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24.11.2016

10:35 Uhr

NordLB

Landesbank erwartet Milliardenverlust

VonFrank Matthias Drost

Die Norddeutsche Landesbank wird für die Schwäche der Bremer Landesbank kräftig zahlen müssen. Für dieses Jahr wird ein Verlust in Milliardenhöhe erwartet. 2017 sollen aber wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Die NordLB schluckt die kleinere Bremer Landesbank – und muss daher üppige Verluste in die eigenen Bücher nehmen. dpa

Norddeutsche Landesbank in Hannover

Die NordLB schluckt die kleinere Bremer Landesbank – und muss daher üppige Verluste in die eigenen Bücher nehmen.

BerlinDie NordLB hat in den ersten neun Monaten tiefrote Zahlen geschrieben. Bedingt durch die Vorsorge für ausfallgefährdete Schiffskredite wies die nach der Bilanzsumme drittgrößte Landesbank einen Vorsteuerverlust von 624 Millionen Euro aus. Nach Steuern beläuft sich der Verlust auf 736 Millionen Euro, teilte die Bank am Donnerstag mit. Für das Gesamtjahr erwartet das Management einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro vor Steuern.

Bereits bei der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte die Bank für Aufsehen gesorgt. In den ersten sechs Monaten verfünffachte sich die Vorsorge auf Schiffskredite auf rund eine Milliarde Euro. Da sich die Lage an den Schiffsmärkten weiter verschlechterte, musste die Bank dieser Entwicklung Tribut zollen.

Der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht

Wer wurde geprüft?

Die Aufseher in London haben 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie stehen zusammen für rund 70 Prozent der Bilanzsumme im europäischen Bankensektor. Ausgewählt wurden Institute, die die Finanzstabilität in Europa gefährden könnten, wenn sie ins Straucheln geraten. Aus Deutschland mussten sich neun Banken dem Stresstest stellen, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Wie wurde geprüft?

Die Aufseher nahmen eine ganze Reihe von Kennzahlen unter die Lupe und prüften, wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften. Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten. Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung.

Was wird veröffentlicht?

Die EBA bereitet für die Veröffentlichung umfangreiches Material vor. Zahlenkolonnen, Tabellen und Analysen sollen die Ergebnisse des Stresstests darstellen. Anders als bei vorangegangenen Prüfungen wird diesmal aber keine Bank durchfallen – diese Kategorie gibt es schlichtweg nicht. Auch zu einer möglichen Lücke beim Eigenkapital wird sich die EBA nicht konkret äußern.

Was soll der Stresstest dann überhaupt?

Nach Darstellung der EBA geht es vor allem darum, den verschiedenen Aufsichtsbehörden für den Sektor Datenmaterial zur Verfügung zu stellen, dass dann mit jeder einzelnen Bank durchgesprochen werden soll. Zudem lässt sich aus den Zahlen durchaus einiges über die Verfassung des jeweiligen Instituts ablesen. Gerade professionelle Anleger werden sich die Daten deshalb genau vorknöpfen.

Welche Banken werden besonders beäugt?

Im Fokus stehen zum einen italienische Institute. Sie sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite. Allein das Institut Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die älteste Bank der Welt und einer von fünf italienischen Stresstestteilnehmern, hat zweifelhafte Kreditforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe in den Büchern. Die Kurse von Bank-Aktien in Italien sind seit Jahresbeginn um mehr als die Hälfte gefallen, was die Institute weiter unter Druck setzt. Große Aufmerksamkeit ist aber auch der Deutschen Bank gewiss. Diverse Skandale, Probleme im Investmentbanking vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen sowie der aufwändige Konzernumbau belasten Deutschlands größte Bank. Wer den Aktienkurs verfolgt, bekommt den Eindruck, dass das Institut auf Anleger inzwischen geradezu abschreckend wirkt.

Warum kommt die Veröffentlichung an einem späten Freitagabend?

Die Aufseher vermeiden damit eine direkte Reaktion der Wertpapiermärkte. Um 22 Uhr sind die Börsen nicht nur in Europa geschlossen sondern auch in den USA, die für manche der getesteten Banken ein wichtiges Geschäftsfeld sind.

Und es wird nicht besser: Auch im vierten Quartal rechnet die Bank mit einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge, die sich dann auf insgesamt zwei Milliarden Euro belaufen dürfte. Die Kernkapitalquote verringerte sich Ende September 2016 im Vergleich zu Ende 2015 um 0,9 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent. Der Druck auf die Kernkapitalquote dürfte damit anhalten.

Spekulationen auf externe Hilfe gibt der scheidende Vorstandsvorsitzende Gunter Dunkel keinen Raum: „Die NordLB kann die Herausforderungen aus eigener Kraft meistern.“ Die Bank habe in den Vorjahren erhebliche Kapitalpolster aufgebaut und ein striktes Kostenmanagement aufgebaut. Auch nach der vollständigen Übernahme der Bremer Landesbank, die überdurchschnittlich viel zur Risikovorsorge beitrug, würden alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllt, betonte Dunkel. Risikovorstand Thomas Bürkle wird Dunkel Anfang 2017 an der Vorstandsspitze ablösen.

Zehn größte Banken Deutschlands (nach Bilanzsumme Ende 2015)

Platz 10

Postbank

Bilanzsumme: 149 Milliarden Euro

Platz 9

Helaba

Bilanzsumme: 172 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 182 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 224 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 234 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 314 Milliarden Euro

Platz 4

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: 498 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren.

Platz 3

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 503 Milliarden Euro

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 536 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.740 Milliarden Euro

Auch wenn die Bank, die mit einem Portfolio von knapp 18 Milliarden Euro zu den größten Schiffsfinanzierern in Deutschland zählt, in den kommenden Jahren mit einer höheren Risikovorsorge rechnet, sollen bereits 2017 wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Bis Ende 2016 soll das Schiffskreditportfolio auf 16 Milliarden Euro reduziert werden.

Die NordLB ist die einzige Landesbank, die tiefrote Zahlen schreibt. Die Landesbank Baden-Württemberg konnte ihr Vorsteuerergebnis in den ersten neun Monaten auf 260 Millionen Euro steigern, die BayernLB legte auf 589 Millionen Euro zu, bei der Landesbank Hessen-Thüringen ging der Gewinn auf 417 Millionen Euro zurück.

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24.11.2016, 12:12 Uhr

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