Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

15:01 Uhr

Österreich

Investor erlangt Sperrminorität an Hypo Alpe Adria

VonOliver Stock

Der deutsche Vermögensverwalter Tilo Berlin übernimmt eine Sperrminorität an der krisengeschüttelten österreichischen Bank Hypo Gruppe Alpe Adria. Damit verliert das Land Kärnten massiv Anteile an einer der größten Bankengruppen Österreichs - und damit an politischem Einfluss.

Hauptquartier der Hypo Group Alpe Adria in Klagenfurt. Foto: PR

Hauptquartier der Hypo Group Alpe Adria in Klagenfurt. Foto: PR

HB KLAGENFURT. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen hat Berlin rund 650 Mill. Euro eingesammelt und kauft damit einen Anteil von mehr als 25 Prozent an der Klagenfurter Bank. Weder die Bank noch Berlin & Co, deren Vorstandsvorsitzender der Familiy-Office-Manager Tilo Berlin ist, wollen den Vorgang kommentieren. Sie verweisen auf laufende Gespräche.

Berlin & Co ist ein in Frankfurt ansässiger Vermögensverwalter, der sich auf die Betreuung sehr wohlhabender Familien spezialisiert hat. Er wird unterstützt vom Finanzinvestor Kingsbridge, der beispielsweise bei Märklin als Sanierer aufgetreten ist. Hinter Kingsbridge steht die Wiener Hardt Gruppe.

Die Hypo Gruppe Alpe Adria ist unter ihrem derzeitigen Aufsichtsratspräsidenten Wolfgang Kulterer zu einer der größten Bankengruppen Österreichs mit mehr als 6 000 Mitarbeitern aufgestiegen. Größter Anteilseigner ist bislang das vom Rechtspopulisten Jörg Haider regierte Land Kärnten. Die Bank profitiert insbesondere von ihrem Engagement in Südosteuropa. 2006 hat sie einen Gewinn nach Steuern von 200 Mill. Euro erzielt.Die Bankengruppe hat allerdings in jüngster Zeit auch für einen handfesten Skandal gesorgt, als sie bei Swap-Geschäften 328 Mill. Euro verlor und anschließend versuchte, diesen Verlust in der Bilanz zu verschleiern. Kulterer musste als Chef der Bankengruppe zurücktreten und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt ermittelt noch gegen ihn.

Der Millionenverlust, der das Ergebnis für 2006 belastet hat, führte dazu, dass die Bank derzeit dabei ist, ihr Eigenkapital durch eine Kapitalerhöhung in zwei Tranchen von insgesamt 250 Mill. Euro zu verstärken. Vermögensverwalter Berlin hat bei der ersten Tranche bereits 4,5 Prozent an der Kärntner Bankengruppe erworben und sich dabei gegen US-Finanzinvestoren durchgesetzt. Auch bei der zweiten Tranche ist er Finanzkreisen zufolge dabei.

Darüber hinaus hat er sich nach Handelsblatt-Informationen mit dem zweitgrößten Aktionär der Bankengruppe, dem Versicherer Grazer Wechselseitige, darauf geeinigt, auch einen Teil aus deren Aktienbesitz zu übernehmen, so dass er am Ende einen Anteil von mehr als 25 Prozent halten wird. Der Anteil des Landes und damit der politische Einfluss, dem die Bank ausgesetzt ist, wird voraussichtlich auf unter 45 Prozent sinken. Kommt es dann innerhalb der nächsten drei Jahre zum bereits geplanten Börsengang, dürfte Berlin die Gelegenheit zum Ausstieg nutzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×