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21.03.2014

17:19 Uhr

Österreichs Krisenbank

Hypo Alpe benötigt weitere 1,4 Milliarden Euro

Die Hypo Alpe Adria liegt den Steuerzahlern erneut auf der Tasche. Die erneute Finanzhilfe wird viel Geld kosten. Das Finanzministerium entscheidet in den kommenden Wochen über weitere Hilfen.

Weiterer Abwärtstrend bei der Hypo Alpe Adria: Die Bank ist erneut auf Staatshilfen angewiesen. Reuters

Weiterer Abwärtstrend bei der Hypo Alpe Adria: Die Bank ist erneut auf Staatshilfen angewiesen.

WienDie österreichische Krisenbank Hypo Alpe Adria benötigt weitere 1,43 Milliarden Euro an Staatshilfen. Mit dem Geld will die Bank eine Kapitallücke durch neuerliche Abschreibungen im Zuge der Bilanzerstellung für 2013 stopfen. Zudem soll die Summe reichen, um das Institut bis zur Gründung einer Bad Bank im Herbst über Wasser zu halten, teilte die Hypo am Freitag mit.

Finanzminister Michael Spindelegger entscheidet nun in den nächsten Wochen, wie der Staat der ehemaligen BayernLB-Tochter beispringt. „Erst wenn es vollkommene Klarheit über die Mittelverwendung gibt, wird frisches Geld fließen“, sagte er.

Die Bank hat bereits 4,8 Milliarden Euro an Staatshilfen erhalten. Die neuerliche Geldspritze kommt nicht überraschend. Die Bank hatte bereits vor Wochen mitgeteilt, dass sie die Vorschriften der Aufseher wohl nicht mehr aus eigener Kraft erfüllen kann. Unklar war jedoch bis zuletzt, wie hoch die Geldspritze diesmal ausfallen muss.

Die zusätzlichen Hilfen sind bereits von den EU-Wettbewerbshütern im Voraus genehmigt. Sie haben bis Ende 2017 grünes Licht für weitere 3,6 Milliarden Euro an Hilfen gegeben. Doch der am Freitag bekanntgegebene Kapitalbedarf deckt nur jene Verluste ab, die die Hypo bis zum Herbst schultern muss.

Mögliche weitere Bewertungsverluste im Zuge der Gründung einer Bad Bank sind darin nicht enthalten. Sollte die Hypo die benötigten 1,43 Milliarden Euro erhalten, dürfte sich darüber hinaus für ihren Abbau nur mehr 2,2 Milliarden Euro an zusätzlichen Staatsgeldern in Anspruch nehmen.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Österreich hatte das Institut 2009 notverstaatlicht, weil die ehemalige Mutter BayernLB kein Geld mehr in die Bank stecken wollte, die sich mit einer massiven Expansion am Balkan verhoben hatte. Nun will die Hypo ihre nicht verwertbaren Teile im September in eine Abbaubank auslagern, und so ihre Abwicklung vorantreiben.

Weil die Bad Bank mit Hilfe eines Sondergesetzes keine Banklizenz mehr besitzen soll, könnte die Hypo dann die strengen Kapitalvorschriften der Aufseher leichter erfüllen. Doch im Gegenzug treibt die Gründung der Bad Bank die Staatsverschuldung in die Höhe und die Kosten für den Abbau lasten auf dem Haushalt.

Grund für die neuerliche akute Kapitallücke sind neben weiteren Vorsorgen für faule Kredite Abschreibungen auf die zum Verkauf stehenden insgesamt sechs Südosteuropa-Töchter der Hypo. Ihren Wert hat die Bank in der Bilanz niedriger angesetzt, um mögliche weitere Verluste im Zuge eines Eigentümerwechsels zu vermeiden. Von ihnen muss sich die Bank nach Vorgabe der EU-Wettbewerbshüter bis 2015 trennen.

Von

rtr

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