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15.02.2017

14:56 Uhr

Ostdeutsche Institute

Die Musterknaben der Sparkassen

VonFrank Matthias Drost

Eigentlich müssten die ostdeutschen Sparkassen ähnlich unter dem niedrigen Zinsniveau leiden wie ihre Schwesterinstitute im Westen. Doch irgendetwas läuft bei ihnen anders, wie die Bilanz für das Jahr 2016 zeigt.

Die Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen gehören zu den Topverdienern unter den Sparkassen. dpa

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Die Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen gehören zu den Topverdienern unter den Sparkassen.

BerlinKaum ein Kreditinstitut, das in diesen Tagen seine Zahlen vorlegt, lässt sich die Steilvorlage der Europäischen Zentralbank (EZB) entgehen. Die in der Regel schrumpfenden Gewinne werden mit Niedrigzinsen der EZB begründet. Sparkassen und Volksbanken sind dabei überdurchschnittlich stark betroffen, da bei ihnen der Zinsüberschuss die mit Abstand wichtigste Ertragssäule ist.

Das ist bei den 45 Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) nicht anders. Aber sie haben es im vergangenen Jahr geschafft, den gesunkenen Zinsüberschuss durch einen deutlich höheren Provisionsüberschuss nahezu auszugleichen. Das ist beispielsweise den ebenfalls gut verdienenden Sparkassen des Verbands Westfalen-Lippe nicht gelungen.

Die höheren Provisionseinnahmen führt OSV-Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender zum einen auf höhere Gebühren und neue Kontomodelle zurück. Ferner profitierten die Sparkassen von höheren Wertpapierumsätzen und Provisionen aus internetbasierten Diensten.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

„Wir sind gut durch das Jahr 2016 gekommen“, sagte Verbandspräsident Michael Ermrich. „Besser als erwartet“, fügte er hinzu. Schon immer gehörten die Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen zu den Topverdienern unter den Sparkassen. Das durchschnittliche Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 1,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Um einen Euro Ertrag zu erzielen, müssen die Ost-Sparkassen nur 59,1 Cent aufwenden – auch das ist ein Spitzenwert. Bei den privaten Banken liegt dieser Wert bei etwa 80 Cent.

Handelsblatt-Sparkassentagung: Der Kampf gegen die Minizinsen

Handelsblatt-Sparkassentagung

Der Kampf gegen die Minizinsen

Die deutschen Sparkassen rechnen mit heftigen Belastungen durch die Niedrigzinsen. Um einen Euro zu verdienen, müssten die Institute bald 75 Cent aufwenden, warnt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon.

Das haben die ostdeutschen Sparkassen auch einem straffen Kostenmanagement zu verdanken. So wurden rund 1.000 Arbeitsplätze abgebaut, so dass die Zahl der Beschäftigten jetzt bei knapp 21.600 liegt.

Viel weiter spannen lässt sich der Bogen aber wohl nicht. „Weder die Einsparungen bei den Kosten noch der Spielraum bei Preisanhebungen sind grenzenlos wiederholbar“, warnte Ermrich. Zudem haben die ostdeutschen Sparkassen ein Anlageproblem. Die Kundeneinlagen summierten sich im vergangenen Jahr auf 96,3 Milliarden Euro (plus 3,4 Milliarden Euro), während der Kreditbestand um 3,8 Milliarden Euro auf 50,4 Milliarden Euro zulegte.

Die Sparkassen haben also beträchtlichen Anlagebedarf. Und die gut verzinsten Kapitalanlagen laufen aus und können nur zu schlechteren Konditionen angelegt werden. Folglich werden die Zinserträge aus Eigenanlagen sinken.

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