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31.10.2015

10:13 Uhr

Notenbanken an der Börse

Warum Athen Zürich auf dem Parkett schlägt

Griechische Banken stehen nicht gerade im Ruf, besonders solide Geldanlage zu sein. Eher müssen sie gerettet werden. Ganz anders die griechische Zentralbank. Bei ihren Aktien greifen die Anleger gerne zu.

Altersvorsorge mit griechischen Aktien? Durchaus möglich. Vorausgesetzt, es sind die Aktien der Zentralbank. IMAGO

Solide Geldanlage

Altersvorsorge mit griechischen Aktien? Durchaus möglich. Vorausgesetzt, es sind die Aktien der Zentralbank.

Wenn in diesen Tagen das Thema griechische Banken aufkommt, geht es in der Regel um zu dünne Kapitaldecken und Rettungsgelder, nicht um Börsenerfolge. Anders sieht es bei der griechischen Zentralbank aus: Mit einem Kursgewinn von 6,6 Prozent seit Beginn des Jahres konnte sich die griechische Notenbank dem Trend am Aktienmarkt entziehen, der fast 19 Mrd. Dollar an Wert einbüßte.

„Glauben Sie es oder nicht, die Bank of Greece ist eine der solidesten und zuverlässigsten Aktien an der griechischen Börse”, sagt Stavros Kallinos, Chef-Vermögensverwalter bei Guardian Trust in Athen. „Die Krisenphase mal ausgenommen, war Bank of Greece schon immer ein sicherer Weg an den griechischen Aktienmarkt. Es gibt nicht viele Aktien an der Börse Athen mit solch einer hohen Dividendenrendite. Die Anleger sind vor allem langfristig orientierte griechische Staatsbürger.”

Die Zentralbank kommt auf einen Wert von etwa 194 Millionen Euro und hat rund 19.000 Aktionäre. Der Staat kontrolliert etwa 8,9 Prozent der Anteilsscheine. Sie gehört zu einer Handvoll Notenbanken, die an den globalen Börsen gehandelt werden. Und sie schlägt sich besser als die anderen aus der Schweiz, Japan und Belgien – und das, obwohl der Athener Leitindex ASE in diesem Jahr um zwölf Prozent eingebrochen ist.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Die Aktien der griechischen Notenbank hingegen haben sich seit August um 28 Prozent erholt. In dem Monat hatten die Anteile auf dem niedrigsten Kurs seit 1992 notiert, nachdem der Markt nach einer fünfwöchigen Schließung wieder eröffnet hatte. Damit schlugen die Zentralbank-Anteile die Börse Athen, die um 8,9 Prozent zulegte.

Nachdem das Vertrauen in das Land allmählich wieder zurückkehrt, sind die Einlagen bei den Finanzhäusern den zweiten Monat in Folge gestiegen. Außerdem wird kommende Woche das Ergebnis des Banken-Stresstests einen geringeren Kapitalbedarf als erwartet aufzeigen, sagte ein Vertreter der griechischen Notenbank, der anonym bleiben wollte.

Die Titel der griechischen Zentralbank, die 1927 gegründet und drei Jahre später an der Börse Athen notiert wurde, haben von ihrem Hoch im Jahr 2006 aus 90 Prozent verloren. Trotzdem ist ihre Dividendenrendite mit 6,9 Prozent etwa drei Mal so hoch wie beim ASE. Das ist beinahe so hoch wie die Rendite zweijähriger Staatsanleihen des Landes. Der Spread zwischen ihnen hat sich seit dem Sommer angenähert, als Spekulationen um einen Austritt des Landes aus dem Euroraum verstummten.

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