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31.05.2013

19:44 Uhr

Österreichische Bank

Hypo Alpe Adria verkauft Tochter an indische Holding

Die kriselnde Hypo Group Alpe Adria verkauft ihre österreichische Tochter HBA an die indische Anadi Financial Holdings. Damit erfüllt das Geldinstitut eine Forderung der EU.

Die Hypo Group Alpe Adria erfüllt mit dem Verkauf ihrer Tochter HBA eine Forderung der EU. dapd

Die Hypo Group Alpe Adria erfüllt mit dem Verkauf ihrer Tochter HBA eine Forderung der EU.

WienDie österreichische Tochter der kriselnden Bank Hypo Group Alpe Adria wird an eine indische Holding verkauft. Die Anadi Financial Holdings Pte. Ltd. übernehme alle Anteile der Hypo Alpe Adria in Österreich (HBA) für 65,5 Millionen Euro, der Vertrag sei am Freitag unterschrieben worden, teilte die HGAA am Nachmittag mit. Das ist deutlich weniger als der Buchwert. Der Deal wurde an dem Tag bekannt, an dem Österreich eine überarbeitete Version des bisherigen Sanierungsplans für die Krisenbank nach Brüssel schicken musste. Regierungskreise wollten sich nicht zu Details äußern. Ein Sprecher des EU-Wettbewerbskommissars sagte lediglich: „Wir stehen derzeit mit den österreichischen Behörden in Kontakt.“

Der Teilverkauf der 2009 von Österreich notverstaatlichten ehemaligen BayernLB-Tochter ist Teil der von der EU geforderten Restrukturierung und Privatisierung. Die südosteuropäischen Töchter der Bank blieben zunächst beim Mutterkonzern Hypo Alpe-Adria-Bank International AG, sagte eine Sprecherin am Freitag. Für sie laufe aber auch der Verkaufsprozess.

Brüssel hatte im Gegenzug für milliardenschwere Staatshilfen auf einen raschen Verkauf der Töchter gedrängt. Auch von den Geschäften in Südosteuropa und Italien soll sich Hypo Alpe Adria nach dem Willen der EU trennen. Während der Staat Österreich sich von einem Verkauf der Balkan-Tochter einen hohen Preis erhofft, gilt das Italien-Geschäft derzeit als nicht verkaufbar.

Die Chronologie des Hypo Alpe Adria-/BayernLB-Dramas

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Ein wochenlanger Poker zwischen Österreich und Bayern geht zu Ende: Die HGAA geht an Österreich zurück und soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

4. Januar 2010

Der Freistaat hofft auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

13. Oktober 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt. Das Gericht zweifelt an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag.

19. Juni 2012

BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Die BayernLB wirft allen acht ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der HGAA vor.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legt Berufung ein.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst auf einen Prozess.

14. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

19. Dezember 2012

Ministerpräsident Seehofer fordert die HGAA zur Rückzahlung der Kredite auf.

20. Dezember 2012

Eine fällige Zinszahlung von zwei Millionen Euro an die BayernLB wird nicht überwiesen.

Hauptstreitpunkt zwischen Österreich und der EU-Kommission ist der Zeitplan für die Sanierung der Bank, die milliardenschwere Staatshilfen erhalten hat. Für Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia schreitet die Sanierung zu langsam voran. Er hatte der Bank Anfang März sogar mit der Schließung gedroht. Das Institut hat dagegen wegen schwieriger Marktbedingungen um mehr Zeit gebeten, um Geschäftsteile zu verkaufen. Das Finanzinstitut gehört seit der Verstaatlichung Ende 2009 der Republik Österreich. Sie hatte die Bank übernommen, weil die frühere Mutter BayernLB kein Geld mehr in das am Rande der Pleite stehende Institut pumpen wollte.

Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz bezifferte am Mittwoch die Kosten für eine Sanierung insgesamt auf knapp fünf Milliarden Euro. Im laufenden Jahr benötige die Bank nach den bereits geflossenen 2,2 Milliarden voraussichtlich 700 Millionen bis eine Milliarde Euro, hatte Ditz im ORF gesagt. Die durch die strengeren Kapitalregeln nötigen Staatshilfen für das laufende Jahr hat Finanzministerin Maria Fekter bereits weitgehend in ihrem Budget berücksichtigt. Wie viel Geld der Staat darüber hinaus noch in das marode Geldhaus stecken muss, hängt maßgeblich von den Verhandlungen über den Sanierungsplan mit der EU-Kommission ab.

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