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16.01.2008

18:43 Uhr

„Northern Rock“

Vorsicht, Steinschlag!

VonMichael Maisch

Das Schicksal der Krisenbank „Northern Rock“ trifft England ins Mark. Denn wie kaum ein anderes Geldhaus gilt es als Bank der kleinen Leute. Jetzt kämpft die gebeutelte Labour-Regierung um die Rettung des Instituts.

Angestellte von Northern rock demonstrieren für ihre Arbeitsplätze. Foto: Reuters

Angestellte von Northern rock demonstrieren für ihre Arbeitsplätze. Foto: Reuters

LONDON. Als wäre alles nicht schon schlimm genug, nieselt es auch noch aus einem bleigrauen Himmel auf die etwa 30 unentwegten Demonstranten herab. „Rock solid“, „felsenfest“ steht auf den T-Shirts, die die Angestellten der britischen Krisenbank Northern Rock an diesem ungemütlichen Morgen übergestreift haben. Es ist der Morgen der Hauptversammlung der Bank, die im September in den Sog der großen Kreditkrise geriet und die nur noch lebt, weil die Regierung sie an den Kredittropf gehängt hat.

Das größte Problem der tapferen Demonstranten ist, dass der Slogan, mit dem sie um ihre Arbeitsplätze kämpfen, schon lange nicht mehr stimmt. „The Rock“, wie ihr Institut hier genannt wird, steht nicht mehr felsenfest. Längst ist der fünftgrößte Baufinanzierer des Landes zum Symbol für die gefühlte Wirtschaftskrise geworden, die Großbritannien in den vergangenen Monaten erfasst hat. Und längst geht es nicht mehr nur um Ökonomie, sondern auch um die ganz große Politik.

Wie kaum ein anderes Geldhaus gilt „the Rock“ als die Bank der kleinen Leute. Am Stammsitz in Newcastle ist das Institut einer der größten Arbeitgeber und Sponsor für Kultur und Sport. Als die Bank im Spätsommer in Finanznot geriet, rief die lokale Zeitung eine Rettungskampagne ins Leben und traf damit den Nerv der Region.

Wie ein Mühlstein hängt das Schicksal von Northern Rock nun am Hals der ohnehin von einer Pannenserie geplagten Labour-Regierung. Seit Monaten taumeln Premierminister Gordon Brown und sein Finanzminister Alistair Darling von einem Umfragetief zum nächsten. Zur Panik der Sparer wegen Northern Rock und der Angst vor einer Wirtschaftskrise kam der Verlust der persönlichen Daten von 25 Millionen Haushalten und zuletzt ein Spendenskandal. Die endgültige Pleite von Northern Rock wäre für Labour hier im nordenglischen Stammrevier der Partei eine politische Katastrophe.

Drinnen, im bunkerartigen Bau der Metro Radio Arena von Newcastle, beschwört Bryan Sanderson, der neue Chairman von Northern Rock, die Zukunft der Bank. „Wir können die Geschichte nicht zurückdrehen, aber wir können die Signale in Richtung Erholung stellen,“ sagt er.

Sandersons Worte sollen Zuversicht verbreiten. Aber er ist auch Realist. Seinen Job beschreibt der erfahrene Banker als „Gang durch ein Minenfeld, auf das von zwei verfeindeten Parteien ein Hagel von Geschossen niedergeht“. Bei den „Parteien“ handelt es sich um zwei Hedge-Fonds, die neuen Großaktionäre von Northern Rock, und um die Regierung, die verbissen darum ringen, dass die Bank überlebt.

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