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16.03.2006

13:00 Uhr

Outsorcing

HVB lagert Wertpapierabwicklung aus

VonThomas Nonnast

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) wird ihre Wertpapierabwicklung an die International Transaction Services (ITS) auslagern. Die ITS ist ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint-Venture) der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt mit T-Systems, der Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom.

FRANKFURT. „Wir haben uns entschieden, das Wertpapierabwicklungsgeschäft im Privatkundensegment an die ITS auszulagern“, sagte Matthias Sohler, Organisationsvorstand der Hypo-Vereinsbank, dem Handelsblatt. Der Bereich Investment-Banking der HVB wird zwar weiterhin Wertpapiertransaktionen selbst durchführen, dafür jedoch ebenfalls die ITS-Plattform nutzen. Die eigene Wertpapierhandelsplattform gibt die HVB auf. Bei der HVB wird es durch den Outsourcing-Vertrag mit ITS zu einem Abbau von Personal kommen. Außerdem werden voraussichtlich einige Dutzend Mitarbeiter von der Münchener Bank zu T-Systems wechseln. Insgesamt arbeiten bei der betroffenen HVB-Abwicklungstochter Financial Markets Service rund 500 Mitarbeiter.

Das über sieben Jahre laufende Abkommen der ITS mit der HVB umfasst rund 16 Millionen Wertpapiertransaktionen pro Jahr. Damit löst die ITS mit dann knapp 40 Millionen Wertpapiertransaktionen pro Jahr den bisherigen Marktführer unter den Transaktionsbanken, die DWP-Bank, ab. Die DWP ist ein Gemeinschaftsunternehmen genossenschaftlicher und öffentlich-rechtlicher Banken.

T-Systems will das Geschäft in der Finanzbranche systematisch ausbauen und hat die Option, 2008 die Mehrheit an der ITS zu übernehmen. „Dies ist ein strategischer Durchbruch in einem Geschäftsfeld, in dem wir bisher noch nicht die kritische Masse haben“, sagte T-Systems-Chef Lothar Pauly dem Handelsblatt. Man rechne sich nun „gute Chancen aus, den Service auch nach Osteuropa auszuweiten“, sagte Pauly weiter.

Bislang liegt der Schwerpunkt von T-Systems als Dienstleister für IT-Prozesse vor allen Dingen im Automobilbau und der Telekommunikation. Erst vor kurzem hat T-Systems die VW-Tochter Gedas mit rund 5 000 Mitarbeitern übernommen. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatte das Unternehmen aber durch den Kauf des Softwareanbieters SDS sowie der Alldata, der IT-Tochter des Versicherungskonzerns Arag, seine Produktpalette im Finanzbereich ausgebaut.

Deshalb halten Experten die Übernahme weiterer auf die Finanzbranche spezialisierter Dienstleister durch T-Systems für nicht ausgeschlossen. „Sollten sich entsprechende Gelegenheiten ergeben, werden wir das genau prüfen“, bestätigt Pauly. Derzeit gebe es jedoch keine konkreten Pläne.

Für Jost Hoppermann, Bankenexperte bei Forrester Research, ist die Auslagerung der Wertpapierabwicklung der HVB ein weiteres Indiz für die beginnende „Industrialisierung von Bankprozessen“. So fassen immer mehr Institute ihre „Back-End-Prozesse“ wie Zahlungsverkehr und Wertpapierabwicklung in selbstständigen Töchtern zusammen. Doch obwohl die Bereitschaft bei den Banken steigt, diese Prozesse auszulagern, ist es noch „eine wachsende Minderheit, die bei Bankprozessen in industriellen Kategorien denkt“, sagt Hoppermann. Neben Zahlungsverkehr und Wertpapierabwicklung sehen Experten die Kreditabwicklung als Bereich, in dem sich spezialisierte Dienstleister profilieren können.

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