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25.11.2011

12:44 Uhr

Österreich

ÖVAG bangt um geforderte Kapitalausstattung

Schlechte Nachrichten aus Österreich: Die Volksbanken können wohl die strengeren Eigenkapitalquoten nicht erfüllen. Bei der ÖVAG klafft eine Lücke von rund einer Milliarden Euro - und die Bank schreibt weiter Verluste.

Der ÖVAG fehlt rund eine Milliarde Euro. Reuters

Der ÖVAG fehlt rund eine Milliarde Euro.

WienDie Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) ist angesichts steigender Verluste weit von den geforderten Kapitalquoten der EU-Bankenaufsicht entfernt. Die mitten im Umbau zum reinen Spitzeninstitut für die Volksbanken des Landes steckende ÖVAG hofft noch auf Nachsicht der Aufseher. Sollte die Aufsichtsbehörde EBA dennoch bis Juni 2012 auf die geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent beharren, „wird das eine Herausforderung darstellen“, räumte die Bank am Freitag ein. Nach den Maßstäben der EBA - also bei einer Bewertung aller Staatsanleihen zu Marktwerten - liege die Quote derzeit nur bei 5,5 Prozent.

Die Bank arbeite vorsichtshalber daran, die mit Eigenkapital unterlegten Forderungen „möglichst rasch zu reduzieren“. Zudem führe die ÖVAG „intensive Gespräche mit den Kernaktionären über kapitalstärkende Maßnahmen“, um den Konzernumbau zu finanzieren. Bisher hatte sie sich vorgenommen, die Kapitallücke über Beteiligungsverkäufe und den Umbau zu schließen.

Die Aufseher hatten Ende Oktober eine Kapitallücke von 972 Millionen Euro für die ÖVAG festgestellt, sie dürfte aber durch die Verluste im dritten Quartal sich noch ausgeweitet haben. In den ersten neun Monaten schrieb das Institut 689 Millionen Euro Verlust, ein Jahr zuvor stand noch eine schwarze Null zu Buche. Grund dafür seien unter anderem Abschreibungen auf die Tochter in Rumänien, Verluste mit griechischen und anderen Staatspapieren und mit Kreditausfallversicherungen (CDS). Bis zum Jahresende werde sich der Verlust noch ausweiten, kündigte die ÖVAG an. Das vor sechs Wochen für den Konzern in Aussicht gestellte Minus von bis zu 750 Millionen Euro werde mindestens um zehn Prozent höher ausfallen, im Einzelabschluss werde er an die Milliardenschwelle heranreichen.

Geld in die Kasse spülen soll der Verkauf der Osteuropa-Tochter Volksbank International an die russische Sberbank. Er sollte eigentlich 585 Millionen Euro bringen, nach einem Bericht der Zeitung „Der Standard“ wollen die Russen wegen der unerwartet schlechten Entwicklung in Ungarn nun aber maximal 500 Millionen Euro zahlen. In Ungarn brockt ein neues Gesetz den Banken Verluste ein, die Kredite in Fremdwährungen an ungarische Kunden vergeben haben. Sie dürfen zu einem schlechteren Kurs getilgt werden. Der Zeitung zufolge wird sich ein Abschluss der Transaktion, der für Ende 2011 oder Anfang 2012 geplant war, hinziehen: Dem Verkauf müssten insgesamt acht Nationalbanken zustimmen.

Der Verkauf der VBI ist für die Bankengruppe ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer Verkleinerung. Sie will damit ihre Risikoaktiva verringern und ihre niedrige Kapitalquote steigern, um die Vorschriften der Aufseher und Regulierer besser erfüllen zu können.

Die ÖVAG hält noch 51 Prozent an der VBI, die restlichen 49 Prozent gehören den deutschen Genossenschaftsbanken DZ und WGZ sowie der französische Banque Populaire Caisse d'Epargne.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Regnilk

25.11.2011, 18:21 Uhr

Erinnert man sich an die grössenwahnsinnig anmutenden Werbeeinschaltungen der österr.Volksbanken-Gruppen verwundert es wahrlich nicht, dass der Karren so schief läuft und nun das grosse Zittern verstärkt wurde!!!!! (Dies beobachte ich als kritischer Österreicher, dem auch die Säumigkeit der Bundesregierung unter Kanzler Faymann hinsichtlich Schuldenbremse allmählich auf die Nerven geht...

MikeoS

29.11.2011, 08:50 Uhr

Hier in Deutschland konterfeit, plakatiert der ehemalige Nachrichtensprecher Ulrich Wickert die Räume der Volksbanken. Ist damit vor den Karren der Volksbanken und Raiffeisenbanken gespannt und redet von längst vergangenen genossenschaftlichen "Gutzielen". Auch bei den Genossenbankern hier läuft der Karren seit Jahren schief, wenn man an den DG Immobilienskandal denkt, bei dem die Genossen dreistellige Millionenbeträge versenkt haben. Kunden/Mitglieder hat man mit Versprechungen (Anlageempfehlungen) über den Tisch gezogen. Betrogene Kunden klagen vor Gericht.

Bankgenosse

29.11.2011, 10:24 Uhr

Früher dachte ich, genossenschaftliche Banken wären die anständigeren Banken. Uli Wickert behauptet das zwar immer noch, aber die eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen vieler anderer Genossenschaftlicher Kunden und Mitglieder lehren etwas anderes.

Der "Bankgenosse" hat vieles aufgedeckt - echt lesenswert!
bankgenosse.wordpress.com

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