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22.11.2011

20:47 Uhr

„Occupy“ auf dem Podium

Ackermann und die Maskenmänner

In seiner Rede vor der Hamburger Handelskammer musste Ackermann sich den Vorwürfen von „Occupy“-Anhängern stellen. Der Deutsche-Bank-Chef lud die verkleideten Demonstranten sogar selber zu sich aufs Podium ein.

Ein Occupy-Aktivist mit einer Guy-Fawkes-Maske unterbricht Josef Ackermann, während dessen Rede. dpa

Ein Occupy-Aktivist mit einer Guy-Fawkes-Maske unterbricht Josef Ackermann, während dessen Rede.

HamburgAktivisten der bankenkritischen Occupy-Bewegung haben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann persönlich für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Mehrere Demonstranten unterbrachen am Dienstag in Hamburg eine Rede Ackermanns zur Verantwortung globaler Unternehmen mit Sprechchören und Pfiffen. Eine Occupy-Vertreterin sagte, die „irrwitzigen Renditevorgaben“ der Banken seien Hauptgrund für die Finanzkrise. Ackermann selbst habe diese Vorgaben für die Deutsche Bank vorangetrieben.

Der Deutsche-Bank-Chef entgegnete, er habe es immer als seine Aufgabe empfunden, dass Deutschland zumindest eine Bank habe, die im internationalen Wettbewerb bestehen könne. „Das wäre uns wahrscheinlich nicht gelungen, wenn wir uns Ihren Vorstellungen angeschlossen hätten.“

Ackermann hatte die teils mit Theatermasken verkleideten Demonstranten zuvor aufs Podium gebeten und aufgefordert, Fragen zu stellen. Er lehnte es jedoch ab, ihnen Raum für eine vorbereitete Erklärung zu geben. „Etwas hinter einer Maske vorzulesen, finde ich feige.“ Darauf gaben die Demonstranten die Blockade des Podiums auf und setzten sich ins Publikum. Von dort stellten einige von ihnen dann Fragen. Die Occupy-Sprecherin warf der Deutschen Bank vor, sie spekuliere ohne Rücksicht auf Hunger, Umwelt und die Stabilität der Finanzmärkte. Die Bank fördere „Investitionen in Waffen, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen und vereitelt eine wirkliche Lösung der Finanzkrise“.

Das wies Ackermann entschieden zurück. Der Deutsche-Bank-Chef hatte bereits vor einigen Wochen auf Kritik der Verbraucherorganisation Foodwatch reagiert und angekündigt zu prüfen, ob Handelsgeschäfte seines Hauses die Preise für Nahrungsmittel auf Kosten der Ärmsten in der Welt nach oben treiben. Bei ausreichenden Belegen würden Konsequenzen gezogen. In den vergangenen Monaten boomten Geschäfte mit Agrarrohstoffen. Die Bank will künftig auch keine Unternehmen mehr finanzieren, die Streubomben herstellen.

Zugleich ging Ackermann mit dem Investmentbanking - dem traditionellen Hauptgewinnbringer seines Hauses - hart ins Gericht. Nicht jedes Finanzprodukt aus den Jahren vor der Krise habe Nutzen gestiftet, räumte der Schweizer bei der „Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg“ am Dienstagabend ein. „Manches Produkt ist denn auch zu Recht vom Markt verschwunden.“ Richtig sei aber auch, dass die allermeisten Dienstleistungen des Investmentbanking der Welt viel Nutzen brächten, betonte der einstige Investmentbanker.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

22.11.2011, 22:02 Uhr

Ackermann hat immer Rendite, Rendite , Rendite gefordert.
Sein Vorgänger wollte sogar die lästigen Privatkunden loswerden. Wie vielen anderen gierigen Bankern hat Herr Ackermann wohl als Vorbild gedient. Seine peinlichen Hinweise, das er Investmentbanker beschäftigt die wesentlich mehr verdien sagt alles. Der Staat muß eingreifen. Diese Fehlentwicklungen wird der Markt nie korrigieren.

Mogelpackung-Eigenkapitalrendite

22.11.2011, 22:05 Uhr

Im Grunde kann der Blender Ackermann den Maskenmännern für deren Vorwürfe sogar dankbar sein. Steckt doch in deren Vorwürfen die
Unterstellung einer profitablen Bank. Tatsächlich ist die Eigenkapitalrendite der Dt.Bank jedoch kein Ausweis rentierlicher Geldanlage, sondern ein Ausweis eines verschwindend geringen Eigenkapitals. So weist die Q3 Bilanz der Bank eine Verschuldung von 2229 Mrd. Euro aus. Dieser gewaltige Spieleinsatz auf Pump wird ergänzt durch ein Eigenkapital, das gerade einmal 2,5% der Schulden entspricht. Der Ertrag aus dem Gesamteinsatz betröägt bei der Schwachleisterbank nicht einmal 0,5% im Jahr. Frecherweise bezieht Ackermann den Ertrag nicht auf den billionenschweren Spieleinsatz, sondern auf das enthaltene Körnchen Eigenkapital.
Fertig ist die hohe Eigenkapitalrendite. Sie ist hoch, weil das Eigenkapital gering ist - und nicht weil die Gewinne hoch sind.
Seine "Kritiker" lügen Ackermann also in die Tasche, wenn sie dem
Blender hohe Renditen vorhalten ....

Account gelöscht!

22.11.2011, 22:33 Uhr

Folgende Fragen hätte ich ihm gestellt:

- Warum dürfen Staaten (Griechenland) oder Banken (Commerzbank) nicht mehr Bankrott anmelden?

- Warum dürfen wir im Alltag nicht auf den Tod einer Person wetten aber in den Finanzmärkten ist der Wetteinsatz auf den Niedergang (bis hin zum default) eines Staates oder von Gesellschaften möglich?

- Was passiert denn, wenn ein CDS-Kontrakt aktiv wird und der insgesamt zu zahlende (nach Aufrechnung aller Wetten und Einsätze) Betrag nicht existent ist?

- Wo können wir solche Vorgänge nachschauen? (Immerhin betreffen uns die Auswirkungen dieser Spiele direkt und indirekt und zwar in der REALITÄT, wir als Gemeinschaft wollen wissen was vor sich geht!)

Mir wird eins immer klarer, es ist egal woher sie alle kommen mögen, wenn Politiker heutzutage aus Bankkreisen kommen, können wir davon ausgehen, dass sie einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind. Egal ob links oder rechts, alle labern sie dieses Neusprechdeutsch über wirtschaftliche Notwendigkeiten eines sanften "Haircuts" des Scrotums. Was für ein Affenzirkus...

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