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17.04.2012

11:32 Uhr

Offshore-Windparks

Finanzinvestoren sind Risiken auf hoher See zu groß

VonAxel Höpner, Georg Weishaupt, Nicole Bastian

ExklusivWindparks in der Nordsee werden gebraucht, um Deutschlands Energieversorgung in Zukunft zu sichern. Doch bei der Offshore-Finanzierung hakt es. Privatbanken halten sich zurück, staatliche Förderbanken müssen einspringen.

Am Windpark „Bard 1“ hat sich die Hypo Vereinsbank bereits die Finger verbrannt. dpa

Am Windpark „Bard 1“ hat sich die Hypo Vereinsbank bereits die Finger verbrannt.

München/DüsseldorfDie Energiewende in Deutschland wird nur gelingen, wenn jemand die Milliardeninvestitionen in Wind- und Solarparks sowie neue Stromautobahnen finanziert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind etliche Investoren und Kreditgeber auch in Lauerstellung. Doch die technischen und regulatorischen Risiken sind gerade bei den Offshore-Windparks auf hoher See immens.

Pioniere wie die Hypo-Vereinsbank (HVB) haben sich schon die Finger verbrannt: Die Unicredit-Tochter musste wegen erheblicher Verzögerungen bei einem von ihr finanzierten Offshore-Windpark 710 Millionen Euro Risikovorsorge bilden. Das verschreckt andere Finanzkonzerne.

So beteuert der weltgrößte Private-Equity-Spezialist Blackstone zwar, man wolle in den nächsten Jahren weitere Offshore-Projekte entwickeln. Die Finanzierung des Projekts „Meerwind“ stehe, als Nächstes solle „Nördlicher Grund“ westlich von Sylt entstehen, sagte Blackstone-Manager Sean Klimczak dem Handelsblatt. Doch er räumte auch ein: „Es wird zunehmend schwieriger, in Europa Kredite für solche Projekte zu erhalten.“

Eigentlich würden Versicherer wie die Allianz und Munich Re, Private-Equity-Spezialisten wie Blackstone und Banken nur zu gerne als Kapitalgeber auftreten. Das Engagement ist gut fürs Image, im Niedrigzinsumfeld werden dringend neue Investments gesucht und die alternative Stromerzeugung verspricht langfristig planbare Erträge. So kommt die Allianz bei den Investments in erneuerbare Energien auf Renditen von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Was Privatanleger über Offshore wissen sollten

Aktien

Nur zwei deutsche Titel kommen für Anleger infrage: Nordex, der TecDax-Wert, und Repower, das Unternehmen, das größtenteils in Besitz der indischen Suzlon ist. Weltmarktführer ist die dänische Vestas, daneben sind die spanische Gemesa und Mischkonzerne wie die französische Alstom in diesem Geschäft tätig. Die Aktie des heimischen Marktführers Nordex hat sich vom Kursabsturz im vergangenen Jahr noch nicht erholt.

Fonds

Windkraftfonds sind der mit Abstand größte Bereich aus dem Segment der sogenannten „New-Energy-Funds“. Diese gibt es als Form der geschlossenen Beteiligung schon seit mehr als zehn Jahren am deutschen Markt. Besonders die Energiewende soll der Branche neuen Schwung verleihen.

Große Chancen bieten nun vor allem die zahlreichen Windparks in der Nordsee. Doch die Projekte verzögern sich – weil die technischen Herausforderungen groß sind, Genehmigungen fehlen und Schweinswale geschützt werden müssen.

Daher zeigt sich zum Beispiel die Allianz, die schon 34 Solar- und Windparks an Land betreibt, bei Offshore zurückhaltend. „Im Prinzip sind wir für Investitionen in Offshore-Windparks offen, wenn wir eine geplante Rendite erwirtschaften können, die dem langfristigen Risiko gerecht wird“, so David Jones, Chef von Allianz Specialised Investments. Bislang habe man so eine passende Gelegenheit nicht gefunden. Angesichts der Herausforderungen bei Offshore-Parks werde man sich wohl nur als Minderheitspartner zum Beispiel von einem Erzeuger an Offshore heranwagen.

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Kommentare (3)

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Hermann.12

17.04.2012, 13:26 Uhr

Auf Strom und Stromtransport zu setzen ist ein kapitaler strukturpolitischer Fehler. Stromtransport verursacht die höchsten Effizienzverluste. wir sollten uns viel mehr Gedanken machen, wie man das veraltete Geschäftsmodell großer Stromkonzerne abwickeln kann, ohne an machtpolitische- oder sozialpolitische Grenzen zu stossen.
Denn das und nichts Anderes ist das Hauptproblem der Energiewende. Wir suchen Wege wie unvernünftige strukturen erhalten werden können.

H.

vandale

17.04.2012, 14:49 Uhr

Ich hatte einen Offshore Windpark nachkalkuliert und offensichtlich sind die Subventionssätze von 15.5c/kWh (es addieren sich die Kosten für den Netzanschluss von ca. 3 c/kWh die dem Verbraucher als Netzkosten in Rechnung gestellt werden) unzureichend um eine Rentabilität zu erzielen.

Der höhere Windertrag auf See wird durch die höheren Kosten für die Installation und Wartung im Verhältnis zu Landwindmühlen mehr als überkompensiert.

Weiterhin sollte man nicht vergessen, dass auch Offshore Windstrom auf (öko)religiösen Visionen basiert. Es wird ein wertloser, umweltschädlicher Zufallsstrom zu extremen Kosten produziert. Deutschlands finanzielle Potenz wird durch die Alimentierung Südeuropas sehr strapaziert und ein finanzielle Krise des Deutschen Staates ist für die Zukunft sehr wahrscheinlich. Es ist naheliegend dass die Gesellschaft im Falle einer Krise die Subventionen für diese praktisch wertlosen religiösen Monumente in diesem Fall abwerfen wird und die Subventionen ggf.rückwirkend kürzen wird.

Insofern ist es dem Restverstand der Investoren geschuldet nicht in diese (öko)religiöse Illusion zu investieren.

Vandale

vandale

17.04.2012, 15:13 Uhr

Wie zuvor geschrieben sind die Subventionssätze für Meereswindmühlen unzureichend für die Investoren um eine Rentabilität innerhalb des Subventionsrahmens zu erreichen.

Ich nehme an, dass Siemens und Co. eine Medien- und Politikpflegeoffensive mit dem Ziel einer Erhöhung der Subventionssätze starten werden.

Vandale

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