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27.01.2010

18:27 Uhr

Notbremse

Chinas Großbanken stoppen Kreditvergabe

VonAndreas Hoffbauer

Chinas Großbanken haben ihre Kreditvergabe vorläufig gestoppt und rufen angeblich sogar bereits ausgegebene Darlehen wieder zurück. Damit setzen die Institute ungewöhnlich schnell die strengen Vorgaben aus Peking um. Anleger reagieren nervös.

Die ICBC gibt bis Monatsende keine Kredite mehr aus. Quelle: dpa

Die ICBC gibt bis Monatsende keine Kredite mehr aus.

PEKING. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat ihre Filialen in Peking angewiesen, bis Monatsende keine weiteren Kredite mehr zu erteilen. Zudem erklärte die Bank, man werde einige Darlehen nicht verlängern. In China werden Kredite meist nur für eine relativ kurze Periode - etwa sechs Monate - bewilligt, werden dann aber stets verlängert.

Nach Angaben von Credit Suisse haben sechs chinesische Großbanken bestätigt, die Vergabe neuer Kredite seit Anfang vergangener Woche landesweit auf Eis gelegt zu haben. Damit reagieren die Kreditinstitute diesmal ungewöhnlich rasch auf die Forderung der Bankenaufsicht. Die hatte angeordnet, das Kreditvolumen einzudämmen.

Solche Vorgaben erfolgen in China jedoch meist nicht öffentlich durch Bekanntmachung, sondern werden den Vorständen "mündlich und als Wunsch" mitgeteilt, so ein Banker. Dong Tao, Analyst von Credit Suisse, erwartet sogar eine weitere Straffung der Kreditvergabe durch Peking. Statt quartalsweiser Quoten, die 2008 eingeführt wurden, wäre man künftig nicht über monatliche Kreditquoten überrascht. "Diese neue Runde einer quantitativen Straffung ist offenbar ernster, als wir zunächst dachten", schreibt Tao in seiner Studie. Peking sei geschockt über Chinas hohe Kreditvergabe.

Tatsächlich haben die bisherigen Bemühungen, die Kreditvergabe zu dämpfen, wenig bewirkt. Nachdem bis 20. Januar chinesische Banken erneut 1,45 Billionen Yuan (umgerechnet 151 Mrd. Euro) an Krediten ausgegeben haben sollen, zog die Zentralbank offenbar die Notbremse. Der Chef der Pekinger Bankenaufsicht, Liu Mingkang, kündigte bei einer Konferenz in Hongkong an, die Neuvergabe von Krediten solle dieses Jahr auf 7,5 Billionen Yuan (781 Mrd. Euro) begrenzt werden.

Absturz der Wirtschaft verhindert

Im vergangenen Jahr war ein Rekordkreditvolumen von 9,59 Billionen Yuan (999 Mrd. Euro) erreicht worden - fast doppelt so viel wie 2008. Peking hatte vor einem Jahr aber die Beschränkungen aufgehoben, um mit einer lockeren Geldausgabe das chinesische Konjunkturprogramm zu finanzieren. Das hat den Absturz der drittgrößten Volkswirtschaft in der Krise verhindert. Inzwischen fürchtet die chinesische Regierung aber eine Überhitzung der Konjunktur und sieht angesichts der Erhöhung der Geldmenge Inflationsgefahren.

Anfang Januar wurden darum die Mindestreserve-Anforderungen für Banken erstmals seit Mitte 2008 angehoben, um Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Die Maßnahmen, durch die den Banken letztlich weniger Geld für die Kreditvergabe verbleiben, wurden jetzt wirksam. Die Bank of China kündigte darauf eine Kapitalerhöhung an. Die Bank will zunächst über eine Wandelanleihe knapp sechs Mrd. Dollar an der Börse Hongkong einsammeln. Zudem sollen laut Insiderkreisen neue Aktien im Wert von 15 Mrd. Dollar ausgegeben werden, um die Kapitalvorschriften zu erfüllen.

Kommentare (2)

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JJ

27.01.2010, 20:26 Uhr

Die Überschrift ist schlecht gewählt. Muss heissen: "Wegen Überhitzung der Wirtschaft droht inflationsangst", Geschäfte und Vertrauen in China wieder in vollem Umfang vorhanden.

CrisisMaven

27.01.2010, 21:23 Uhr

China reisst alles in den Abgrund ... eine Sowjetunion 1989 nur ohne Rohstoffe und mit mehrfacher bevoelkerung und ueberhitztem Aktien- und immobiliemarkt!!!
http://crisismaven.wordpress.com/2010/01/23/whats-wrong-with-economics/

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