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23.09.2014

17:28 Uhr

Österreichische Bank

Russland und Ukraine lassen Raiffeisen abstürzen

VonHans-Peter Siebenhaar

Historisch schlechte Nachrichten: Die österreichische Raiffeisen Bank muss erstmals einen Verlust ankündigen. Schuld ist die Krise zwischen der Ukraine und Russland – aber nicht nur die.

Der Chef der österreichischen Raiffeisen Bank, Karl Sevelda, hatte am Dienstag keine guten Nachrichten für die Anleger. Reuters

Der Chef der österreichischen Raiffeisen Bank, Karl Sevelda, hatte am Dienstag keine guten Nachrichten für die Anleger.

WienFür den spektakulären Blick über Wien im 17. Stock der österreichischen Raiffeisen Bank International hatte Karl Sevelda am Dienstag keine Zeit. Der Vorstandschef musste historisch schlechte Nachrichten verkünden. Wegen der instabilen Lage in der Ukraine und Sondergesetzen in Ungarn wird Raiffeisen in diesem Jahr erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen schreiben. „Der Verlust wird nicht 500 Millionen Euro übersteigen“, versprach Vorstandschef Karl Sevelda in Wien. Vor allem wegen der katastrophalen Situation in der Ukraine erhöhte die österreichische Bank ihre Risikovorsorge auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro. Zuletzt war man in Wien von 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro ausgegangen.

Raiffeisen zählt in der Ukraine mit ihrer Tochter Aval zu den größten Banken des Krisenlandes. Raiffeisen entscheidet derzeit Tag für Tag, welche der rund 80 Filialen in dem osteuropäischen Krisenland überhaupt öffnen können. „Wir wissen nicht, ob wir in der Ostukraine überhaupt noch eine Bank betreiben können“, sagte Sevelda. Derzeit droht dem Geldinstitut in der Ukraine eine Abschreibung von 60 Millionen Euro.

Die Börse reagierte erwartungsgemäß ausgesprochen negativ auf die schlechten Nachrichten aus Wien. Die Aktie brach am Dienstagnachmittag um mehr als zehn Prozent ein. Die Aktionäre werden für die hohen Risiken und die miserablen Perspektiven bezahlen müssen. Es ist fraglich, ob die Raiffeisen in der Lage ist, eine Dividende zu zahlen. „Es ist noch zu früh zu entscheiden, ob es eine Dividende geben wird“, sagte Sevelda. Im vergangenen Jahr schüttete die Bank noch 298 Millionen Euro an ihre Eigentümer aus. Das entsprach einer Dividende von 1,02 Euro pro Aktie.

Größte Banken der Welt (nach Bilanzsumme)

Platz 11

Deutsche Bank
Deutschland
1955 Milliarden Euro

Stand: Ende Juni 2015. Quelle: Bloomberg.

Platz 10

Barclays
Großbritannien
1960 Milliarden Euro

Platz 9

Bank of America
USA
1998 Milliarden Euro

Platz 8

BNP Paribas
Frankreich
2078 Milliarden Euro

Platz 7

Mitsubishi UFJ
Japan
2224 Milliarden Euro

Platz 6

JP Morgan Chase
USA
2402 Milliarden Euro

Platz 5

Bank of China
China
2408 Milliarden Euro

Platz 4

HSBC
Großbritannien
2489 Milliarden Euro

Platz 3

Agricultural Bank of China
China
2531Milliarden Euro

Platz 2

China Construction Bank
China
2627 Milliarden Euro

Platz 1

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)
China
3216 Milliarden Euro

Für Raiffeisen kommt es derzeit knüppeldick. Denn auch im benachbarten Ungarn droht der Bank wie anderen Wettbewerber großes Unheil. Die rechtspopulistische Regierung unter dem Premier Viktor Orbán zwingt die ausländischen Banken, rückwirkend ihre Zinsen und Gebühren für ihre umstrittenen Fremdwährungskredite zu senken. Das ist teuer für Raiffeisen. Am Dienstag war von Abschreibungen in Höhe von 240 Millionen Euro die Rede. Das ist rund ein Drittel mehr als bisher geplant. Mit dem neuen Gesetz ernten die Nationalisten in Budapest großen Zuspruch bei den Bürgern, die unter der Last der Fremdwährungskredite, meist in Schweizer Franken, litten.

Wie das ungarische Gesetz sich in der Praxis auswirken lässt, ist noch unklar. „Wir haben den Eindruck, dass die Fremdwährungskreditnehmer nicht gegenüber den herkömmlichen Kreditnehmern bevorzugt werden“, sagte Raiffeisen-Risiko-Vorstand Johann Strobl. Sevelda betonte, dass in Ungarn das Schlimmste vorüber sei. Denn der Regierung sei es gelungen, mehr als die Hälfte des ungarischen Finanzmarktes in nationale Hände zu bringen. Zuletzt hatte die Bayern LB ihre ungarische Tochter verkauft.

Die Perspektiven für Raiffeisen sind auch mittelfristig alles andere als rosig. Der größte Gewinnbringer der Österreicher, der russischen Finanzmarkt könnte aufgrund der schwachen Wirtschaft kippen. Der Vorstand macht aus dem Problem in Russland keinen Hehl. Er rechnet 2015 mit einer höhere Kreditvorsorge.

Mit seinen Problemen in Osteuropa ist Raiffeisen nicht allein. Die österreichische Erste Group schockte zuletzt den Markt mit der Ankündigung für das laufende Jahr einen Verlust von bis zu 1,6 Milliarden Euro einzuführen. Ähnliche wie Raiffeisen kämpft die österreichische Sparkasse mit Problemen in Ungarn und Rumänien.

Kommentare (1)

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Herr Vittorio Queri

23.09.2014, 17:39 Uhr

>> Russland und Ukraine lassen Raiffeisen abstürzen <<

Nach den Finanzsanktionen der EU gegen Russland ist das wohl KEIN Wunder ! Sanktionen erzeugen immer auch Gegensanktionen oder auch Gegenwirkungen, von denen der Sanktionierer betroffen ist !

Es gibt auch Bewegungen mit der Boeing, wie BILD berichtet !

Es wird wohl gegen die Junta eine Klage erfolgen....dann ist es mit Verleumdungen und Vertuschungen auch vorbei !

http://www.bild.de/politik/ausland/flug-mh-17/familien-der-deutschen-opfer-verklagen-ukraine-37748032.bild.html


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