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30.07.2013

14:30 Uhr

Österreichische Großbank

„Alles was wir brauchen, ist Wachstum“

Höhere Vorsorgen für faule Kredite und ein Verlust aus dem Verkauf der ukrainischen Tochter belasten die Erste Group. Im zweiten Quartal hat die Bank operativ weniger verdient.

Filiale der Erste Bank in Wien. Reuters

Filiale der Erste Bank in Wien.

WienDie österreichische Großbank Erste Group hofft nach einem Gewinnrückgang in der ersten Jahreshälfte auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung in Zentral- und Osteuropa. Damit würden die Menschen in krisengeplagten Ländern wie Rumänien und Ungarn wieder mehr Geld ausgeben und die Bankgeschäfte beleben, sagte Bankchef Andreas Treichl am Dienstag.

"Wenn man unsere Prognose in einem Satz zusammenfassen möchte, dann ist das sehr einfach: Alles, was wir brauchen, ist Wachstum." Zwar gebe es dafür bereits erste Anzeichen. Im Gesamtjahr werde das Betriebsergebnis aber dennoch um bis zu fünf Prozent schrumpfen, nachdem es von Januar bis Juni um sechs Prozent auf 1,64 Milliarden Euro nachgegeben hatte.

Das Sparkassenspitzeninstitut ist nach den Konkurrenten Bank Austria und Raiffeisen der drittgrößte Kreditgeber in Osteuropa. Zuletzt hatten der Bank die maue Wirtschaftsentwicklung in Rumänien und Ungarn zu schaffen gemacht. In beiden Ländern zeichne sich aber eine Besserung ab, sagte Treichl. Während die rumänische Tochter BCR dank deutlich geringerer Vorsorgen für faule Kredite im ersten Halbjahr mit einem Plus von 117 (Vorjahr: minus 141) Millionen Euro in die Gewinnzone zurückkehrte, ist das für Ungarn nicht absehbar. "Ich glaube nicht, dass wir nächstes Jahr ein positives Ergebnis in Ungarn haben werden. Wenn es kommt, würde es mich überraschen und sehr freuen", sagte Treichl. Im ersten Halbjahr verbuchte die Erste dort einen Verlust von 99 Millionen Euro.

Neben den Bankensteuern bereiten den Finanzinstituten dort neuerliche Pläne der ungarischen Regierung für einen Abbau der weit verbreiteten Fremdwährungskredite Sorgen. Treichl zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass dieser diesmal nicht ausschließlich zu Lasten der Banken erfolgen dürfte wie vor knapp zwei Jahren. Es gebe Anzeichen, dass die Regierung um Ministerpräsident Viktor Orban mögliche Maßnahmen mit der Finanzbranche diskutieren und eine für alle verträglich Lösung finden wolle. "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass der Leidensweg zu Ende geht", sagte Treichl.

Vor der Finanzkrise hatten viele Ungarn Darlehen in Schweizer Franken oder Euro aufgenommen. Wegen der Talfahrt des Forint konnten sie ihre Kredite aber nicht mehr zurückzahlen. Daher hatte Ungarn die Banken gezwungen, einen Teil ihrer Franken-Kredite in Forint umzuwandeln - allerdings zu einem Wechselkurs weit unter dem Marktwert. Auf den so entstandenen Verlusten blieben die Institute sitzen.

Im ersten Halbjahr lasteten neben den Verlusten in Ungarn das schwache Zinsgeschäft und ein Minus von 75 Millionen Euro aus dem Verkauf der defizitären Ukraine-Tochter auf den Zahlen. Der Gewinn schrumpfte um ein Drittel auf gut 300 Millionen Euro. An der Börse hatten die Anleger mit besseren Ergebnissen gerechnet: Die Erste-Aktie gab um bis zu drei Prozent nach.

Zukäufe stehen laut Treichl trotz des dickeren Kapitalpolsters nach der 660 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung Anfang Juli zunächst nicht auf der Agenda.

Von

rtr

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