Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2016

15:22 Uhr

Offenlegung von Kapitalvorgaben

Banken ignorieren EZB-Empfehlungen

Von den Kapitalvorgaben hängt ab, welche Geschäfte Banken machen und wie viel Geld sie ausschütten können. Die EZB empfiehlt, die Zahlen nicht zu veröffentlichen. Zwei deutsche Großbanken setzen sich nun darüber hinweg.

Die Zentralbank befürwortet eine Veröffentlichung der Kernkapitalquoten erst, wenn die neuen Basel-III-Regeln komplett eingeführt sind. dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Zentralbank befürwortet eine Veröffentlichung der Kernkapitalquoten erst, wenn die neuen Basel-III-Regeln komplett eingeführt sind.

FrankfurtDie zwei größten deutschen Geldhäuser veröffentlichen ihre individuellen Kapitalvorgaben und ignorieren damit eine Empfehlung der Europäischen Zentralbank. Nach der Deutschen Bank gab am Freitag auch die Commerzbank bekannt, welche Kernkapitalquote die EZB von ihr mindestens verlangt. Im laufenden Jahr sind es 10,25 Prozent - 3,25 Prozentpunkte weniger, als Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut Anfang 2016 aufwies. Viele Investoren wollen die Kapitalvorgaben für Banken wissen, schließlich hängt von ihnen ab, welche Geschäfte die Institute machen und wie viel Geld sie an ihre Aktionäre ausschütten können.

„Es ist in der Tat so, dass die EZB empfiehlt, dass nicht zu veröffentlichen“, sagte Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels am Freitag. Viele europäische Konkurrenten hätten dies jedoch trotzdem getan. Auch er wolle Investoren diese Information nicht vorenthalten. „Nach jetziger juristischer Einschätzung müssten wir diese Quote in einem Wertpapierprospekt ohnehin veröffentlichen.“ Wenn ein Aktionär auf der Hauptversammlung nach der Quote frage, wolle man ebenfalls antworten.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Auch der Privatbankenverband BdB hat sich für eine Veröffentlichung ausgesprochen. Branchenkenner gehen davon aus, dass in der anstehenden Bilanzsaison kleinere Institute dem Beispiel der zwei Branchenführer folgen werden. Die EZB legt Instituten, die diesen Weg gehen, keine Steine in den Weg. Eigentlich befürwortet sie eine Veröffentlichung der Quoten jedoch erst 2019, wenn die neuen Basel-III-Regeln komplett eingeführt sind, wie EZB-Ratsmitglied Klaas Knot kürzlich sagte. Die italienischen Großbanken setzen sich darüber schon länger hinweg. Sie müssen ihre Quoten auf Druck der italienischen Finanzmarktaufsicht offenlegen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×