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02.11.2016

12:05 Uhr

Online-Bezahldienst

Paydirekt hofft auf das Weihnachtsgeschäft

Im Internet zahlen die Deutschen am liebsten per Rechnung oder Paypal. Die deutschen Banken wollen das ändern. Im Weihnachtsgeschäft soll ihr Bezahldienst Paydirekt durchstarten. Doch es gibt noch einige Hürden.

Der Bezahldienst der Banken soll bekannter werden. dpa

Paydirekt

Der Bezahldienst der Banken soll bekannter werden.

FrankfurtWenn in den kommenden Wochen das Weihnachtsgeschäft anläuft, beginnt im Handel die wichtigste Zeit des Jahres. Millionen Deutsche ordern Geschenke – gerne auch im Internet. Erstmals will dabei auch Paydirekt eine Rolle spielen, der gemeinsame Zahldienst der deutschen Banken.

Millionen Kunden sollen mit ihm schnell, einfach und sicher im Internet einkaufen. Nach einmaliger Registrierung können sie in der Regel per Eingabe von Benutzername und Passwort zahlen. Der Vorteil: Die fälligen Beträge werden vom hinterlegten Girokonto abgebucht, die Daten bleiben bei der Hausbank und auf Servern in Deutschland.

Paydirekt soll für Verbraucher eine Alternative zum Kauf per Lastschrift oder Kreditkarte sein – und Banken helfen, im boomenden Online-Handel Kunden zu binden. So dürfte der Umsatz im Internet laut dem Handelsverband HDE dieses Jahr um elf Prozent wachsen, mehr als vier Mal so stark wie der im Einzelhandel insgesamt. Für die Banken hat Paydirekt strategische Bedeutung. Mit dem Dienst wollen sie dem US-Konkurrenten Paypal die Stirn bieten, der schon seit Jahren in Deutschland aktiv ist.

Was gegen Bargeld spricht

Die Anonymität...

...des Bargeldes ermöglicht es, ohne elektronische Spuren kriminelle Geschäfte abzuwickeln oder Steuern zu hinterziehen.

Die Zinslosigkeit

...des Bargelds ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Das sehen einige Ökonomen kritisch, da es die Möglichkeiten der Geldpolitik beschränkt. Schon bei einem Zins von minus 0,75 Prozent soll es billiger sein, Bargeld vollversichert im Tresor lagern zu lassen, anstatt es als Bankguthaben vorzuhalten.

Die Kosten des Handlings...

...von Barzahlungen können für manche Empfänger deutlich höher sein als alternative Bezahlformen.

Doch auch wenn die Bundesbank Paydirekt als „sicheres und effizientes Zahlverfahren“ lobte: Ein Jahr nach dem Start kommt es nur schleppend voran. Das liegt auch am holprigen Start. Während Privatbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank (HVB) sowie die Volks- und Raiffeisenbanken von Anfang mitmachten, zögerten die Sparkassen. Die HVB preschte vor und schaltete am Paydirekt am 3. November 2015 frei. Doch um viele Händler für das damalige Weihnachtsgeschäft zu gewinnen, war es zu spät. Die Sparkassen mit ihren vielen Privatkunden folgten erst im April.

„Paydirekt befindet sich immer noch in der Aufbauphase“, sagt Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte beim Beratungsunternehmen Accenture. Betrachte man die Marktanteile der Zahlverfahren im deutschen Online-Handel, habe sich seit dem Start des Dienstes wenig verändert.

Nun soll Paydirekt aufholen. „Im Weihnachtsgeschäft wollen wir ein bedeutsamer Anbieter sein“, kündigte Geschäftsführer Niklas Bartelt an. Indes ist der Abstand zu Paypal groß. Die Amerikaner haben hierzulande mehr als 50.000 Online-Händler unter Vertrag und über 16 Millionen Kunden. Paydirekt zählt hingegen nur 750.000 Klienten. Sie können erst bei gut 300 Händlern einkaufen – etwa Süßigkeiten, Koffer und Elektronikartikel. Bekannte Anbieter sind relativ wenige darunter. Das schmale Angebot gilt als große Schwäche.

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Während es in anderen Ländern schon üblich ist, steht das Bezahlen per Smartphone in Deutschland noch ganz am Anfang. Das liegt auch an der Liebe zum Bargeld. Für einen Schub hierzulande könnte nun Apple Pay sorgen.

Immerhin kommt Paydirekt nun etwas voran. „25 Top-Händler haben zugesagt, Paydirekt anzubieten“, sagt Bartelt. „Eine signifikante Zahl davon wird zum Weihnachtsgeschäft angeschlossen.“ Unter den neuen Anbietern seien die Fanshops der Fußball-Bundesligisten Mönchengladbach und Köln, die Elektronik-Händler Technikdirekt und Comtech, die Versandapotheke DocMorris sowie der „Bild“-Shop des Axel Springer Verlags. Seit kurzem dabei sei der Fotodienstleister Cewe. „Mit weiteren großen Händlern stehen Gespräche kurz vor dem Abschluss“, sagt Bartelt.

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