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19.02.2014

16:36 Uhr

Oppenheim-Prozess

„Es ist Zeit, dieses Spiel zu beenden“

VonLukas Bay

Im Sal.-Oppenheim-Prozess hat der prominenteste Zeuge ausgesagt. Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman, liefert erstaunliche Einblicke in die Wochen der Karstadt-Rettung – und die Rolle seiner Investmentbank.

Goldman-Deutschland-Chef Alexander Dibelius: „Relativ hektische Anrufe“ von Thomas Middelhoff. dpa

Goldman-Deutschland-Chef Alexander Dibelius: „Relativ hektische Anrufe“ von Thomas Middelhoff.

KölnEs ist ein Wirtschaftskrimi aus undurchsichtigen Immobiliengeschäften, der Pleite eines deutschen Handelsriesen und der zweifelhaften Rolle der Investmentbanker, der vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Köln verhandelt wird. Auf der Anklagebank sitzen die einst wichtigsten Manager der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, die wegen schwerer Untreue oder Beihilfe dazu angeklagt sind: Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, einst Aufsichtsratschef von Arcandor, wie sich Karstadt zwischenzeitlich nannte. Auch auf der Anklagebank: der ehemalige Leiter des Investmentgeschäfts bei Sal. Oppenheim Dieter Pfundt sowie der Vermögensverwalter und enge Oppenheim-Vertraute Josef Esch. Doch im holzvertäfelten Saal 210 spielen sie am Donnerstag nur eine Nebenrolle.

Richterin Sabine Grobecker hat den prominentesten Zeugen zur Aussage geladen: Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. Der 54-Jährige soll Licht ins Dunkel bringen, in die Verstrickungen zwischen dem Handelskonzern Arcandor, der einst mächtigen Privatbank und der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die mit Investitionen in den Handelsriesen große Teile ihres Vermögens verloren hatte. Auch die Privatbank wäre über die Investitionen fast pleite gegangen und wurde nur gerettet, weil sie durch die Deutsche Bank übernommen wurde.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Goldman-Banker Dibelius spielt in diesem Wirtschaftskrimi keine Haupt-, aber eine wichtige Nebenrolle. Als Karstadt/Quelle, wie Arcandor im Jahr 2006 noch hieß, frisches Geld brauchte, überzeugte Dibelius den damaligen Karstadt-Chef Thomas Middelhoff, die Immobilien in eine Holding auszulagern, der man den Namen „Highstreet“ gab. Goldman erhielt den Zuschlag für eine Beteiligung an Highstreet von 51 Prozent ohne Ausschreibung. Kurz darauf übernahm die Holding für 3,7 Milliarden Euro 51 Prozent der Karstadt-Immobilien und stieg damit zum Vermieter des Handelskonzerns auf.

Als 2008 die operativen Probleme zunahmen, verkaufte der inzwischen in Arcandor umfirmierte Konzern seine restlichen Anteile an ein Bankenkonsortium. Doch die Finanzprobleme waren damit nicht gelöst – und eskalierten an einem schicksalshaften Wochenende Ende September 2008, das vor Gericht detailliert seziert wird.

Arcandor brauchte dringend frisches Kapital, um die Bestellungen für das anstehende Weihnachtsgeschäft bewältigen zu können. Goldman-Sachs-Banker Dibelius erinnert sich, dass es „relativ hektische Anrufe“ von Middelhoff gegeben habe.

Kommentare (1)

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sons_of_liberty

19.02.2014, 16:40 Uhr

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