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16.04.2014

10:55 Uhr

Die Zentrale der Raiffeisenbank (l.) im Nebel der Bankenmetropole Frankfurt: Die Landeszweigstelle in Oberösterreich sorgt für Aufsehen. dpa

Die Zentrale der Raiffeisenbank (l.) im Nebel der Bankenmetropole Frankfurt: Die Landeszweigstelle in Oberösterreich sorgt für Aufsehen.

Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) hat 2013 dank einer Halbierung der Rückstellungen für faule Kredite mehr verdient. Der Betriebsgewinn legte um 2,8 Prozent auf 422,6 Millionen Euro zu, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Die Risikovorsorgen schrumpften im vergangenen Jahr auf 145,9 Millionen Euro, nachdem sie sich im Jahr zuvor auf 294,7 Millionen Euro mehr als verdreifacht hatten.
Die RLB OÖ gehört zu den sechs österreichischen Instituten, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) hinsichtlich ihres Eigenkapitalpolsters unter die Lupe genommen werden. Die Kernkapitalquote des Konzerns nach Basel II stieg im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 9,8 Prozent. Nach Basel III werde sich die Kernkapitalquote verbessern, teilte die RLB OÖ ohne konkrete Angaben mit. Die RLB OÖ ist der drittgrößte Aktionär der Raiffeisen Zentralbank, der Mutterkonzern der Raiffeisen Bank International. Die RLB OÖ selbst ist im Besitz der regionalen Raiffeisenbanken.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Für Aufsehen sorgte das Linzer Geldhaus kürzlich damit, eine Übersiedelung des Konzernsitzes nach Deutschland zu prüfen. "Es wäre betriebswirtschaftlich fahrlässig, wenn ich eine Verlegung nicht für eine Option hielte", sagte Bankchef Heinrich Schaller. Die RLB OÖ ist nicht die einzige Bank der Alpenrepublik, die mit einer Verlegung des Sitzes ins Ausland liebäugelt. Die Erste Group etwa erwägt eine Verlegung von Wien nach Prag. Kritik üben die Institute vor allem an den gestiegenen Steuern in Österreich. Für die RLB OÖ werde sich die Bankenabgabe von 17,9 Millionen Euro im Jahr 2013 auf künftig rund 34 Millionen Euro erhöhen.

Die Bankenabgabe war 2011 in Österreich eingeführt worden, um auch die Geldinstitute nach der Finanzkrise in die Pflicht zu nehmen. Künftig könnte den Instituten jedoch die Einzahlung in zwei verschiedene Abgabentöpfe drohen. Im Zuge der geplanten Bankenunion sollen nämlich europäische Finanzinstitute künftig auch Gebühren in einen Abwicklungsfonds einzahlen, der dann den Abbau kriselnder Banken finanziert.

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