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17.01.2010

17:14 Uhr

Norisbank

Banker im Riester-Rausch

VonHans G. Nagl

Die Mitarbeiter der Deutsche-Bank-Tochter haben offenbar über viele Jahre Riester-Verträge verkauft, um ihr niedriges Grundgehalt aufzupeppen. ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Kunden. Nach anhaltenden Stornierungen hat die Deutsche Bank die Notbremse gezogen.

Norisbanker haben Gehalt mit Riester-Abschlüssen aufgebessert. dpa

Norisbanker haben Gehalt mit Riester-Abschlüssen aufgebessert.

HB FRANKFURT. Nach anhaltenden Stornierungen bei Riester-Abschlüssen der Tochter Norisbank hat die Deutsche Bank die Notbremse gezogen. Mehreren Insidern zufolge wurden die Produkte zum Teil wahllos an Kunden verkauft, weil damit die Mitarbeiter ihren Bonus in die Höhe treiben und die im Branchenvergleich schwache Bezahlung aufbessern konnten. Ein signifikanter Teil der Verträge aus den Jahren 2008 und zumindest phasenweise auch 2009 wurde allerdings bereits storniert. Eine neue Regelung im Tarifvertrag, die seit dem 1. Januar gilt, soll nun derartige Fehlanreize im Vergütungssystem verhindern.

"Man wurde in der Vergangenheit getrieben, Geschäft zu machen, das vielleicht gar keinen Sinn macht - außer in der eigenen Tasche", sagte ein Norisbank-Mitarbeiter. Dem Handelsblatt liegt eine Präsentation vor, in der das Management der Bank selbst einräumt, wegen der hohen Stornoquoten am Riester-Geschäft praktisch nichts zu verdienen. Für das Jahr 2008 ist dort von knapp 150 000 Euro Ertragsbelastung als Folge der Vertragsauflösungen die Rede. Zugleich werden die Stornoquoten - bezogen auf die zugrunde liegende Provisionssumme - dargelegt. Anfang 2009 wurde beispielsweise gar ein Spitzenwert von über 90 Prozent erreicht. Mehrere Insider sagten dem Handelsblatt, im Geschäftsabschluss 2008 habe die Norisbank wegen des Problems Anpassungen vorgenommen. "Man musste da die Bilanz aufmachen, weil mehr Riester storniert wurde, als es üblich ist", hieß es.

"Wir bauen auf nachhaltigen Erfolg!"

Aus geschäftlicher Sicht sind die Auswirkungen für die Norisbank unbedeutend. Für ein Institut, das aber verspricht, "Qualität zu dauerhaft attraktiven Preisen und Konditionen zu bieten", sind die Vorgänge womöglich eine Blamage. Zumal Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) regelmäßig die Branche auffordert, die Beratung von Kunden zu verbessern und mehr Transparenz walten zu lassen.

Die Norisbank erklärte auf Anfrage, ihre Stornoquote bei Riester-Verträgen liege im marktüblichen Durchschnitt. "Deshalb ist auch der Vorwurf beim Thema Bilanz/Rückstellungen völlig haltlos und falsch", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Zugleich räumte das Berliner Institut aber ein, ihr Gehaltssystem jüngst verändert zu haben und "dabei insbesondere die Kundenperspektive gestärkt" zu haben. Zum Schluss: "Wir bauen auf nachhaltigen Erfolg!"

Haustarifvertrag unter Branchenniveau

Tatsache ist, dass die Bank im Herbst offenbar selbst dringenden Handlungsbedarf sah - glaubt man einer Mitteilung der Deutschen Bankangestellten Gewerkschaft (DBV). "Seitens des Arbeitgebers wurde in die Verhandlungen eingebracht, dass es bei wenigen Mitarbeitern immer wieder zu außergewöhnlich hohen Stornoquoten kommt, die mit der bisherigen Systematik kaum zu verhindern sind", hieß es im November in einer DBV-Mitteilung zum Tarifabschluss.

Gewerkschaft und Norisbank hatten sich 2007 auf einen Haustarifvertrag geeinigt, der deutlich unterhalb des Niveaus im privaten Bankgewerbe liegt. In der untersten Vergütungsgruppe war dort ein jährliches Basisgehalt von knapp 25 000 Euro vorgesehen. Bei vollem Erreichen der Vertriebsziele kamen weitere 7 500 Euro hinzu. In der höchsten Vergütungsgruppe betrug die Bonus-Komponente sogar 15 000 Euro - bei maximal 38 000 Euro Jahresgrundgehalt.

"Vergütungsmodell passt nicht in die Zeit"

Im Zuge der jüngsten Tarifverhandlungen wurden diese Zahlen geringfügig angehoben. Zugleich wurde vereinbart, dass bereits bezahlte Prämien zurückgeholt werden können, falls ein Storno erfolgt. Bei Verdi stößt die Gehaltsstruktur weiter auf Widerstand. "Das ist alles andere als nachhaltig", sagte Wolfgang Hermann, Deutsche-Bank-Experte bei der Gewerkschaft dem Handelsblatt. "Wir glauben, dass ein solches Modell spätestens nach den Erfahrungen der Finanzkrise nicht mehr in die Zeit passt."

Die Nachhaltigkeit von Vergütungssystemen wird momentan hitzig debattiert. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), mahnte erst am Freitag eine Abkehr der Banken von hohen Bonuszahlungen an. Der Fall Norisbank zeigt, dass Fehlanreize in der Vergütung keineswegs nur im Investment-Banking eine Rolle spielen. "Alle reden von den Boni der Vorstände, aber wir brauchen gerade jetzt auch anständige Grundgehälter für eine faire Beratung im Massenkundengeschäft", fordert Verdi-Experte Hermann.

Für die Deutsche Bank haben die Vorgänge bei der Norisbank noch eine weitere Dimension. Deutschlands größtes Geldhaus kündigt seit Herbst 2008 an, ein neues Gehaltssystem zu präsentieren und kurzfristige Gewinnorientierung zu unterbinden. Während andere Häuser wie Credit Suisse oder auch die Commerzbank aber schon seit Monaten Ergebnisse vorgelegt haben, schweigt die Deutsche Bank zu Details. "Wir arbeiten laufend an der Fortentwicklung unseres Vergütungssystems", erklärte ein Sprecher lediglich. Dabei orientiere die Bank sich an den Grundprinzipien Leistungsorientierung, Nachhaltigkeit und den jüngst formulierten regulatorischen Anforderungen.

Kommentare (3)

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Melanie G.

18.01.2010, 15:00 Uhr

Schon wieder die nächste Sauerei. Wem kann man heute noch trauen? Niemanden.
Mit der Riesterente werden erneut viele Tausende beschissen.
Fazit: Geld behalten, sparen und sicher deponieren. Was der "Riester" (deren Vertreter-die banken) mal hat, sehen wir auch nicht wieder.
Auch da wird sich so mancher im Alter wundern, was er noch kriegt. Das Schneeballsystem geht weiter.

Andreas P.

20.01.2010, 12:09 Uhr

ich habe in einer bank gearbeitet. Leider gibt es überall besonders schwarze Schafe, aber gleich wieder alle über einen Kamm schären? ich glaube das ist unangebracht. Und die gleiche Meinung besteht zu Riester: Es kann ein richtig gutes Produkt sein, aber nicht für jeden.

Alex

29.06.2010, 22:33 Uhr

ich bin Vermietler von Sutor bank und der Mitarbeiter von Norisbank hat gesagt zu meinen Kunden, das der Sutor bank, war schon einmall Pleide(LUGE) und der Norisbank in der Riester bereich super und sicher ist das doch
SCHWEiNEREi nichts mehr

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