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28.04.2011

17:42 Uhr

Nyse Euronext

„Duncan, die Deutschen werden Dich feuern“

Duncan Niederauer hat keinen leichten Stand. Dem Chef des US-Börsenbetreibers Nyse Euronext schlagen auf der Hauptversammlung Skepsis und Angst entgegen. Viele Aktionäre lehnen die Offerte der Deutschen Börse ab.

Nyse-Chef Duncan Niederauer hat bei seinen Aktionären keinen leichten Stand. Quelle: Reuters

Nyse-Chef Duncan Niederauer hat bei seinen Aktionären keinen leichten Stand.

London/Frankfurt

Duncan Niederauer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Der sonst so souveräne Chef der New York Stock Exchange weiß nicht mehr, was er sagen soll. "Wir wissen, die Deutschen werden ihr Wort nicht halten", krakeelt eine alte Dame durch den Raum, in dem die Hauptversammlung des traditionsreichen Börsenbetreibers tagt. Sie sei Holocaust-Überlebende, sagt sie, und erzählt von ihren schrecklichen Kriegserlebnissen im von den Nazis besetzten Europa. "Duncan, sie werden Dich feuern." Es sind teils heftige emotionale Ausbrüche, die das Aktionärstreffen der NYSE Euronext am Donnerstag in New York begleiten. Viele Anteilseigner haben die Sorge, in dem fusionieren Riesenunternehmen mit der Deutschen Börse unterzugehen.

Die New Yorker Börse Nyse hat dennoch bei ihren Aktionären eindringlich für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse zum weltgrößten Wertpapier-Handelsplatz geworben. "Wir hätten keinen besseren Partner finden können", sagte Nyse-Chef Duncan Niederauer. Mit Hilfe des Dax-Konzerns werde der Betreiber der Wall Street sein Geschäft auf eine breitere Basis stellen. "Das wird die Zukunft sein", sagte Niederauer.

Die beiden Marktbetreiber hatten sich im Februar auf einen Zusammenschluss geeinigt, bei dem die Nyse von der Deutschen Börse mit 10,5 Milliarden Dollar bewertet wird. Die US-Rivalen Nasdaq und ICE boten daraufhin 11,2 Milliarden Dollar für die Nyse. Dieses Gebot wies der New Yorker Konzern zwar umgehend zurück und lehnte Gespräche mit den US-Unternehmen ab. Letztlich müssen aber am 7. Juli die Nyse-Aktionäre über den Zusammenschluss entscheiden.

Die NYSE-Chefs stoßen allerdings im Saal auf Misstrauen, Ängste und gekränkten US-Nationalstolz. Ein Aktionär zeigte sich verunsichert, weil das neue Unternehmen in den Niederlanden angesiedelt wird. Ein anderer Aktionärsvertreter fühlt sich zu billig abgespeist und spricht den Mitgliedern des Verwaltungsrats sein Misstrauen aus. "Ich glaube nicht, dass diese Direktoren das Richtige getan haben."

Am Donnerstag stand die Unternehmensspitze der Nyse zur Wahl. Die aufgestellten Manager erhielten von den Investoren mit 80 Prozent der abgegebenen Stimmen Rückhalt. Allerdings wurde auch beschlossen, dass Aktionäre, die zehn Prozent der Stimmrechte vertreten, das Recht auf Einberufung eines außerordentlichen Aktionärstreffen haben - ein Schritt, mit dem das Management etwas Macht verliert. Die Deutsche Börse zeigte sich in einem knappen Statement zur Nyse-Hauptversammlung weiter zuversichtlich, was den Zusammenschluss angeht: "Wir bleiben auf Kurs", teilte der Konzern mit. Die Transaktion solle bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

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