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21.11.2014

06:39 Uhr

Oliver Hommel zu Apple Pay

„Die Banken müssen aufpassen“

VonLukas Bay

Apple Pay wird es in Europa deutlich schwerer haben als in den USA, meint Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei Accenture. Die deutschen Banken werden durch das neue Angebot herausgefordert.

Accenture-Experte Oliver Hommel sagt Apple Pay in Deutschland einen schwierigen Start voraus. PR

Accenture-Experte Oliver Hommel sagt Apple Pay in Deutschland einen schwierigen Start voraus.

Die Hoffnung für Mobile Bezahlsysteme heißt Apple Pay. Seit etwa drei Wochen kann man in den USA mit dem Handy bezahlen. Kunden wie McDonald's berichten von einem guten Start des neuen Angebots. Doch in Europa sind die Hürden für den Internetriesen deutlich höher. Hier wird Apple Pay zur Bedrohung für die Banken.

Bisher hat man den Eindruck, dass die Deutschen beim mobilen Bezahlen noch sehr skeptisch sind. Wird Apple Pay das ändern?

Elektronische Zahlverfahren und damit auch Mobile Payments werden immer beliebter. Ich gehe aber davon aus, dass der Anteil der Bartransaktionen in Zukunft deswegen allein nicht deutlich schneller abnehmen wird. Dennoch ist ein langfristiger Trend klar erkennbar: Der Baranteil nimmt jedes Jahr um etwa ein Prozent ab, während die elektronischen Zahlungen zulegen.

Kann Apple beim mobilen Bezahlen eine Revolution lostreten, so wie das mit iTunes bei den legalen Musikdownloads gelungen wird?

Apple Pay wird die Entwicklung vielleicht ein wenig beschleunigen, aber wir werden keine revolutionäre Veränderung des Zahlverhaltens erleben. Letztlich deckt Apple mit seinen Geräten ja immer nur einen gewissen Teil des Marktes ab. Die Marktanteile und damit der Einfluss sind von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Apple Pay in Deutschland: Warum Apple vor einem Flop stehen könnte

Apple Pay in Deutschland

Warum Apple vor einem Flop stehen könnte

Das mobile Bezahlsystem von Apple ist in den USA gut angelaufen. In Europa dürfte es der Internetriese deutlich schwerer haben. Denn das Geschäftsmodell ist für europäische Banken nicht profitabel.

Bisherige Systeme sind daran gescheitert, dass sie nicht weit genug verbreitet waren. Droht Apple ein ähnliches Problem?

Der Grundstein von Apple Pay ist ja die Partnerschaft mit den internationalen Kreditkartenfirmen Mastercard, Visa und American Express – also bewährten und international weitverbreiteten Systemen. Was bei Apple Pay passiert, ist eigentlich nichts anderes als eine neue Form der kontaktlosen Kreditkartenzahlung oder Debit-Kartenzahlung. Apple hat dabei versucht, möglichst wenig am eigentlichen Transaktionsprozess zu verändern, um notwendige Investitionen bei Betreibern und Händlern möglichst gering zu halten.

Die Kosten für das bequeme Zahlen mit der Karte

Betrifft das überhaupt viele Menschen?

Ja. Dem Handelsforschungsinstitut EHI zufolge lag der Anteil des Kartenumsatzes 2012 am Gesamtmix der Zahlungsarten im deutschen Einzelhandel erstmals bei mehr als 40 Prozent - und das ist im EU-Vergleich noch ein geringer Anteil. Bei jeder Zahlung fallen dann Gebühren an.

Um welche Entgelte geht es?

Die Pläne beziehen sich auf die sogenannten Interbanken-Entgelte. Diese stellt die Bank eines Kunden dem Finanzinstitut eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher per Karte zahlt. Kreditkarten-Unternehmen wie Mastercard und Visa verdienen an diesen Gebühren - für Händler bedeuten sie aus Sicht der EU-Kommission unnötige Kosten in Milliardenhöhe, die durch höhere Produktpreise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Kommission ein Hindernis für moderne und sichere Zahlungsmethoden, wenn es aufgrund der Gebühren für Händler billiger ist, Bargeld anstatt Karten zur Bezahlung zu akzeptieren.

Wie hoch sind die Gebühren?

Das ist von Land zu Land sehr unterschiedlich: Die Gebühren für Debitkarten reichen der "Financial Times" zufolge von 0,1 Prozent in Dänemark bis zu 1,6 Prozent in Polen. Die Entgelte für Kreditkarten betragen demnach in Deutschland 1,8 Prozent, in Frankreich jedoch nur 0,5 Prozent. Auch das stört die EU-Kommission, die für ganz Europa möglichst einheitliche Geschäfts- und Wettbewerbsbedingungen anstrebt.

Auf welcher Höhe sollen die Entgelte gedeckelt werden?

Die Gebühren für Kreditkarten-Zahlungen sollen höchstens 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags betragen dürfen. Für Debitkarten will die Kommission die Grenze auf 0,2 Prozent festlegen. Das soll zunächst für grenzüberschreitende Zahlungen gelten, knapp zwei Jahre später dann auch für Transaktionen im Inland. Zuerst müssen allerdings EU-Staaten und Europaparlament zustimmen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland könnte das besonders Änderungen bei Kreditkarten bedeuten. Die deutschen EC-Karten dürften von den Bestimmungen für Debitkarten aufgrund eines einfacheren Systems ausgenommen bleiben. In Deutschland fällt bei der Zahlung mit EC-Karten in der Regel eine Gebühr in Höhe von 0,3 Prozent des Umsatzes an, mindestens jedoch acht Cent. Große Handelsunternehmen handeln mit den Banken aber auch eigene Sätze aus, die darunter liegen dürften. Die EU-Kommission hofft zudem, dass in Deutschland die Akzeptanz für das bargeldlose Bezahlen steigt.

Was ist das Ziel?

Neben einheitlichen Regeln und größerem Wettbewerb zwischen den Zahlungsanbietern strebt die EU-Kommission vor allem geringere Kosten für Verbraucher an. Doch das betroffene Unternehmen Mastercard warnt, dass genau das Gegenteil erreicht werden könnte, wenn die Kartenanbieter zum Ausgleich für die verlorenen Entgelte direkt von den Karteninhabern höhere Jahresgebühren fordern.

In welcher Höhe drohen den Kreditkarten-Unternehmen Verluste?

"10,5 Milliarden Euro fließen in der EU jährlich vom Handel in die Taschen der Kartenanbieter, davon bei Debitkarten 4,8 Milliarden Euro, bei Kreditkarten sogar 5,7 Milliarden Euro", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der EU-Kommission zufolge könnten die Händler Abgaben in Höhe von rund sechs Milliarden Euro sparen.

Was ist noch geplant?

Die Kommission will Extragebühren verbannen, die etwa bei einer Flugbuchung per Karte anfallen. Verbraucher sollen außerdem besser vor Betrug und Missbrauch geschützt werden, indem ihr Verlust bei nicht autorisierten Kartenzahlungen nicht über 50 Euro hinausgehen soll, anstatt bisher 150 Euro.

Aber warum sollte man Apple mitverdienen lassen?

Apple bietet einen zusätzlichen Weg an, um Umsätze zu generieren. Aber das geschäftspolitische Problem ist in der Tat, dass Apple natürlich mitverdienen will. Es ist ein relativ offenes Geheimnis, dass die US-Banken, die beim Start von Apple Pay dabei waren, an Apple 0,15 Prozent vom Umsatz abtreten. Das ist für die US-Banken wahrscheinlich gerade noch akzeptabel, weil in den USA die so genannten Interchange-Entgelte noch vergleichsweise hoch sind. Die Institute können daher einen Teil ihrer Marge abgeben und hoffen dies durch Masse zu kompensieren.

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