sagte Scholes. „Ich frage mich, ist das Ergebnispotenzial der Unternehmen wirklich so gut wie die Kurse das signalisieren? Alles andere gleich gesetzt, würde ich sagen, die Aktien sind voll bewertet.“

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