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09.02.2012

12:48 Uhr

Nullgewinn möglich

Bund könnte bei Commerzbank wieder leer ausgehen

VonYasmin Osman, Frank Matthias Drost

Die Griechenland-Krise und eine Abschlagszahlung vom Sommer machen für die Commerzbank einen Gewinn nach unwahrscheinlich. Der Bund muss deshalb vermutlich auch für 2011 auf Zinsen für seine stillen Einlagen verzichten.

Foyer des Commerzbank-Turms in Frankfurt. dapd

Foyer des Commerzbank-Turms in Frankfurt.

Frankfurt, BerlinDer Betrag rettet nicht den Bundesetat, aber er ist symbolisch bedeutsam. Eigentlich müsste die Commerzbank dem Staat für ihre Staatshilfen für das vergangene Jahr 170 Millionen Euro zahlen. Doch daraus wird vermutlich wieder nichts. Das Institut wird die stille Einlage des Bundes wohl auch in diesem Jahr nicht verzinsen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Bank nach den Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) einen Gewinn ausweisen werde, hieß es übereinstimmend in Berlin und in Finanzkreisen. Man stelle sich darauf ein, dass die Bank deshalb ihre stille Einlage erneut nicht bedienen werde, hieß es weiter. Das Institut, das am 23. Februar seine endgültigen Zahlen vorlegt, wollte sich zu dem Thema gestern nicht äußern.

Die Bank hatte den Großteil ihrer stillen Einlagen zwar im vergangenen Sommer abgelöst, doch 1,9 Milliarden Euro stehen noch immer in ihrer Bilanz. Auf die hätte sie eigentlich neun Prozent Zinsen zahlen müssen. „Ich gehe davon aus, dass die Bank nach dem deutschen Handelsgesetzbuch einen Verlust ausweisen wird und die Zinsen auf die verbliebenen stillen Einlagen des Bundes nicht zahlen wird“, sagt deshalb Dieter Hein, Bankanalyst bei Fairesearch.

Auf den ersten Blick wirkt es überraschend, dass die Bank ihre Staatshilfen erneut nicht verzinsen kann. Schließlich verkündete die Bank erst vor drei Wochen, sie habe 2011 – nach internationalem Bilanzrecht – nach vorläufigen Zahlen 1,6 Milliarden Euro verdient. Doch Maßstab für die Zinszahlungen ist nicht das Ergebnis nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS, sondern sind die Regeln des deutschen HGB. Nur bei einem HGB-Gewinn muss die Bank Zinsen zahlen.

Damit dürfte es erneut zu der kuriosen Konstellation kommen, dass die Bank nach den internationalen Bilanzregeln IFRS zwar schwarze Zahlen schreibt, doch wegen eines negativen HGB-Abschlusses keine Zinsen zahlt. Denn einige wichtige Belastungsfaktoren sind in diesen Zahlen noch gar nicht berücksichtigt. „Ein Punkt ist die Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro, die die Bank dem Staat zahlen musste, weil sie im Sommer frühzeitig einen großen Teil der Staatshilfen zurückführte“, erklärt Bankanalyst Hein.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Für die Bilanzierung dieser Abschlagszahlung gelten im internationalen und im deutschen Bilanzrecht aber unterschiedliche Vorschriften: Während diese Strafzahlung im internationalen Abschluss keine Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung hinterlässt, wird sie im HGB-Abschluss sehr wohl als Verlust verbucht. Aus diesem Grund hatte Finanzchef Eric Strutz gegenüber Analysten bereits bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal angedeutet, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass die Bank nach HGB schwarze Zahlen schreibt.

Kommentare (8)

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Thomas-Melber-Stuttgart

09.02.2012, 13:05 Uhr

Ist doch ein gutes Geschäft, oder? Fragt sich bloß für wen.

Account gelöscht!

09.02.2012, 13:19 Uhr

Mir ists wurscht was "Der Bund" bekommt.... so lange die Aktie weiter steigt, solls mir Recht sein. Von diesem Staat hab ich eh nix.

pendler

09.02.2012, 13:26 Uhr

laßt sie doch pleite gehen

warum 50 Mrd. (25% Anteil) für eine Bank ausgeben, die nur 25 mrd. € Aktienwert hat??

Komische Buchhaltung

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